Marktkommentar Bellevue Healthcare Investments – reichlich Rendite in neuen Märkten

Christian Lach, Portfolio Manager des BB Adamant Biotech (Lux)

Christian Lach, Portfolio Manager des BB Adamant Biotech (Lux)

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Die Globalisierung der Absatzmärkte beschleunigt sich auch im Gesundheitswesen. Während in den westlichen Industrieländern der Sparkurs in der staatlichen Gesundheitsversorgung und bei den Krankenkassen auf Umsatz und Gewinne drückt, steigen die Erlöse in den Schwellenländern durch Selbstzahler aus der wachsenden Mittelschicht.

Demografische Trends als treibende Kräfte

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wird sich die Erdbevölkerung zwischen 2010 und 2050 um ein Drittel auf 9,1 Milliarden Menschen vergrößern. Der Anteil der über 60-Jährigen wird sich dabei von 760 Millionen auf 2 Milliarden verdreifachen. Davon besonders betroffen sind zum einen die Industriestaaten. So werden die Senioren zur Mitte des 21. Jahrhunderts 36,6 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, in Japan sind es sogar 42,3 Prozent. Aber auch asiatische Gesellschaften durchlaufen einen Alterungsprozess: Im Stadtstaat Singapur wird sich der prozentuale Anteil der Senioren auf 35 Prozent mehr als verdreifachen und auch in China wird er sich 2050 auf 29,9 Prozent belaufen. Demgegenüber bleiben die USA mit einem Seniorenanteil von 26,9 Prozent vergleichsweise wenig davon betroffen. Den Ausschlag gibt hier der kontinuierliche Zustrom an jüngeren Einwanderern.


Abb. 1: Entwicklung der älteren Bevölkerung
Dunkelgrün: > 25 Prozent der Bevölkerung ist älter als 60 Jahre

Die Folgen liegen auf der Hand. Krankheiten wie Bluthochdruck, Arthritis, Diabetes, Krebs oder Schlaganfälle, wie sie vermehrt im fortgeschrittenen Alter auftreten, werden zur Herausforderung. Dementsprechend werden auch in den Schwellenländern die Gesundheitskosten auf staatlicher Seite und im privaten Bereich steigen. Während in den USA die Ausgaben im Gesundheitswesen zuletzt 17,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts stellten, waren es in Brasilien 9,3 Prozent, in China 5,4 Prozent und in Indien ganze 4,0 Prozent. In diesen Ländern werden die Regierungen mit höheren Budgets für die Gesundheitsvorsorge auf die Herausforderungen reagieren.

Zugleich steigt mit einer wachsenden Mittelschicht der Anteil der Selbstzahler, die für einen Teil der Ausgaben für medizinische Behandlung und Medikamente selbst aufkommen. Länder wie die USA stehen wiederum vor der Aufgabe, ihr Gesundheitssystem effizienter zu gestalten und einen größeren Teil der Personen, die bislang noch nicht von Krankenkassen und Versicherern erfasst wurden, in die Gesundheitsversorgung einzubeziehen.

Motor für die Innovation

Diese Entwicklungen schlagen sich in unterschiedlichen Wachstumsraten bei den einzelnen Segmenten der Gesundheitsindustrie nieder. Die Biotechnologie ist dabei zum Motor für die Entwicklung innovativer Medikamente geworden. Bedingt durch die steigende Zahl neu zugelassener Medikamente werden für die kommenden Jahre durchschnittliche Wachstumsraten von 15 Prozent erwartet. Generikahersteller wiederum sind die Nutznießer des steigenden Bedarfs an bezahlbaren Arzneien mit gutem Wirkprofil. Mit 10 Prozent bleibt die Gewinndynamik in diesem Bereich der Biowissenschaften, oder auch Life-Science-Industrie genannt, hoch.

Das vom Absatzvolumen weltweit größte Feld der Healthcare-Industrie bleiben die vielfältigen Dienstleistungen für Patienten, Fachärzte und Krankenhäuser. Dabei geht es um die stationäre und ambulante Behandlung, aber auch um neue IT-Anwendungen für die effizientere Erfassung und Analyse von Daten, kurz Healthcare-IT. Die erwarteten Wachstumsraten schwanken je nach Sektor und werden sich zwischen 2 Prozent und 10 Prozent bewegen.

Die Probleme Chinas

China bildet zurzeit den mit Abstand größten Gesundheitsmarkt unter den Schwellenländern. Es handelt sich dabei um ein noch fragmentiertes Marktumfeld mit völlig unterschiedlichen Bedürfnissen von Seiten der Patienten. Einheimische Player dominieren das Bild. Die aufstrebende Supermacht ist hier mit drei Herausforderungen konfrontiert. Die in den siebziger Jahren verordnete Ein-Kind-Politik wird in den kommenden Jahrzehnten zu einem beschleunigten Alterungsprozess in der Gesellschaft führen.

Darüber hinaus gewinnen ländliche Regionen, in denen aktuell 900 Millionen Menschen und damit 70 Prozent der Gesamtbevölkerung leben, an Bedeutung. Dort steht der Bevölkerung weniger Geld für Gesundheitsausgaben zur Verfügung. Mit einer Penetrationsrate von 90 Prozent üben Generikahersteller hier eine dominierende Präsenz aus. Zugleich liegen 70 Prozent aller Kliniken für eine stationäre Behandlung in städtischen Ballungszentren. Zu guter Letzt – und mit den ersten beiden Faktoren verbunden – steigt der Bedarf an neuen IT-Anwendungen für die Behandlung und die Datenanalyse.

Neue Kommunikationswege

Zu den Pionieren in der chinesischen Healthcare-IT zählen private Initiativen wie AliHealth Cloud Hospital. Patienten finden hier über ein Onlineportal Fachärzte und Krankenhäuser. Dabei können sie Behandlung und Services bewerten sowie ihre eigenen Gesundheitsdaten verfolgen. Ärzte und Krankenhäuser wiederum können Patientendaten über eine integrierte IT-Plattform verwalten, an verschiedenen Standorten praktizieren und online kommunizieren. Bislang dominiert noch kein Anbieter die gesamte Wertschöpfungskette. An Bedeutung gewinnen Plattformen für den Informations- und Datenaustausch zwischen Fachärzten, aber auch für das Rekrutieren von Fachpersonal und Patienten für klinische Studien.

Im Bereich der Medizintechnik entwickelt die Internetfirma Baidu ein Ökosystem für Geräte und den Datenaustausch, etwa für die Messung und Auswertung persönlicher Blutdruck- und Blutzuckerwerte.

In diesen Markt haben sich internationale Medizintechnikkonzerne wie Medtronic eingeklinkt. Diese verfügen teilweise über eine jahrzehntelange Präsenz vor Ort und arbeiten dabei mit lokalen Anbietern zusammen.