Markteinschätzung Mit anziehender Inflation rechnen!

Shoppen am Black Friday in New York: Mit der Vollbeschäftigung in den USA steigt die Binnennachfrage | © Getty Images

Shoppen am Black Friday in New York: Mit der Vollbeschäftigung in den USA steigt die Binnennachfrage Foto: Getty Images

Ganz im Einklang mit unserer auf Wachstum ausgerichteten Anlageeinschätzung haben globale Aktien in den letzten Wochen ordentlich Gas gegeben. Die weltweite Konjunkturlage dürfte die Anleger weiterhin zuversichtlich stimmen und die Bewertungen im nächsten Jahr noch höher treiben.

Kurzfristig sind allerdings Enttäuschungen denkbar. So könnten Wohnungsmarkt und Industrie in China möglicherweise einen Gang stärker zurückschalten als von Anlegern erwartet. Zudem erhielt der US-Einkaufsmanagerindex ISM für das verarbeitende Gewerbe durch den schwachen US-Dollar Schub, so dass mit einer leichten Korrektur zu rechnen ist.

Außerdem sind globale Aktien – zumindest in kurzfristiger Sicht – überkauft. In den USA fiel die Berichtssaison sehr überzeugend aus, in Europa hingegen leicht enttäuschend. Für weitere Zuwächse braucht es mehr Katalysatoren. Hier könnte die US-Steuerpolitik dem US-Wirtschaftsmotor etwas mehr Schwung verleihen: Noch aber liegen kein ausgearbeitetes Konzept und kein finales Datum vor. Sollten die Renditen auf ihrem aktuellen Stand verharren, dürften die Aktienkurse in vollem Umfang von den starken Wachstumsaussichten profitieren und – gestützt durch solide Gewinne und niedrige Produktionskosten der Unternehmen – nach oben klettern.

Doch der Aufwärtsdruck dürfte auf Renditeseite allmählich steigen. In den letzten Jahren ist die Notwendigkeit zum Schuldenabbau weltweit deutlich gesunken. Somit wirken die Industrieländer, dabei hauptsächlich Europa, nicht länger als Hemmschuh für die weltwirtschaftliche Gesamtaktivität und folglich auch nicht inflationsdämpfend – etwas, das von vielen Anlegern ignoriert wird und Raum für Überraschungen lässt. Jerome Powell dürfte der bisherigen Linie treu bleiben und nächstes Jahr mindestens drei Zinserhöhungen vornehmen. In Asien haben die Notenbanken ihre Haltung geändert und tendieren nun zu einer stärkeren Straffung, darunter Korea, Malaysia, Thailand und in gewisser Hinsicht auch China.

Die in diesem Jahr in den USA rückläufigen Teuerungsraten sind vorwiegend auf eine Reihe spezifischer, nichtkonjunktureller Faktoren zurückzuführen. Hier ist insbesondere der Preiskrieg im Telekomsektor zu nennen. Ohne diesen wären 2017 die Verbraucherpreisinflation und das Lohnwachstum nicht gesunken. Wichtig zu erwähnen ist auch, dass die für den Preisrückgang in diesen Sektoren verantwortlichen Kräfte nicht das Ergebnis einer schwächeren Binnennachfrage waren.

Wenn überhaupt, tragen sie eher zur Reflation bei und sind ein Argument für weitere Zinserhöhungen. Langfristig orientierte Anleger sollten dran bleiben. Aus taktischen Überlegungen und für aktive Investoren empfiehlt sich eine Gewinnmitnahme am Aktien- (hauptsächlich USA) und teilweise auch am Unternehmensanleihemarkt und eine Reduzierung der Durationsposition. Das Gewinnpotenzial ist zu gering, das Verlustpotenzial dafür umso höher. Heute auf eine weiter niedrig bleibende Inflation zu setzen, scheint doch sehr gewagt.

Wertentwicklung verschiedener Anlageklassen im laufenden Jahr