Marktkommentar DJE Kapital: „US-Healthcare-Sektor weiterhin attraktiv“

Marktkommentar: DJE Kapital: „US-Healthcare-Sektor weiterhin attraktiv“ | © pixabay.com

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Maximilian-Benedikt Köhn, Erstanalyst für den Healthcare-Sektor beim Vermögensverwalter DJE Kapital

Der Gesundheitssektor in den USA befindet sich seit längerem in einer Situation des Stillstands auf hohem Niveau. Hohe Gesundheitskosten und ungelöste Reformvorhaben der neuen US-Regierung haben zur Folge, dass die Erträge – zu großen Teilen staatsfinanziert – auf einem hohen Niveau bleiben. Davon profitieren die Unternehmen im US-Healthcare-Sektor.

Die Gesundheitskosten in den USA sind in den letzten 50 Jahren signifikant angestiegen. Während die Ausgaben 1960 bei nur 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) lagen, sind es inzwischen über 17,8 Prozent. Damit haben die USA weltweit mit Abstand die höchsten Gesundheitsausgaben sowohl absolut (umgerechnet deutlich mehr als 9.000 Euro pro Person) als auch relativ zum BIP. Im Vergleich dazu liegt der europäische Durchschnitt bei zirka 10 Prozent des BIP. Deutschland liegt mit gut 4.000 Euro pro Person bei 11 Prozent des BIP.

Hohe Gesundheitskosten in den USA

Die Gründe für diese hohen Kosten sind vielfältig. Zu nennen sind vor allem der deutliche Anstieg der sogenannten Wohlstandskrankheiten wie beispielsweise Diabetes, Herzinfarkt, Krebs oder Schlaganfall. Eine Möglichkeit, hohe Ausgaben im Gesundheitssektor zu reduzieren, sind Generika, die nach Ablauf des Patentschutzes des Ursprungsmedikaments auf den Markt gebracht werden. Aufgrund ihrer niedrigeren Entwicklungskosten sind sie in der Regel deutlich günstiger und kommen weitaus schneller auf den Markt.

In den USA sind Generika trotz der geringeren Produktionskosten allerdings aufgrund von Rabattverträgen oftmals nur zirka 20 Prozent günstiger als Originalpräparate. Hierdurch hat das Originalprodukt auch ohne Patentschutz weiterhin eine extrem gute Marktposition. Ein gravierender Kostensenkungseffekt bleibt aus.

Reformstillstand im US-Gesundheitssektor

Hinzu kommt, dass eines der zentralen Vorhaben der neuen US-Administration, die Abschaffung von Obamacare, noch nicht umgesetzt werden konnte. Das Repräsentantenhaus stimmte zwar bereits für den neuen Gesetzesentwurf, allerdings muss auch noch der Senat zustimmen.

Das bestehende Krankenversicherungssystem unterliegt einem systemischen Fehler: Jeder US-Bürger wird unter Obamacare dazu verpflichtet, sich zu versichern oder zahlt eine entsprechende Strafgebühr (zirka 1 bis 2 Prozent des Brutto-Jahreseinkommens). Im Resultat versicherten sich besonders ältere Menschen mit medizinischer Vorgeschichte. Viele jüngere US-Bürger bevorzugten das moderate Bußgeld. Die hohen finanziellen Lücken werden zum Teil mit Hilfe von staatlichen Subventionen geschlossen.

Trumps Idee: Ältere und vorerkrankte Versicherte sollen künftig einen höheren Beitrag bezahlen und gleichzeitig sollen Bedüftige (wie Arbeitslose) weniger finanzielle Unterstützung durch den Staat bekommen. Ob das Vorhaben der Trump-Regierung gelingt, ist durchaus fraglich, da die Republikaner in dem Senat mindestens 60 Stimmen benötigen, um das neue Gesetz zu verabschieden. Allerdings sind von den 100 Senatoren nur 52 Republikaner. Somit besteht erst einmal der Status quo – Obamacare bleibt.

Reduzierung der Unternehmenssteuer

Die Steuerpläne der US-Regierung können sich positiv auf den Gesundheitssektor auswirken: So hält dieser über 165 Milliarden US-Dollar in Geldbeständen im Ausland und könnte von einer Änderung der Repatriierungssteuer deutlich profitieren. Diese zurückgeführten Gelder könnten in Aktienrückkaufprogramme, Dividendenzahlungen, Schuldenreduzierungen oder auch Akquisitionen investiert werden. Ebenfalls positiv zu sehen wäre eine Senkung der Unternehmenssteuer. Unternehmen, die ihre Produkte in den USA herstellen, dürften künftig verstärkt von solchen Steuersenkungen profitieren.

Unser Fazit

Stark diversifizierte US-Healthcare-Unternehmen, sowohl mit Steuersitz als auch Produktion in den USA und hohen Offshore-Cashbeständen, sind weiterhin kaufenswert. Innovative Pharma- und Biotechunternehmen sollten von aktuellen Diskussionen über zu hohe Medikamentenpreise verschont bleiben. Reine Generikaunternehmen könnten hingegen erhöhten Preisdruck verspüren.

Healthcare zählt daher derzeit zu den Sektoren, die wir positiv einschätzen. Der Sektor gilt als defensiv und ist historisch günstig bewertet. US-Healthcare-Aktien notieren tiefer – US-Regulierungsrisiko eingepreist – als europäische oder asiatische Healthcare-Werte. Dennoch werden sie von vielen Fondsmanagern aktuell untergewichtet. In den DJE-Fonds zählt Healthcare zu den größten Branchen.