Marktkommentar Capital Group Märkte dürfen mögliche Schocks nicht unterschätzen

Martyn Hole, Investment Director Equities bei Capital Group: „US-Aktien sind bereits teuer geworden.“

Martyn Hole, Investment Director Equities bei Capital Group: „US-Aktien sind bereits teuer geworden.“

Die wirtschaftliche Erholung in Europa ist ausgewogen, auch die früheren Schwächekandidaten Frankreich, Italien und Spanien zeigen starkes Wachstum. Löhne, Konsum und Investitionen steigen. Trotzdem bleibt die Inflation auf einem moderaten Niveau. Zudem sinken die Budgetdefizite der Staaten. So hat etwa Spanien sein Defizit von 9,4 Prozent während der Finanzkrise von 2010 auf 3,2 Prozent im Jahr 2017 reduziert. In Großbritannien lag das Defizit 2017 bei 2,9 Prozent im Vergleich zu 9,4 Prozent, in Italien bei nur noch 2,2 Prozent (vorher 4,2 Prozent). Gleichzeitig liegen die Bewertungen der europäischen Aktienmärkte immer noch unter ihrem langjährigen Durchschnitt. Dies gilt zum Beispiel für die Sektoren Energie, Rohstoffe, Industrie, Telekommunikation, Gesundheitswesen und Versorger.

US-Werte sind schon teuer

Auch in den USA läuft die Wirtschaft besser. Im Durchschnitt legten die Gewinne um 18 Prozent zu, davon waren 12 Prozent organisches Wachstum, 6 Prozent basierten auf anderen Ursachen. Starken Optimismus zeigen etwa die Mitglieder der National Federation of Indipendent Business (NFIB). Der Optimismus-Index liegt auf Rekordstand, erreichte im Februar 107.6 Punkte. Die NFBI betont, wenn Unternehmer zuversichtlich seien und die Wirtschaft für sicher hielten, seien sie in der Lage, mehr Beschäftigte einzustellen und investierten in ihr Geschäft. Für Anleger ergibt sich allerdings das Problem, dass die US-Assets bereits teuer geworden sind. Unser Research zweifelt, ob es noch gelingt, echte Value-Werte in dem rasch steigenden Aktienmarkt zu entdecken. Die hohen Bewertungen lassen den Schluss zu, dass es außerhalb der USA für Anleger bessere Investmentmöglichkeiten gibt.

In Japan sehen wir den stärksten Arbeitsmarkt seit 25 Jahren. Die Löhne steigen und treiben den Konsum an. Die Unternehmensgewinne streben in die Höhe und sollten die Investitionsausgaben erhöhen.

Zentralbanken werden Geldpolitik erst allmählich ändern

Doch welchen Einfluss werden die Zentralbanken voraussichtlich auf die weitere Entwicklung haben? Sie werden ihre Geldpolitik voraussichtlich nicht dramatisch straffen, jedoch allmählich zu früheren Verhältnissen zurückkehren. Nach Jahren der Aufblähung ihrer Bilanz hat die FED begonnen, ihre Bestände zurückzuführen. Dennoch werden die Zinsen in einem Umfeld von geringem Wachstum und geringer Inflation für längere Zeit niedrig bleiben.

Doch selbst wenn die Fed die Zinsen erhöht, muss das nicht zwangsläufig heißen, dass die Returns on Investment (ROI) von Anleihen sinken. In fünf der sieben Zinserhöhungsperioden seit 1983 waren die ROI deutlich positiv. Im Durchschnitt lagen sie innerhalb dieses Zeitrahmens bei 3,73 Prozent; in der Periode ab 16.12.2015 bis zum 30.9.2017 waren es sogar 5,9 Prozent.

Allerdings sollten Investoren trotz der positiven makroökonomischen Rahmenbedingungen und des Marktumfelds Vorsicht walten lassen. Die Märkte könnten Unwägbarkeiten und mögliche Schocks unterschätzen. Daher sollten Investoren in diesem Abschnitt des Zyklus sicherstellen, dass ihre Portfolios gut diversifiziert sind.