Manager oder Makeup? Wie „Frauen-Fonds“ Geld anlegen und warum sie strittig sind

Foto: Getty Images

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Das Hauptargument, das durch Studien untermauert wird: Unternehmen mit einem relativ hohen Frauenanteil in Führungspositionen entwickeln sich besser als solche, die von Männern dominiert sind.  Traditionalisten mögen darüber spotten. Aber: Das etwa halbe Dutzend Frauen-fokussierte Fonds und Investmentstrategien - ein winziger Teil des 6,6 Billionen Dollar schweren Sektors für „gesellschaftlich verantwortungsvolles“ Investieren - hat sich überdurchschnittlich entwickelt. Die „Women & Girls Equality“- Strategie von Baron, die Private-Banking-Kunden angeboten wird, hat ihren Vergleichsindex 2013 und 2014 übertroffen, liegt in diesem Jahr allerdings bislang leicht darunter. Bis zur jüngsten Marktschwäche verzeichneten mehrere globale Investmentfonds mit ähnlichem Schwerpunkt zweistellige Renditen. Ob es der Fokus auf Frauen, die Umwelt oder die Menschenrechte ist: Ein sozialverantwortlicher Ansatz ist eine Möglichkeit, Geld und Gewissen in Einklang zu bringen. Doch bei vielen ist die Frage, ob es bei der sogenannten Gender-Brille darum geht, etwas zu verändern, oder nur um Profit. Zumindest ein Frauen-fokussierter Fonds gibt nicht einmal vor, mit seiner Aktienauswahl Frauen im Management fördern zu wollen, sondern sucht nach Unternehmen, die vorwiegend von Frauen gekaufte Produkte herstellen - etwa Kosmetika. Manager wie Baron oder Eve Ellis, die das „Parity Portfolio“ von Morgan Stanley verwaltet, verweisen auf Studien der letzten zehn Jahre, die darauf hindeuten, dass man mit Aktien von Unternehmen mit vielen Frauen in Spitzenpositionen Geld verdienen kann. Hervorgehoben wird vor allem die erste „Women Matter“-Studie von McKinsey von 2007. Wenn man die Gender-Brille richtig nutze, „muss man für soziale Rendite keine finanzielle Rendite opfern“, erklärt Ellis. Die meisten der Fonds versuchen, die Art von Erträgen zu erzielen, die laut McKinsey-Studie Frauen in Führungspositionen bringen können. Der UBS Hana She&Style in Südkorea allerdings konzentriert sich auf Firmen, die Produkte herstellen, die „weibliche Konsumenten ansprechen“, etwa Handys und Makeup. Dieser Ansatz sei eine etwas großzügige Anwendung der Gender-Brille im Investmentbereich, erklärt Barbara Krumsiek, Senior Industry Fellow am Women’s Leadership Institute der Georgetown University und ehemals CEO von Calvert. Doch das dürfte manche wenig kümmern: She&Style hat in diesem Jahr 18 Prozent Ertrag gebracht - mit Beteiligungen unter anderem am Hautpflegeproduzenten Amorepacific und Küchenhersteller Hanssem.
Valeurs Feminines, die Großmutter der Frauen-fokussierten Fonds in Europa, wurde 2005 von der französischen Investmentboutique Conseil Plus Gestion aufgelegt. Der Fonds investiert hauptsächlich in europäische Unternehmen, die viele weibliche Führungskräfte oder „eine starke weibliche Konnotation“ haben, so CPG-Chef Jean-Louis Hostache.