Marktausblick Volatilität – Wie anziehend sind Aktien noch?

Lukas Daalder, Chief Investment Officer von Robeco Investment Solutions

Lukas Daalder, Chief Investment Officer von Robeco Investment Solutions

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Im Mai bewegten sich die Aktienkurse in einem engen Korridor von einem Prozent seitwärts und konnten sich offensichtlich nicht entscheiden, ob die Zukunft positiv oder negativ sein wird. Aktuell sorgen sich Anleger hinsichtlich des Brexit-Referendums und anderer Ereignisse, die die Märkte bewegen könnten. Dazu gehören die Sitzungen der Notenbanken der Eurozone, der USA und Japans, Parlamentswahlen in Spanien, ein wichtiges Urteil des deutschen Bundesverfassungsgerichts über die Staatsanleihekäufe der EZB und die US-Präsidentschaftswahlen im November.

Die Erwartung: dass diese Ereignisse ohne große Folgen für die Anleger vorübergehen werden. Anlass zur Hoffnung geben eher strukturelle, langfristige Faktoren wie die Entwicklung der Ölpreise und die Verfassung der US-Wirtschaft.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Finanzmärkte eine abwartende Haltung eingenommen haben: Im Mai lagen die Aktienkurse beispielsweise zum Monatsende leicht im Plus, wobei die Kursbewegungen im Monatsverlauf weder extrem waren, noch eine klare Richtung hatten. Das wirft die Frage auf, worauf die Märkte eigentlich warten: auf den Ausgang mehrerer wichtiger Ereignisse wie des britischen Referendums über den EU-Austritt, der Notenbanksitzungen oder der Wahlen in Spanien?

Brexit würde speziell europäische und britische Aktien bewegen

Ein unerwartetes Ergebnis bei einem dieser Ereignisse könnte die Finanzmärkte sicher in eine neue Richtung lenken. Nach unserer Erfahrung halten sich die Märkte aber selten an den Kalender, wenn sie entscheiden, wohin ihr nächster Schritt geht. Wohlgemerkt: Wir sind uns ziemlich sicher, dass ein negatives Ergebnis des britischen Referendums ein großes, die Märkte bewegendes Ereignis wäre – zumindest was europäische und britische Aktien angeht. Ein Sieg des Pro-EU-Lagers dagegen könnte ein Stück weit für Entspannung sorgen.

Das Referendum ist sicher wichtig. Das heißt aber nicht, dass die Aktienkurse in Bewegungslosigkeit verharren und darauf warten werden, dass etwas geschieht. Viele erwarten, dass die Briten am 23. Juni für den Verbleib in der EU stimmen werden, auch wenn die Buchmacher ein solches Ergebnis für wahrscheinlicher halten als die Meinungsumfragen, die einen knapperen Sieg vorhersagen. Andere in nächster Zeit anstehende Ereignisse könnten sich Daalder zufolge als unaufregend erweisen.

Wenn wir uns die Termine im Kalender ansehen, rechnen wir eigentlich nicht mit allzu großem Wirbel. Die Wahlen in Spanien werden wahrscheinlich ähnliche Ergebnisse liefern wie die letzten, und die US-Notenbank Fed dürfte ihre nächste Zinserhöhung um einen weiteren Monat verschieben. Und es ist kaum zu erwarten, dass das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäften der EZB wirklichen schicksalsentscheidend sein wird.

Auch wenn das Referendum in Großbritannien der wichtigste Punkt auf der Liste ist – selbst hier fällt es schwer zu glauben, dass die Mehrheit der britischen Wähler für einen EU-Austritt stimmen wird. Als EU-Mitgliedstaat genießt Großbritannien in zweifacher Hinsicht Vorteile. Es ist eine sehr wettbewerbsfähige Volkswirtschaft im größten Binnenmarkt der Welt, besitzt aber nach wie vor seine eigene Währung und macht seine eigene Geldpolitik. Ein Mehrheitsvotum für den Austritt hätte Chaos zur Folge und würde die Märkte erheblich in Mitleidenschaft ziehen.

Chinas Konjunktur und Verschuldung der US-Unternehmen bereiten Sorge

Worauf warten die Märkte denn dann? Unserer Meinung nach ist es das übliche Tauziehen zwischen Hoffen und Bangen, wobei mit Chinas Wirtschaftswachstum und der Verschuldung der USA einige der “üblichen Verdächtigen” dabei sind. Mit Blick auf die Aktienmärkte würden wir sagen, dass sie gegenwärtig zwischen Hoffen und Bangen hin und her gerissen sind und keines dieser Gefühle die Oberhand gewinnen kann.

Was das Bangen angeht, gibt es viele Dinge, die die Aktienmärkte auf Talfahrt schicken könnten: Wie sich in den ersten sechs Wochen dieses Jahres gezeigt hat, könnten ein Glaubwürdigkeitsverlust der Notenbanken, Unsicherheit über die mittelfristigen Konjunkturaussichten in China und der erhebliche Schuldenanstieg bei US-Unternehmen, verbunden mit einer Zunahme von Adressenausfällen, die Märkte massiv nach unten ziehen, wenn sie alle zur gleichen Zeit auftreten.