Marktausblick Mehr M&A-Transaktionen im Healthcare-Sektor?

Mario Linimeier, Molekularbiologe und Healthcare-Analyst bei Medical Strategy.

Mario Linimeier, Molekularbiologe und Healthcare-Analyst bei Medical Strategy.

// //

Anacor statt Allergan – die beiden Unternehmen stehen beispielhaft für das, was sich aktuell im globalen Gesundheitsmarkt abspielt. Der amerikanische Pharmariese Pfizer hat vor Kurzem Anacor, einen Hersteller spezieller Hautcremes, für 5,2 Milliarden Dollar übernommen. Das entsprach einem Aufpreis von satten 55 Prozent. Trotzdem handelt es sich um eine vergleichsweise überschaubare Transaktion.

Das Interessante ist jedoch, dass die Akquisition nur wenige Wochen nach der gescheiterten Übernahme von Allergan über die Bühne ging. Pfizer hatte für den Botox-Produzenten 160 Milliarden Dollar geboten. Einen Teil des Geldes wollten die Amerikaner durch die Verlegung ihres Firmensitzes nach Irland wieder einspielen, was Steuern in einem erheblichen Umfang sparen sollte. Allergan ist in der irischen Hauptstadt Dublin angesiedelt. Doch die Regierung in Washington verschärfte das Steuerrecht bei Unternehmensfusionen - der Deal war nicht mehr attraktiv und platzte. Nun also Anacor.

M&A reloaded


Die Marktteilnehmer gehen jetzt davon aus, dass die für M&A-Transaktionen zur Verfügung stehenden Mittel wieder verstärkt fundamental, also für das operative Geschäft eingesetzt werden. Die Übernahme von Anacor stellt da nur den Anfang dar. Gleichzeitig ist Pfizer am US-Krebsspezialisten Medivation interessiert. Das gilt allerdings auch für die beiden Konkurrenten Amgen und Sanofi, wodurch ein Bieterwettbewerb um Medivation entbrannt ist.

Nahezu jedes größere Pharma- und Biotechunternehmen hat in den vergangenen Wochen bekannt gegeben, dass es Zukäufe vornehmen möchte. Dies ist vor dem Hintergrund der zahlreichen Patentabläufe und den damit drohenden Umsatzeinbußen auch dringend notwendig. Vor diesem Hintergrund ist eine Belebung der M&A-Aktivitäten zu erwarten.

Begehrte Übernahmeziele sind vor allem kleinere und mittelgroße Unternehmen mit innovativen Produkten in fortgeschrittenen Prüfungsphasen oder in der Markteinführung. Die Kassen der Pharma- und Biotechmultis sind gut gefüllt. Allein die zehn größten Biopharma-Unternehmen verfügen über mehr als 150 Milliarden US-Dollar. Demgegenüber werden alle Small- und Mid Caps aus dem Healthcare-Bereich insgesamt nur mit rund 300 Milliarden US-Dollar bewertet. Angesichts der gebotenen Aufgelder bei Übernahmeangeboten sind steigende Aktienkurse insbesondere bei den kleineren und mittelgroßen Unternehmen absehbar.