Markt und Trends Orientierung in Zeiten des Niedrigzinses

Flugzeugeinweiser: Wer sein Portfolio für die kommenden Monate richtig positionieren will, muss das Niedrigzinsumfeld berücksichtigen. (Foto: Airbus S.A.S. / Kim Doo Ho)

Flugzeugeinweiser: Wer sein Portfolio für die kommenden Monate richtig positionieren will, muss das Niedrigzinsumfeld berücksichtigen. (Foto: Airbus S.A.S. / Kim Doo Ho)

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Eins ist klar: Für die Zinswächter der Notenbanken wird auch 2015 kein einfaches Jahr. Während sich in den USA eine Zinswende andeutet, befinden sich die Zinsen im Euroraum noch auf Talfahrt. Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) im Sommer den Leitzins auf nur noch minimale 0,05 Prozent gesenkt hat, sind seit Herbst 2014 erstmals Negativzinsen real geworden. Nicht nur die EZB bestraft Geschäftsbanken, ihr Geld dort zu parken – bei der Commerzbank droht großen Firmenkunden ein Strafzins auf Einlagen, und bei der genossenschaftlichen Skatbank sind sogar Privatkunden betroffen. Besonders Vermögende zahlen ab 3 Millionen Euro Guthaben 0,25 Prozent Zinsen an die thüringische Direktbank.

Schlechte Aussichten für alle Sparer und Anbieter von Altersvorsorgeprodukten wie beispielsweise Rentenversicherungen. Es wird noch schwieriger, mit festverzinslichen Papieren attraktive Renditen zu erwirtschaften. Das lässt sich gut an der Rendite von Bundesanleihen ablesen. Für die Schuldverschreibungen mit zehnjähriger Laufzeit sank die Rendite auf zuletzt 0,6 Prozent.

Ungeachtet dessen setzt die EZB weiter hin auf eine sehr lockere Geldpolitik. Geld soll billig bleiben, um die Konjunktur in der Eurozone anzukurbeln. Mit den Negativzinsen will sie die Banken dazu bewegen, mehr Kredite zu vergeben. Die sollen zu mehr Investitionen führen und so Wirtschaftswachstum schaffen. Gleichzeitig hofft man auf einen Anstieg der Preise, um die Inflationsrate zu befeuern.

Vom Ziel, sie mittelfristig auf 2 Prozent zu schieben, sind die einzelnen Länder weiter entfernt denn je. In Deutschland lag die Teuerung zuletzt bei 0,7 Prozent, im Euroraum durchschnittlich gar bei nur 0,3 Prozent – auch als Folge des gesunkenenen Ölpreises.

Aus Angst vor einem weiteren Rückgang des Wachstums hat die chinesische Notenbank vor Kurzem erstmals seit mehr als zwei Jahren ihre Leitzinsen gesenkt. Die Konjunktur in China hat zuletzt an Fahrt verloren. Im Sommer legte die dortige Wirtschaft mit 7,3 Prozent so langsam zu wie seit Anfang 2009 nicht mehr. Dies könnte dazu führen, dass erstmals seit 15 Jahren das Wachstumsziel der Regierung verfehlt wird. Angepeilt ist ein Anstieg um 7,5 Prozent.

Gebremster Reformeifer

Von solchen Wachstumsraten können Europäer nur träumen. Dennoch ist die EZB-Strategie nicht ungefährlich. Analyst und Marktbeobachter Joachim Goldberg sagt zu den Bemühungen, noch mehr Liquidität bereitzustellen: „Jede Strategie ist nur so gut, wie die Fiskalpolitik auf der anderen Seite mitarbeitet, um Wachstum und Inflation auf den rechten Pfad zurückzubringen. Angesichts der Zahl an Mitgliedsstaaten in der Eurozone ist dies eine wahre Herkulesaufgabe.“ Und auch bei der Bundesbank befürchtet man, dass gerade die hoch verschuldeten Euroländer kurzfristig von einer verstärkten Nachfrage nach ihren Staatsanleihen profitieren. Mittelfristig könnte dies den Reformeifer in den Ländern bremsen.

Dennoch treibt die Notenbanker die Angst vor Deflation. Denn zum schwachen Wachstum in den Euroländern droht ein Verfall der Preise. Sollten die Rohölnotierungen weiterhin so niedrig bleiben oder noch sinken, wäre sogar eine negative Inflationsrate denkbar. Bundesbankpräsident Jens Weidmann sieht eine solche Entwicklung indes gelassen: „Eine für einige Monate unter null liegende Inflationsrate stellt für mich noch keine Deflation dar.“

Gleichzeitig sorgen die fallenden Ölpreise und der sinkende Eurokurs für gute Stimmung in den deutschen Firmen. Im Dezember stieg der Ifo-Geschäftsklimaindex zum zweiten Mal in Folge. Er ist ein Zukunftsindikator und beschreibt die Erwartungen der Unternehmen. Das Institut selbst korrigierte seine Wachstumsprognose für 2015 von einem auf 1,5 Prozent.



Gleiches gilt für die Verbraucher. Sie gehen ebenfalls davon aus, dass die Schwächephase in Deutschland nur vorübergehend ist. Laut der Konsumklimastudie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) sind die Indikatoren für eine positive Konjunkturerwartung gestiegen. Die Lust zu kaufen wird von einbrechenden Energiepreisen befeuert. Neben Rohstoffen sind auch Heizöl und Benzin deutlich günstiger geworden. Das verschafft Spielraum für andere Anschaffungen.

Den Bundesbürgern geht es denn auch so gut wie lange nicht. 58 Prozent erklären, dass sie mit ihrer finanziellen Situation zufrieden sind. So lautet das Ergebnis des jüngsten Vermögensbarometers des Deutschen Sparkassen und Giroverbands. Die Befragten gaben aber auch zu Protokoll, dass die Lust aufs Sparen gründlich vergangen ist: Nur aus Vernunftgründen sorgen demnach vor allem die Berufstätigen zwischen 30 und 60 Jahren vor.