Marktkommentar Edelmetalle „Gold bleibt als Sicherheitsbaustein unbestritten“

Nico Baumbach, Fondsmanager der Hamburger Kapitalverwaltungsgesellschaft Hansainvest Hanseatische Investment

Nico Baumbach, Fondsmanager der Hamburger Kapitalverwaltungsgesellschaft Hansainvest Hanseatische Investment

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Der Goldmarkt hatte in den vergangenen Monaten zahlreiche Belastungen zu verkraften. Alleine Indexfonds auf Gold warfen seit diesem Frühjahr rund 165 Tonnen des wertvollen Materials auf den Markt. Ein gestiegener US-Dollar, sinkende Rohstoffpreise und das schwindende Risikobewusstsein vieler Anleger brachten das Krisenmetall zusätzlich unter Druck. Hinzu kamen dann noch die Turbulenzen in China. Das rückläufige Wachstum und der kollabierende Aktienmarkt führten in dem asiatischen Land nicht etwa zu einer Flucht ins Gold, wie zu erwarten gewesen wäre. Vielmehr verkauften die Chinesen sogar das von ihnen ansonsten hochgeschätzte Wertaufbewahrungsmittel. Dies geschah teilweise aus purer Not. Zahlreiche Privatanleger hatten auf Kredit mit Aktien spekuliert und benötigten nach dem Crash auf dem chinesischen Aktienmarkt Bargeld. Eine Rolle spielte auch die beabsichtigte Eindämmung der Korruption. Gold wird in China gerne bei geschäftlichen Anlässen verschenkt, was die Staatsführung nun versucht zu unterbinden. Ebenso sei die zuvor gängige Praxis, Gold als Sicherheit bei Kreditgeschäften zu hinterlegen, bei den Machthabern in Peking nicht mehr so gerne gesehen. China war neben Indien zum weltweit größten Goldkonsumenten aufgestiegen. Währungsverfall lässt Gewinnmargen steigen Außerdem war der Goldnotiz abträglich, dass sich die Gewinnmargen der Bergbauunternehmen verbesserten. Zahlreiche Goldminen befinden sich in Schwellenländern wie zum Beispiel Südafrika. Deren Währungen haben gegenüber dem US-Dollar stark an Wert eingebüßt. Somit aber erlösten diese Minen für ihr gefördertes Gold einen höheren Erlös in heimischer Währung.
Gemessen an diesen Einflüssen hielt sich der Goldpreis noch recht ordentlich. In Euro gerechnet, notierte die Feinunze Mitte September sogar etwas höher als ein Jahr zuvor. In der Referenzwährung US-Dollar bröckelte die Goldnotierung freilich ab. Es ist nicht auszuschließen, dass der Preis für die Feinunze nach unten auch einmal die Schwelle von 1.000 Dollar touchiert. Mittelfristig sehe ich die Goldnotiz in einer Spanne zwischen 1.000 und 1.300 US-Dollar pendeln. Die aktuell starken Käufe von Münzen und Barren in Nordamerika sowie eine robuste Nachfrage der Schmuckindustrie würden dem Markt Halt geben. Aktuellen Prognosen von Investmentbanken, die von Gold gänzlich abraten und das Edelmetall deutlich unter die symbolisch wichtige Marke von 1.000 Dollar abrutschen sehen, begegne ich dagegen mit Skepsis. Diese Analysten haben Gold vor Jahren auch in Richtung 3.000 Dollar klettern sehen, als sich der Preis im Aufwärtstrend befand.