Marktausblick „Wir haben unseren Aktienbestand reduziert“

 Bo Bejstrup Christensen, Chefanalyst bei Danske Invest

Bo Bejstrup Christensen, Chefanalyst bei Danske Invest

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Ich beschäftige mich jetzt schon seit über zehn Jahren mit globalen Anlagestrategien und wurde über die Jahre Zeuge einiger spektakulärer Begebenheiten an den Finanzmärkten. Zu den größten Ereignissen zählten selbstverständlich die Krise im Jahr 2008, die Griechenlandproblematik und zuletzt der Ölpreissturz, nur um ein paar zu nennen. Nichtsdestotrotz bin ich immer noch verblüfft, wie schnell sich die Stimmung an den Finanzmärkten ändern kann – auch jetzt wieder.

Als wir uns im Januar zu einer Erhöhung unserer Aktien-Gewichtung entschieden haben, war die Nervosität deutlich spürbar. Die Angst vor einem chinesischen Kollaps, einer US-amerikanischen Rezession und einer europäischen Bankenkrise bestimmte die Schlagzeilen und schickte die meisten risikotragenden Vermögenswerte auf Talfahrt.

Nur zwei bis drei Monate später sind diese Sorgen zwar nicht komplett verschwunden, doch es ist still um sie geworden. Globale Aktien haben von ihrem Tiefpunkt etwa 10 Prozent zugelegt, die Öl- und Rohstoffpreise steigen und die Zinsen für Unternehmensanleihen sind merklich gefallen. Gilt ab jetzt grünes Licht für weitere große Anstiege? Unsere Antwort lautet: Nein. Es gibt eher gelbes Licht, weshalb wir uns dafür entschieden haben, den Aktienbestand in unseren Mischfonds zu reduzieren.

Wachstum in China und den USA

Wir blicken kurz zurück. Die chinesische Regierung hat die Wirtschaft angekurbelt und die Währung stabilisiert. Somit ist der Renminbi bis dato gegenüber dem US-Dollar geringfügig stärker als noch zu Jahresbeginn. Außerdem hat der alles entscheidende Immobilienmarkt im ersten Quartal des Jahres mit kräftig steigenden Verkaufszahlen und hohen Preisanstiegen Stärke bewiesen. Das scheint die Bauaktivitäten stabilisiert zu haben – und mit ihnen auch ausgewählte Rohstoffpreise.

In den USA blieb die befürchtete Rezession aus: Der schwer angeschlagene Industriesektor sorgte in den letzten beiden Monaten mit einem deutlich steigenden Geschäftsklima für positive Überraschungen. Und der Arbeitsmarkt macht weiterhin unverdrossen Fortschritte, indem deutlich mehr Jobs geschaffen werden und die Löhne steigen. Trotzdem waren die Signale der Federal Reserve (Fed) deutlich: Die Unsicherheit ist nach wie vor hoch, weshalb die Zentralbank mit der Straffung der Geldpolitik sehr vorsichtig voranschreitet. Das ist zweifellos positiv für US-amerikanische Aktien und auch für Titel aus den Schwellenländern, die es traditionell schwer haben, wenn die US-Zinsen steigen.

Positive Vorzeichen in Europa und beim Ölpreis

In Europa setzt sich das Wachstum trotz großer politischer Herausforderungen fort, und die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Geldpolitik erneut massiv gelockert.

Letztlich sind die Ölpreise unter anderem dadurch gestiegen, dass es vermehrte Anzeichen für einen deutlichen Rückgang bei der US-amerikanischen Ölproduktion gibt und die Hoffnung besteht, dass die OPEC ihre Produktion stabilisieren wird. Davon haben vor allem US-Unternehmensanleihen und die rohstoffreichen Schwellenländer profitiert. Kurz gesagt: Die Weltuntergangspropheten hatten (auch dieses Mal) unrecht.

Der globale Aufschwung setzt sich fort

Die gute Nachricht zuerst: Im Hinblick auf die Weltwirtschaft sind wir nach wie vor grundlegend optimistisch.

Für die USA rechnen wir mit einer weiteren Wachstumserholung, da die negativen Auswirkungen der starken Währung allmählich abklingen. Darüber hinaus erwarten wir eine weitere Erholung am Immobilienmarkt und ein stabiles, die Realwirtschaft förderndes Bankensystem. Aktuell beträgt das Wachstum unseren Schätzungen nach etwa 1,5 Prozent und wir erwarten, dass es im Jahresverlauf auf mindestens 2,5 Prozent steigen wird.

In China sollte es wie gehabt weitergehen. Die Senkung der Anzahlungsanforderungen für Immobilienerstkäufer hat einen kleineren Boom ausgelöst. Und auch wenn die Verkaufsaktivitäten am Immobilienmarkt längerfristig nicht im derzeitigen Tempo weitersteigen können, sind noch weitere Impulse im System vorhanden – unter anderem das rekordhohe Kreditwachstum, das unserer Ansicht nach eine schlecht versteckte finanzpolitische Lockerung darstellt. Das stimmt mit der üblichen Form der Wachstums-Feinjustierung im Reich der Mitte überein.