Makroperspektiven „Kein neuer Bärenmarkt, aber stärkerer Gegenwind für Aktien"

Dr. Ernst Konrad, Geschäftsführer der Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement GmbH und Fondsmanager der Phaidros Funds.

Dr. Ernst Konrad, Geschäftsführer der Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement GmbH und Fondsmanager der Phaidros Funds.

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Befinden wir uns in einer normalen technischen Korrektur oder waren die letzten Wochen nur der Auftakt zu einem längerfristigen Kursrückgang an den Weltbörsen? Rein rechnerisch betrachtet, spricht man von einem Bärenmarkt, wenn die Kurse seit ihrem letzten Hochpunkt um mehr als 20 Prozent gefallen sind.

Bei den meisten Aktienmärkten lag dieser im April. US-Aktien haben seither in der Spitze knapp 15 Prozent verloren, die meisten anderen Börsen in den Industrieländern über 20 Prozent, in den Schwellenländern zum Teil deutlich mehr. Damit drängt sich die Frage auf, ob die bisherigen Aktienmarkttreiber ihre Wirksamkeit endgültig verloren haben oder nur temporär durch andere Faktoren überlagert werden.

Finanzmärkte anfällig auch für kleinere Schocks

Von zentraler Bedeutung ist die weitere Versorgung des Aktienmarktes mit Zentralbankliquidität, da ein Großteil der Aufwärtsbewegung in den USA und vor allem in Europa seit Ende der Finanzkrise nicht auf der dynamischen Erholung der Unternehmensgewinne basiert, sondern auf einer Ausdehnung des Kurs-Gewinn-Verhältnisses.

Dieses kletterte für US-Aktien seit 2011 von zwölf auf in der Spitze 19 und für den Eurostoxx 50 von acht auf 16. Hierfür waren vor allem die massiven Zinssenkungen, beziehungsweise diversen Anleihekaufprogramme verantwortlich, die die Bilanzsumme aller Notenbanken seit der Finanzkrise von 6.000 US-Dollar auf 12.000 Milliarden US-Dollar anwachsen ließen (vgl. Grafik 1).



Die von der US Notenbank (FED) seit längerem angekündigte allmähliche „Entwöhnung“ von der allzu reichlichen Liquiditätszufuhr macht die Finanzmärkte deswegen anfälliger, selbst für kleinere Schocks, wie sie jüngst in Form eines Kurseinbruchs an der chinesischen Börse und der Mini-Abwertung des Renminbi passiert sind.

China als Spielverderber

Die chinesische Regierung hat viel Vertrauen durch ihr ständiges Schwanken zwischen Staatseingriffen und „Laissez-Faire“ verspielt, wie sich jüngst an dem vergeblichen Versuch der Stabilisierung des chinesischen Aktienmarktes und der unglücklichen Kommunikation der „Teilfreigabe“ des Renminbi-Wechselkurses gezeigt hat.

Die Finanzmärkte bezweifeln die offizielle Begründung, dass diese Anpassung im Zusammenhang mit der von China angestrebten Aufnahme des Renminbi in den exklusiven Klub der Weltwährungen – die sogenannten Sonderziehungsrechte des IWF - steht. Sie vermuten vielmehr, dass China nach dem Vorbild Japans Wachstumsimpulse über eine schwächere Währung erzeugen will. Was auch immer die Begründung sein mag, viele Investoren reagierten erst einmal mit dem Verkauf von Aktien.

Der Aktiencrash in China beherrschte zwar die Schlagzeilen in den letzten Wochen. Seine Bedeutung für die weitere Börsenentwicklung in den USA und Europa wird aber überschätzt. Der chinesische Aktienmarkt wird von inländischen Privatanlegern dominiert, die nur einen geringen Anteil ihres Gesamtvermögens dort investiert haben. Die Vermögensverluste halten sich deshalb trotz des saftigen Kursrückgangs in engen Grenzen ebenso wie die Auswirkungen auf den privaten Verbrauch.