Mark Mobius: "Manche Märkte haben zurzeit einen schwachen Puls"

Mark Mobius

Mark Mobius

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Das globale Wirtschaftswachstum war im ersten Halbjahr 2013 bislang nicht besonders berauschend. Dennoch fühlten sich viele Anleger veranlasst, mehr Kapital auf die Aktienmärkte zu lenken, die zum Teil auf Rekordstände anzogen. Die Jahresmitte erscheint uns als geeigneter Zeitpunkt, den Schwellenmärkten den Puls zu fühlen und unsere Prognose zu überdenken.
Mehrere Schwellen- und Grenzmärkte – wie zum Beispiel die Philippinen, Indonesien, Thailand und Vietnam in Südostasien – haben in den letzten Monaten solide Gewinne verzeichnet. Weitere Schwellenmärkte, die ebenfalls bemerkenswerte Ergebnisse brachten, wiesen positive lokale makroökonomische Entwicklungen auf, die kräftige Kapitalströme anzogen. Während sich Renditen vermeintlich sicherer Anlagen beinahe auf historischen Tiefstständen bewegen, nimmt das Interesse an potenziell höher rentierlichen risikoreicheren Anlageformen wie Schwellenländeraktien weiter zu.

Natürlich hat es auch Enttäuschungen gegeben. Verschiedene größere Schwellenmärkte wie Südafrika, Südkorea, Russland, China und Brasilien haben 2013 bis einschließlich April an Boden verloren. Herabgesetzte BIP-Wachstumsprognosen waren sicherlich von Nachteil, und rohstofflastige Märkte wurden doppelt beeinträchtigt, da verringerte Wachstumsprojektionen die Rohstoffpreise in einer Phase belasteten, als steigende Produktionskosten einzelne Minen- und Energieunternehmen unter Druck brachten.

Zudem litt die Stimmung in Südkorea unter der Bedrohung durch Nordkorea und unter der Angst, die japanischen Maßnahmen zur Schwächung des Yen könnten südkoreanischen Exporteuren schaden. In China reagierte die Regierung mit Maßnahmen zur Straffung der Geldpolitik und zur Eindämmung von Immobilienkäufen auf steigende Immobilienpreise.

Ferner sprachen verschiedene politische und marktbezogene Entwicklungen in Brasilien, Indien und Russland für einen politischen Kurs, der in eine weniger aktionärsfreundliche Richtung geht. So erhebt zum Beispiel die brasilianische Regierung hohe Steuerforderungen gegen mehrere Großkonzerne.

Nach Ansicht meines Teams dürften viele dieser Probleme, die die Performance größerer Schwellenmärkte in den letzten Monaten gebremst haben, langfristig nur geringe Auswirkungen zeigen. Auf der koreanischen Halbinsel verschärfen sich die Spannungen immer mal wieder. Dass die aktuelle Situation zu einem echten Konflikt eskaliert, halten wir für sehr unwahrscheinlich. Auch die Schwäche des Yen dürfte die Leistung der südkoreanischen Exportwirtschaft kaum dauerhaft beeinträchtigen.

Chinas Schritte zur Abkühlung der Immobilienmärkte schließlich sind im Kontext das soliden anhaltenden Wachstums und der Maßnahmen zur Neuausrichtung der Wirtschaft auf nachhaltigere Wachstumsmodelle zu sehen. Diverse politische Entscheidungen, die kurzfristig belastend wirken, könnten langfristig am Ende Vorteile bringen, wie Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung, die während des chinesischen Neujahrsfests die Nachfrage nach Luxusgütern drosselten.

In Russland stehen Problemen mit Aktionärsrechten unseres Erachtens außergewöhnlich niedrige Aktienbewertungen gegenüber. Währenddessen bleibt die Politik in Indien wie auch in Brasilien insgesamt marktorientiert. Vor allem aber dürfte die jüngste Schwäche der Rohstoffpreise unserer Überzeugung nach keinen langfristigen Trend darstellen.

Wachstumsargumente für die Schwellenmärkte

Obwohl die kurzfristigen Prognosen für das globale BIP-Wachstum unlängst rückläufig waren, rechnen wir für 2013 und die Folgejahre nach wie vor mit wieder anziehenden Wachstumsraten. 2012 sollte den Tiefpunkt darstellen.

Ferner erwarten wir für die Schwellenmärkte 2013 und darüber hinaus auf längere Sicht ein deutlich kräftigeres Wachstum als für die Industrieländer, was unseres Erachtens nicht nur für steigende Rohstoffnachfrage sorgt, sondern mit der Zeit auch auf die Rentabilität von Unternehmen und auf die Bewertungen durchschlagen könnte. Industrialisierung und Urbanisierung dürften die Rohstoffnachfrage in Schwellenländern zusätzlich anheizen, was die Preise langfristig in die Höhe treiben könnte.