Maklerpool-Chef „Fintechs steigern die Qualität der Branche“

Oliver Pradetto, Geschäftsführer von blau direkt

Oliver Pradetto, Geschäftsführer von blau direkt

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Es wird viel über Fintechs geredet und noch mehr in diese investiert. Tatsächlich scheinen die ersten Erfolge Vermittlern Anlass zur Sorge zu geben. So verklagt die Vermittler-Interessenvertretung BVK die Firma Moneymeets, weil diese dem Kunden unverhohlen eine Rückerstattung von Provisionsanteilen anbieten. Zwar hat das Startup gerade einmal 6.000 Kunden gewonnen, doch befürchtet man einen Dammbruch. Immerhin sind mit Getsafe, Safeme und Clark weitere deutsche Fintechs gestartet, die die Provisionen teils direkt an den Kunden weiterreichen oder – wie im Fall Clark spenden. Am erfolgreichsten im deutschen Markt dürfte bislang Friendsurance sein. Hier belohnt man die Schadenfreiheit des Kunden finanziell. Und es bleibt nicht bei deutschen Unternehmen: Aus der Schweiz steht mit Europa-Marktführer Knip ein Fintech-Unternehmen an der Tür, dass bereits 80.000 Kunden gewonnen haben soll.

Alles in allem hätten die Neulinge damit immerhin rund 200.000 Kunden gewonnen – ohne Außendienst. Das riecht nach Revolution! Das riecht nach dem Anfang vom Ende des klassischen Vermittlers.

"Oft nicht viel mehr als eine knackige App"

Doch ganz so schnell schießen die Preußen wohl nicht. Die Idee den Kunden seine Verträge in einer App eingeben zu lassen und damit dem klassischen Vermittler seine Bestandsprovision abzunehmen? Das ist nicht besonders innovativ. Auch die Kunden scheinen dem Vorteil einer App-Verwaltung allein noch nicht so ganz zu folgen, warum sonst sollte fast jedes Startup die Kunden mit Provisionsweitergaben oder anderen finanziellen Anreizen locken?

So bleibt am Ende vor allem die opulente finanzielle Ausstattung, bei der sich die acht größten Makler-Fintechs satte 100 Millionen Euro Venture-Capital teilen. Das relativiert die Zahl der gewonnenen Kunden schon ein wenig und zwingt die Frage nach der Nachhaltigkeit des Ganzen auf.

Eine eklatante Schwäche der Markteroberer zeigt sich denn auch, wenn man einen Blick hinter die Kulissen wirft. Viel mehr als eine knackige App haben die Neuen nämlich nicht. Die gesamte Basistechnologie mit der Kunden effektiv verwaltet werden fehlt. Wohl auch deswegen finden sich bei einem der führenden Fintechs ganze 120 Mitarbeiter und das reicht gerade einmal aus, um die in der App erfassten Verträge vom Versicherer zu übertragen. Hinter der modernen Kulisse läuft alles manuell. Für Service ist keine Zeit mehr.

Und selbst die Apps sind bei näherer Betrachtung noch recht dünn. So versprechen die Revolutionäre in ihren Kunden-Apps „Selbstverwaltung“. Doch der Kunde kann wenig mehr, als bestehende Verträge zu erfassen. Schon die Änderung seiner Bankverbindung ist dem Kunden nur selten mit Hilfe der App möglich.