Loys-Vorstand zur US-Wahl Christoph Bruns: „Die Vorentscheidung im US-Präsidentschaftswahlkampf ist gefallen“

Christoph Bruns ist Mitinhaber und Fondsmanager bei Loys

Christoph Bruns ist Mitinhaber und Fondsmanager bei Loys

Seit über einem Jahr dominiert Donald Trump die Aufmerksamkeit der Wähler im US-Präsidentschaftswahlkampf. Während der Vorwahlen hatte er den Überraschungseffekt auf seiner Seite. Seine nassforsche Art konnte ein Feld schwacher Wettbewerber überrumpeln und auch die Medien waren durch den auf Krawall gebürsteten New Yorker rasch elektrisiert. Doch mittlerweile ist die Vorentscheidung im US-Präsidentschaftswahlkampf gefallen.   

Die demokratische Partei war durch den Vorwahlkampf der Republikaner gewarnt und hatte hinreichend Zeit, sich auf das rüpelhafte und streitbare Gebaren des politischen Außenseiters Donald Trump einzustellen. Je mehr Zeit ins Land gezogen ist, desto transparenter und unerquicklicher färbte sich freilich die Darstellung des republikanischen Kandidaten. So war die erprobte Wahlkampfmaschine der demokratischen Partei inzwischen in der Lage, das Momentum des Egomanen Trump zu bremsen und den Immobilienmogul in die Defensive zu drängen. An Material dafür fehlte es bisher nicht. Trump selbst hat über die Jahre genügend Futter für seine Opponenten produziert.

Trumps zügelloses Mundwerk – Schaden für Republikaner und seine Kandidatur

Vor allem die Frauenfeindlichkeit Trumps, die sich in vulgären und respektlosen Auslassungen über das weibliche Geschlecht im Allgemeinen und über einzelne Frauen in der Vergangenheit manifestierte, hat dem Kandidaten zuletzt arg zugesetzt. Sogar republikanische Parteifreunde mussten sich öffentlich distanzieren, nachdem Trump sich zu einer aufrichtigen Entschuldigung für seine verbalen Beleidigungen als unfähig erwies. Wie sich gezeigt hat, ist die größte Stärke Trumps zugleich auch seine größte Schwäche: Sein loses Mundwerk führt dazu, dass er sich um Kopf und Kragen redet. Die vielen Personalwechsel innerhalb seiner Wahlkampfmannschaft indizieren obendrein, dass dieser Kandidat völlig beratungsresistent ist. Insofern ist Trump auf dem besten Wege, sich selbst zu besiegen.

Politisches System der USA kredenzt suboptimale Kandidaten

Die Vereinigten Staaten können nunmehr beginnen, sich auf weitere vier Jahre demokratischer Präsidentschaft einzurichten. Ein kleines Fragezeichen steht hinter der Gesundheit Frau Clintons. Wenn man aber bedenkt, dass beide Kandidaten alte Leute sind, dann sind gesundheitliche Zipperlein nicht weiter verwunderlich. Eher betrüblich ist es für das Land, dass das politische System nicht in der Lage ist, bessere Kandidaten als Trump und Clinton hervorzubringen. Vielleicht ist ein allgemeines Anzeichen der Überalterung in den westlichen Demokratien, dass die Wähler älteren Semestern den Vorzug geben.

Clintons fehlender Esprit – Wall Street erwartet keine durchgreifenden Reformen 

Hillary Clinton wird die Präsidentschaftswahl gewinnen, weil ihr Widersacher für öffentliche Ämter völlig ungeeignet ist. Sie ist zweifelsohne auch die Kandidatin der Wall Street. Man wird sich folglich auf eine Jahresendrally einrichten dürfen, sofern der Trump‘sche Kelch an den Finanzmärkten vorbei gegangen ist. Freilich bleiben die politischen und wirtschaftlichen Probleme des Landes immens. Ob Clinton die Frische zu durchgreifenden Reformen hat, ist zweifelhaft. Dafür fehlt es ihr an Esprit. Ebenso fraglich ist, ob die einigermaßen dysfunktionale republikanische Partei willens ist, in den kommenden vier Jahren konstruktiver zu agieren, als sie dies in den letzten acht Jahren unter Präsident Obama getan hat. Fest scheint aber zu stehen, dass das antiquierte US-Wahlsystem nicht reformierbar ist. Darin gleicht es übrigens dem dortigen Waffenrecht, welches ebenfalls unantastbar ist.