Manfred Schlumberger Die 4 größten Risiken für Aktienmärkte 2015

Manfred Schlumberger, Fondsmanager des BHF Flexible Allocation FT

Manfred Schlumberger, Fondsmanager des BHF Flexible Allocation FT

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Unser Szenario für 2015 nimmt bereits deutliche Konturen an: eine Fortsetzung der Aktienmarkthausse mit den Favoriten Europa, insbesondere Deutschland, und China sowie einer relativen Schwäche der USA. Der massive Rückenwind, den die EZB mit ihrem 1,14 Billionen Kaufprogramm insbesondere den europäischen Aktienmärkten verschafft hat, scheint auch vom Ausgang der Griechenlandwahl nicht beeinträchtigt zu werden.

Wie sehen wir den weiteren Jahresverlauf im Licht der neuesten Entwicklungen?

Getrieben von einer selbstinszenierten Deflationshysterie brachte die EZB bereits in der letzten Woche die „Draghi-Bazooka“ in Stellung. Analog zu den US-QE-Programmen gelang ihr dadurch bereits ein Anstieg der Inflation bei den Vermögenspreisen von Unternehmensanteilen (Aktien). Abgesehen von Korrekturen ist damit ein Ende der europäischen Aktienmarkthausse nicht in Sicht. Eine von der EZB gewünschte Ausweitung des Kreditvolumens im Euroland durch das Bankensystem ist jedoch wegen der sinkenden Zinsspanne für die Banken nicht zu erwarten. Angesichts der niedrigen Öl- und Rohstoffpreise ist auch vorläufig von keinem Anstieg der „normalen“ Preissteigerungsrate auszugehen. Aber der Wirkungsmechanismus über die Währung funktioniert: Der Euro wird immer schwächer und in Tateinheit mit den extrem niedrigen Energiepreisen stabilisiert sich das Wachstum in Europa und die Unternehmensgewinne können wieder deutlich kräftiger steigen. Hauptprofiteur sind exportstarke europäische Unternehmen beziehungsweise der Exportweltmeister Deutschland.

Ein „Grexit“ scheint trotz des Ausgangs der griechischen Wahlen jeden Schrecken für Euroland verloren zu haben. Da Griechenland seine Schulden niemals zurückzahlen kann, spricht eigentlich nichts gegen einen kompletten Schuldenerlass, außer dem Tatbestand, dadurch möglicherweise eine Kettenreaktion hervorzurufen.

Unter den Schwellenländern profitieren aktuell insbesondere die Rohstoff- und Ölimporteure, also Länder wie China und Indien. Diese Länder können es sich aufgrund der dadurch sinkenden Inflation leisten, die Zinsen zu senken. Sinkende Zinsen sind Treibstoff für die Börse. Das kann man aktuell besonders eindrucksvoll an der inländischen chinesischen Börse beobachten. Chinesische Anleger, die bisher lediglich in zunehmend riskante Immobilien und Kreditprodukte investiert haben, entdecken ihren nach der jahrelangen Baisse günstig bewerteten Aktienmarkt. Zwar versucht die chinesische Führung mittels Wertpapierkreditverschärfungen und der Zulassung zahlreicher Aktienneuemissionen gegenzuhalten, doch dürfte es dadurch lediglich zu einer Abflachung der Kurssteigerungsraten kommen.