Mark Mobius zu Schwellenmarktaktien „Aufwärtstrend auch bei steigenden Zinsen möglich“

Mark Mobius, Executive Chairman der Templeton Emerging Markets Group

Mark Mobius, Executive Chairman der Templeton Emerging Markets Group

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Das Vertrauen der Anleger in die Schwellenländer hat sich in den jüngsten Monaten verstärkt, obwohl damit zu rechnen ist, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ihre Zinsen noch in diesem Jahr kurzfristig anheben wird. Während die Fed bei ihrer Septembersitzung von einer Zinserhöhung abgesehen hat, setzten andere Zentralbanken weltweit weiterhin auf Unterstützung und geldpolitische Lockerung.

Unserer Ansicht nach verheißt die gemäßigte Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, der Bank of Japan und weiterer Notenbanken für das Wachstum und die Vermögenswerte der Schwellenländer Gutes. Gleichzeitig ist die Fed mit ihrer Verknappung dieses Jahr bislang äußerst vorsichtig vorgegangen. Wir sind der Meinung, dass es den Schwellenmärkten gelingen wird, geringfügige und allmähliche Erhöhungen der US-Zinsen gut zu überstehen. Und genau das scheint der Pfad zu sein, den die Entscheidungsträger der Fed eingeschlagen haben. Eine schnellere und aggressivere Anhebung der Zinsen in den USA würde aller Wahrscheinlichkeit nach sehr viel höhere Wellen schlagen, die sich weltweit bemerkbar machen würden.

Höhere Zinsen bedeuten nicht automatisch Verfall an den Aktienmärkten

Es bleibt abzuwarten, ob die Zentralbanken anderer führender Märkte reagieren werden, wenn die Fed ihre Geldpolitik verschärft. Falls andere große Zentralbanken ihre lockere Geldpolitik jedoch beibehalten und diese möglicherweise sogar beschleunigen, ist es durchaus möglich, dass die Wirkung einer künftigen Zinsstraffung durch die Fed auf globaler konjunktureller Ebene verpufft.

Darüber hinaus erzielen viele Schwellenländer bei ihren Strukturreformen zur Ankurbelung des Wachstums greifbare Fortschritte, was wiederum ihren jeweiligen Aktienmärkten Auftrieb verleiht – was unserer Einschätzung nach positiv für ihre langfristigen Aussichten ist.

Es sollte unbedingt beachtet werden, dass höhere Zinsen nicht automatisch zu einem Verfall an den Aktienmärkten führen. In der Vergangenheit ist es immer wieder vorgekommen, dass Schwellenmarktaktien ihren Aufwärtstrend trotz steigender Zinsen fortgesetzt haben, wie die nachfolgende Grafik zeigt. Wir dürfen nicht vergessen, dass das Geschehen an den Märkten durch eine Vielzahl komplexer Faktoren bestimmt wird. Zinssätze stellen lediglich einen dieser Einflussfaktoren dar.

Auch wenn die Schwellenmärkte nach wie vor sehr empfindlich auf die makroökonomischen Indikatoren und die globale Geldpolitik reagieren (was bedeutet, dass die Volatilität noch eine Weile anhalten dürfte), sehen wir Anzeichen dafür, dass die Anleger wieder Vertrauen in die Schwellenmärkte fassen. Dass sich dies ändert, ist unserer Einschätzung nach unwahrscheinlich.

Wir beobachten, dass sich viele positive langfristige Trends an den Schwellenmärkten fortsetzen. Hierzu zählen eine günstige demografische Entwicklung sowie ein Anstieg der Kaufkraft und der Konsumausgaben in zahlreichen Schwellenländern. Und diese Entwicklung ist noch lange nicht zu Ende. Daher sind wir der Ansicht, dass die langfristigen Argumente für Anlagen in den Schwellenländern weiterhin gut sind.