Mark Mobius über die Emerging Markets Vereinigte Arabische Emirate: Schmelztiegel der Schwellenmärkte

Mark Mobius

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Die Region Naher Osten/Nordafrika, auch „MENA“ genannt, besteht aus 11 Ländern. Sie reicht von Oman bis Marokko. Zu ihr gehören auch Bahrain, Ägypten, Jordanien, Kuwait, der Libanon, Katar, Saudi-Arabien, Tunesien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).

Region, die nicht pauschal zu bewerten ist


Vor kurzem durfte ich wieder einmal Dubai besuchen. Dubai ist die größte Stadt der VAE und wirklich beeindruckend und kosmopolitisch mit seiner bunt gemischten Bevölkerung aus der ganzen Welt. Einige MENA-Länder waren in den letzten Jahren von geopolitischen Problemen geplagt.

Doch die VAE fanden im Gegensatz zu einigen anderen Grenzmärkten der Region aufgrund ihrer relativen Stabilität – und den generell guten Wirtschaftsaussichten – durchaus Interesse bei Anlegern. Die VAE sind ein interessantes Anlageziel. Und sie sind Beleg dafür, dass man die Region nicht pauschal bewerten darf.

MSCI-Hochstufung auf Schwellenmarkt-Status


Die Aussichten für die VAE sind gut – und das nicht nur von den Wolkenkratzern aus, die sich aus dem Wüstensand erheben. Der Anbieter internationaler Aktienindizes MSCI kündigte an, er werde die VAE (zusammen mit Katar) ab Mai diesen Jahres vom Grenzmarkt-Status auf Schwellenmarkt-Status heraufstufen. Der wohl signifikanteste Aspekt dabei dürfte das zusätzliche Vertrauen sein, das dieser Schritt unter Anlegern schafft.

Wir denken, dass dies zu höheren Portfoliozuflüssen führen kann. Da sind zum einen ausländische institutionelle Anleger, aber auch passive Investoren, die einen Index nachbilden. Diese Aussicht auf zusätzliche Liquidität könnte die Politik veranlassen, die Märkte weiter zu reformieren – eine Entwicklung, deren Beginn wir bereits beobachten konnten.

Zu den Reformen, die diskutiert werden, gehört auch die mögliche Verschmelzung der beiden Börsen der VAE – Abu Dhabi Securities Exchange Market (ADX) und Dubai Financial Market (DFM).

Mitglied des Golf-Kooperationsrats (GCC)


Ich denke, die Zukunft der VAE sieht aus vielerlei Gründen rosig aus. In der „Ease of Doing Business“ Rangliste der Weltbank schneiden die VAE in der Region mit am besten ab – 2014 nahmen sie den 23. Platz unter 189 Ländern ein. Die VAE sind, zusammen mit Bahrain, Saudi-Arabien, Oman, Katar und Kuwait, Mitglied des Golf-Kooperationsrats (GCC). Das ist eine Gruppierung, die in Bezug auf ihr Wachstum in den nächsten Jahren noch positiv überraschen dürfte.

Für 2014 prognostiziert der Internationale Währungsfonds für die VAE ein BIP-Wachstum von 3,9 Prozent. Steuern sind in den GCC-Staaten generell niedrig. Die VAE stechen in dieser Hinsicht noch hervor.

Die Einkommen sind in Dubai steuerfrei. Gewinne werden ebenfalls nicht versteuert. Das ist nicht nur für die Menschen, sondern auch für Unternehmen äußerst attraktiv.

Endet die lockere Fed-Geldpolitik: Auswirkung auf hiesige Währungen sollte moderater ausfallen


Alle diese Länder haben ihre Währungen an den US-Dollar gekoppelt. Ausnahme ist Kuwait, das seine Währung an einen Korb beziehungsweise eine Gruppe von Währungen gekoppelt hat.

Die Auswirkungen einer Reduzierung oder Einstellung des langjährigen Anlagenankaufprogramms der US-Notenbank Federal Reserve auf diese Währungen dürfte daher moderater ausfallen als in einigen anderen Schwellenmärkten.

Dubai hat auch zum Ziel, globales Zentrum für islamisches Finanzwesen zu werden, das sich durch schariakonforme Anlageformen auszeichnet. Ich denke, diese Entwicklung steht noch ganz am Anfang, denn es besteht weltweit großes Interesse an diesen Produkten.

Immobilienboom in Dubai

Der Immobilienmarkt in Dubai hat sich nach dem Boom 2008 und dem Crash 2009 wieder erholt. Die Zahl der Bauvorhaben steigt parallel zu den Immobilienpreisen. Die Eigenheimpreise stiegen im dritten Quartal um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr nachdem sie bereits um 18 Prozent im zweiten Quartal und um 18 Prozent im ersten gestiegen waren. Bildet sich im Immobilienmarkt in Dubai eine Blase?

Das ist natürlich eine berechtigte Frage. Derzeit sehe ich immer noch eine hohe Nachfrage von Anlegern aus Saudi-Arabien, Iran, Ägypten, Indien, Pakistan und anderenorts im Nahen Osten und der Welt. Die Regierung ist sich über die Möglichkeit einer Blase bewusst. Sie ist daher vorsichtig.

Im Vergleich zu 2008 erscheint der Immobilienboom in Dubai heute solider. Unter anderem auch deshalb, weil Maßnahmen zur Einschränkung von Spekulationen ergriffen wurden, zum Beispiel durch die Begrenzung von Hypotheken.

Beim letzten Crash waren die meisten Käufe bankfinanziert und erfolgten noch vor Baubeginn. Es handelte sich nicht um fertige Gebäude. Heute werden die meisten Transaktionen in bar abgewickelt. Wohnungen werden gebaut und sind bezugsfertig. Wer kauft?