Loys-Chef über Fondsanpassungen nach dem Referendum 2 Brexit-Gewinner: Diese Papiere kauft Christoph Bruns

Loys-Chef Christoph Bruns

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DAS INVESTMENT.com: Europa und Deutschland sind enttäuscht und entsetzt über die Brexit-Entscheidung. Können Sie dem Votum irgendetwas Positives abgewinnen? Könnte der Brexit zum Beispiel das starke Signal sein, dass es brauchte, damit sich Europa neu aufstellt und stärker zusammenwächst? 

Christoph Bruns: Aus der Brexit Entwicklung ergeben sich mannigfache Folgerungen, die ich zunächst in politische und dann in wirtschaftliche Folgewirkungen unterscheiden möchte. Die Vorgänge in Großbritannien werden für viele Politiker eine Mahnung sein, bei komplexen Fragen nicht mit dem Feuer zu spielen. Die Torheit und Führungsschwäche des britischen Premierministers kommt das Land nun teuer zu stehen.

Politisch wird sich der Brexit als Katalysator für die Europäische Union (EU) erweisen. Ein Weitermachen wie bisher ist jetzt nicht mehr angezeigt. Die EU verliert 60 Millionen Menschen und muss jetzt in seinen Institutionen zurechtgeschnitten werden. Effizienz und Subsidiarität müssen an Bedeutung zunehmen. Reformunwillige Länder müssen aus der EU ausgeschlossen werden.

Wirtschaftlich könnte sich der Brexit jedoch als großartige Gelegenheit vor allem für Frankreich und Deutschland erweisen, die britische Dominanz in Finanzmarktthemen abzumildern. Nachdem London die kontinentalen Finanzplätze um Längen abgehängt hat, bekommen Paris und Frankfurt jetzt die einmalige Chance, Boden gegenüber London gut zu machen. Dazu wäre es allerdings notwendig, dass Berlin und Paris dies auch politisch wollen und mit fördernden Maßnahmen begleiten.

Welche Nachrichten im Zusammenhang mit dem Brexit könnten uns in den kommenden Tagen und Wochen erreichen, die für weitere heftige Kursrückgänge sorgen würden? Oder anders: Welche Folgen des Brexits hat die Mehrheit der Marktteilnehmer vielleicht übersehen?

Bruns: Es besteht die Gefahr einer erneuten Bankenkrise. Es wird sich nämlich alsbald zeigen, welche Banken von dem Brexit auf dem falschen Bein erwischt wurden. Wie man unschwer an den Börsenkursen ablesen kann, steht es um britische und italienische Banken nicht zum Besten. Bekanntlich befindet sich aber auch die Deutsche Bank, die ja von London aus gesteuert wird, in schwierigem Fahrwasser.