Marktkommentar Bond-Märkte spiegeln erwartete Zinserhöhung wider

Ulrich Harmssen, Direktor Investmentfonds Apella AG

Ulrich Harmssen, Direktor Investmentfonds Apella AG

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Die Angst geht um...

Wieder einmal bestimmen die Erwartungen der Börsianer an die Notenbanken das Geschehen an den Finanz- und Kapitalmärkten.

Der regionale Notenbankchef von Boston, Eric Rosengren, sonst eher als Verfechter einer lockeren Geldpolitik bekannt, hat sich kürzlich dafür ausgesprochen, die lockere Geldpolitik in den USA nicht zu lange auszudehnen; die US-Wirtschaft könnte ansonsten überhitzen..!

Diese Nachricht hat viele Börsianer überrascht, da Rosengren eher als Anhänger einer lockeren Geldpolitik gilt. Zugleich fragt man sich allerdings, wo der gute Mann in den USA Überhitzungsgefahr sieht!

In jedem Fall werden Börsianer nun ganz genau auf die am kommenden Donnerstag zur Veröffentlichung anstehenden Daten zu den US-Einzelhandelsumsätzen und zur US-Industrieproduktion achten. Fallen diese besser als erwartet aus, könnte es noch einmal ziemlich ruppig an den Märkten zugehen.

Man kann nun lange darüber diskutieren, ob der US-Wirtschaft tatsächlich Überhitzungsgefahr droht, oder ob bei diesen Überlegungen nicht doch eher der Wunsch der Vater dieses Gedankens ist.

Egal, die Bond-Märkte haben sofort reagiert: so sind die Renditen der US-Treasuries gestiegen und „spielen“ die Zinserhöhung; auch die Renditen dt. Staatsanleihen haben sich auf den Weg nach oben gemacht. Die Rendite der 10jährigen dt. Bundesanleihe hat erstmals seit 2 Monaten wieder positives Terrain erobert. Wenig überraschend, dass die Renditen von Staatsanleihen aus der Peripherie der EU besonders stark stiegen.

Und die EZB?

Diesen Trendwechsel bei der Entwicklung von Renditen von Staatsanleihen aus Euroland hat wohl auch zusätzlich die EZB mit ihrer Entscheidung, einstweilen keine weiteren geldpolitischen Lockerungen zu verkünden, beeinflusst. Viele Marktteilnehmer hatten offenbar damit gerechnet, die EZB werde mindestens ankündigen, ihr monatliches Ankaufprogramm von Wertpapieren zeitlich auszudehnen.

Dass Aktien aus Angst vor steigenden Zinsen kräftig unter Druck geraten, wundert wenig.  Erstaunlich nur, dass immer wieder in solchen Marktphasen Marktteilnehmer fast schon panikartig auf den Sell-Off-Zug springen und hektisch verkaufen. Schließlich dürfte doch – bei Einschalten des Verstandes – jedem klar werden, dass das Zinsniveau – diesseits und jenseits des Atlantiks - insgesamt weiter eher tief bleiben wird und damit Aktien auf längere Sicht die zu favorisierende Anlageklasse bleiben werden.

Aber: Börsen – zumal Aktienbörsen – übertreiben bekanntlich; und so sorgen Verkaufswellen an den Aktienmärkten immer wieder dafür, dass wir Aktien von erstklassigen Unternehmen, deren Werte definitiv nicht durch die Äußerungen von Eric Rosengren gesunken sind, zu günstigeren Preisen kaufen können.