Marc Friedrich im Interview „Der Euro liegt bereits seit Jahren auf der Intensivstation“

Marc Friedrich

Marc Friedrich

// //

DAS INVESTMENT.com: Mittlerweile sind viele Dinge, die Sie in Ihrem ersten Buch „Der größte Raubzug der Geschichte“ beschrieben haben, eingetroffen. Hat Sie die Schnelligkeit überrascht?

Marc Friedrich:
Wir waren sehr überrascht. Im ersten Buch haben wir das Platzen der Dot.com-2.0-Blase richtig prognostiziert, vor dem überteuerten Einstieg des Facebook-Börsengangs gewarnt sowie die Enteignung der Sparer und Bürger auf Zypern richtig vorhergesagt. Die Dynamik und Schnelligkeit des Eintreffens unserer Prognosen hat uns erschreckt und besorgt.

Wir haben ja schon vor Zypern immer betont, dass Geld überall hin gehört, aber nicht aufs Konto. Zypern war dann der Beweis. Diejenigen die ihr Geld auf dem Konto hatten wurden enteignet und mussten abgeben. Diejenigen die clever genug waren und es im Sparstrumpf oder im Schließfach hatten, haben nichts verloren.

Das Zypern Model ist nun seit August 2013 europäisches Gesetz und im Notfall muss jeder Bankkunde mit Summen über 100.000 Euro auf seinem Konto für die Banken bezahlen. Das hat mit Demokratie und Kapitalismus nichts mehr zu tun!

Und nun sind auch kurz nach Erscheinen unseres aktuellen Buches ebenfalls schon etliche Sachen eingetroffen, die wir prognostiziert haben. Das ist schon krass.

Den Euro und die Währungsunion gibt es jedoch immer noch. Nur noch eine Frage der Zeit?

Absolut. Der Euro ist gerade 13 Jahre jung - also im Teenager Alter - und liegt bereits seit Jahren auf der Intensivstation, wurde schon einige Male wiederbelebt und wird seitdem mit immensen Eingriffen künstlich am Leben erhalten. Eines ist klar: Alt wird der Euro nicht.

Es war von Anfang an ökonomischer Irrsinn unterschiedlich starke Volkswirtschaften wie Griechenland, Italien und Spanien mit Volkswirtschaften wie Deutschland und Österreich in ein Zinskorsett zu zwängen. Das bittere und sehr kostspielige Resultat erleben wir gerade alle live. Im Übrigen sind in der Vergangenheit alle Währungsunionen immer gescheitert.

Die Eurorettung ist eine beispiellose Serie von Vertragsbrüchen, Lug und Betrug. Wir erleben momentan Vertragsbrüche von oberster Stelle am laufenden Band. Für mich als überzeugter Demokrat und Europäer ist dies ein ungeheuerer und nicht erträglicher Vorgang.

Der Lissabonner - aber auch der Maastrichter Vertrag - wurde bereits gebrochen. Die Transferunion wurde installiert und die EZB betreibt verbotene monetäre Staatsfinanzierung und kauft allerlei Schrottanleihen auf für die im Extremfall wir alle haften müssen.

Der Euro wird scheitern! Er eint nicht Europa, er zerstört Europa! Schon jetzt opfern wir eine ganze Generation in den Krisenländern um ein nachweislich gescheitertes und politisch motiviertes Währungsexperiment zu stützen.

Millionen von Menschen gehen seit Jahren keiner Arbeit nach und zahlen somit auch nichts in die Rentenkasse ein – da kommt eine Altersarmutswelle auf uns zu, die spätestens dann den Euro ad acta legen wird.

Bei der Europawahl haben die extremen Parteien an Stimmen gewonnen – auch dies haben wir in unserem Buch leider folgerichtig vorhergesagt. Das zeigt die intuitive Unzufriedenheit der Bürger. Demokratie wird nicht mehr gelebt, sondern mit Füßen getreten. Wir haben ein Eliteproblem. Eine brandgefährliche Situation.

Ihr neues Buch heißt „Der Crash ist die Lösung“. Sie sind der Meinung, wir sollten den Kollaps kontrolliert herbeiführen. Wie stellen Sie sich das vor?

Bis 2012 hätten wir das System kontrolliert herunterfahren können, jetzt ist aber zu viel Geld im System. Mit den richtigen Personen an den richtigen Stellen wäre es trotzdem möglich, aber definitiv nicht mit der gegenwärtigen Elite. Die Elite – Politiker, Manager, Banker und Superreiche – profitiert von dem System. Warum sollte sie es also ändern. Es geht primär um Gier und Macht. Der Rest der Bevölkerung bezahlt das.

Noch besser: Man hätte einfach den Kapitalismus wirken lassen und ihn nicht 2008 aushebeln sollen. Wir haben heute keinen Kapitalismus mehr, sondern ein Mix aus Planwirtschaft, Etatismus und Sozialismus. Wie diese Systeme geendet sind ist aus der Vergangenheit allgemein bekannt.