Loys-Vorstand zu europäischen Aktien Ufuk Boydak: „Kursschwankungen bieten Einstiegschancen“

Loys' Vorstandschef Ufuk Boydak rät zum Kauf von europäischen Aktien

Loys' Vorstandschef Ufuk Boydak rät zum Kauf von europäischen Aktien

Nach einem sehr ruhigen Jahr 2017 ist die Volatilität an den Aktienmärkten in diesem Jahr bereits deutlich gestiegen. Es steht außer Frage, dass sich die Schwankungen an den Märkten in diesem Jahr fortsetzen. Auch stärkere Rücksetzer sind möglich, denn die sehr robuste Verfassung der Weltwirtschaft bringt die Kurse ins Schlingern. Denn eine anhaltend gute Konjunktur führt zu steigenden Zinsen. Dabei besteht die Gefahr, dass die Zinsen schneller steigen als erwartet. Vor allem die Notenbank in den USA steht vor der schwierigen Aufgabe, Konjunkturentwicklung und Zinserhöhung in Einklang zu bringen, ohne die Wirtschaft zu überhitzen oder abzuwürgen. Hier wird es immer wieder Unsicherheiten geben, die zu starken Kursbewegungen führen werden.

Deutschland geht es zu gut, Frankreich holt auf und Italien bleibt ein Sorgenkind

Die Weltwirtschaft wird auch in den kommenden beiden Jahren solide Zuwächse verzeichnen. Ein Indikator hierfür ist die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen. In den G4-Staaten USA, China, Japan und Deutschland herrscht nahezu Vollbeschäftigung. Das hat einen positiven Effekt auf die Nachfrage und letztlich auch auf das Wirtschaftswachstum, das zum großen Teil vom Konsum getragen wird.

In Europa ist der Aufschwung breit gefächert und ruht auf den Schultern vieler Länder. Für die bisherige Lokomotive Deutschland sind die Aussichten weiterhin gut, zumindest kurzfristig. Auf lange Sicht ist hingegen mehr Aktionismus angesagt, denn Deutschland geht es zu gut. Es fehlen Visionen für die Zukunft und die heutigen Wettbewerbsvorteile werden nicht genutzt, um diese für die Zukunft zu festigen.

In Frankreich dagegen, das bislang als reformunfähig galt, schiebt Präsident Emmanuel Macron nun wichtige Reformen an. Sollte die Flexibilisierung des Arbeitsmarkts gelingen, könnte Frankreich zum neuen Wachstumsmotor Europas werden.

Sorgenkind Europas ist und bleibt vorerst Italien. Hier muss sich nach den Wahlen eine Regierung finden. Radikale Schritte und notwendige Reformen sind allerdings von einer neuen Führung nicht zu erwarten.

Handelskrieg zwischen den USA und China?

In den USA dürfte die im Dezember 2017 beschlossene Steuerreform der Wirtschaft zuträglich sein. Auch wenn der aktuelle Zyklus schon viele Jahre währt, kann die US-Wirtschaft durchaus noch zwei Jahre weiter wachsen. Allerdings bestehen Zweifel, ob die Steuerreform tatsächlich für einen nachhaltigen Aufschwung sorgt. Auch gegenüber den von Präsident Donald Trump angekündigten Einfuhrzöllen auf Stahl und Aluminium sowie ausgewählten chinesischen Produkten ist Skepsis angesagt. Trump setzt hier auf Industrien, in denen die USA nicht wettbewerbsbefähig sind und wird hierdurch die Inflation im Land anheizen. Zwar bleibt die Europäische Union vorerst vor den Einfuhrzöllen verschont, zugleich unterzeichnete der US-Präsident am Donnerstag, 22.03.2018, ein Dekret, das vorsieht, China mit milliardenschweren Strafzöllen zu belegen.

In Folge könnte der sich zuspitzende Handelskonflikt zwischen den USA und China weiterhin für Unruhe am Markt sorgen. Die Abwicklung des Brexit als bedeutendes Marktthema für Europa tritt hierdurch in den Hintergrund. So konnten zuletzt die positiven Meldungen zu den vereinbarten Übergangsfristen nicht ihre volle Wirkung entfalten.

Sorgfältige Aktienauswahl in Zeiten der Zinswende

Die gute wirtschaftliche Lage bringt die Notenbanken an das Ende ihrer ultralockeren Geldpolitik. Die USA sind bereits mitten im Zinserhöhungszyklus. Auch die Renditen langfristiger Anleihen haben seit Jahresanfang einen Sprung nach oben gemacht. Wie erwartet hat der neue US-Notenbank-Chef Jerome Powell den Zinssatz am Mittwoch, 21.03.2018, zum ersten Mal in 2018 um 0,25 Prozent auf eine Spanne von 1,50 bis 1,75 Prozent erhöht. Zudem teilte er mit, dass die jährliche Inflation in den kommenden Monaten steigen könnte und geht somit unverändert von insgesamt drei 0,25-Prozent-Zinsschritte für 2018 aus. Für 2019 werden anstatt der bisher signalisierten zwei Zinsanhebungen jetzt drei Zinserhöhungen in Aussicht gestellt. Die US-Notenbank deutete damit einen etwas strafferen Kurs an. Für Ende 2019 liegen die Konsens-Schätzungen für die US-Leitzinsen bei 2,75 bis 3,00 Prozent. Durch die Prognose für eine starke Wirtschaft konnte die Zinserwartung nach oben korrigiert werden. Im Euroraum hingegen muss die Zentralbank zunächst das Anleihekaufprogramm beenden. Vor Mitte 2019 rechnen wir nicht mit einer Zinserhöhung, wobei die Geschwindigkeit der dann zu erwartenden Zinserhöhungen negativ überraschen könnte.

Das heißt allerdings nicht, dass die europäischen Aktienmärkte aktuell vor Ausschlägen gefeit sind. Auch hier sind Schwankungen möglich. Einen Grund, sich von den Aktienmärkten zu entfernen, sehen wir darin jedoch nicht. Vielmehr gilt es, wie schon im Februar, auch die kommenden Rücksetzer für Käufe von Aktien zu nutzen – und zwar der richtigen Aktien. Zu den Qualitätsaktien zählen Unternehmen, die günstig zu haben sind und längerfristig überproportional Mehrwert liefern können. Entscheidend bei der Auswahl ist das asymmetrische Risiko-Rendite-Profil und das Performance-Potenzial muss mindestens doppelt so hoch sein wie das Rückschlagpotenzial.