Marktkommentar Lombard Odier IM Vorsicht vor dem (Über-)Optimismus der Märkte

Nathalia Barazal, Fondsmanagerin des LO Funds – Convertible Bond

Nathalia Barazal, Fondsmanagerin des LO Funds – Convertible Bond

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Die neue US-Regierung ist erst wenige Wochen an der Macht und hat bereits international für Verstimmungen gesorgt. Nach einer ersten Welle an Dekreten wurden diplomatische Streitereien mit den Ländern angefangen, die gegenüber den USA die höchsten Handelsdefizite aufweisen (China, Deutschland, Mexiko). Die Märkte haben – bislang – mit einem Schulterzucken reagiert. Es gab keine Umkehr in der acht Jahre anhaltenden Aufwärtsbewegung am US-Aktienmarkt.

Das hängt maßgeblich mit dem gesunden ökonomischen Erbe zusammen, das die Trump-Regierung übernimmt. Auch die Anfang Februar veröffentlichten Arbeitsmarktdaten zeigten sich stark; der Stellenzuwachs setzte sich fort. Das legt eine gedämpfte Inflation nahe und damit eine geringere Wahrscheinlichkeit bevorstehender Zinserhöhungen durch die Fed.

Die Rallye nach der Wahl dürfte durch verbesserte Fundamentaldaten allerdings nur wenig Unterstützung erfahren. Vielmehr sind die Aktienkurse in den vergangenen drei Monaten auf Grund der Erwartung von Wachstumsstimuli durch die neue Regierung so stark gestiegen. Der Schlüsselfaktor hinter dem Enthusiasmus ist der Glaube, dass radikale Steuerreformen Priorität haben: Eine Senkung der Unternehmenssteuern schiebt die Gewinne an und Steuervereinfachungen machen das Leben für jedermann leichter und setzen die Wirtschaft Gang, so die Hoffnung.

In der Zwischenzeit könnte die breit diskutierte „border tax“ gewisse Binnensektoren stimulieren. Wichtig ist dabei aber, dass solche Reformen nicht durch präsidiale Dekrete zustande kommen, sondern der Zustimmung durch den Kongress bedürfen. In der Vergangenheit waren solche Verhandlungen recht knifflig und üblicherweise langwierig. Dass in den Kursen der US-Aktien so viele “good news” bereits eingepreist scheinen, ist deshalb ein Zeichen für den (Über-) Optimismus der Märkte.

Anleiherenditen beginnen wieder zu steigen

Darin liegt das Paradoxon der Märkte derzeit und die Herausforderung für Investoren. Das Ende des acht Jahre andauernden Bullenmarktes bei Anleihen war eine Quelle endloser Spekulationen und Sorgen. Bislang aber scheinen die Aktienmärkte die Tatsache zu ignorieren, dass die Anleiherenditen jetzt schließlich steigen. In der Tat wurde die hohe Bewertung von Aktien (besonders in den USA) als eine teilweise Konsequenz des niedrigen Zinsniveaus erachtet. Der starke Anstieg zehnjähriger US-Bondrenditen von 1,4 Prozent auf 2,5 Prozent hat aber bis jetzt nicht zu einer Korrektur am Aktienmarkt geführt – sondern sogar eher das Gegenteil bewirkt.

Die kommenden Monate sollten uns mehr Klarheit darüber verschaffen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit radikaler Reformen unter Präsident Trump sind und – ebenso wichtig – über die Natur des wirtschaftlichen Umfeldes. Haben wir es mit säkularer Stagnation, also mit für längere Zeit niedrigen Zinsen, zu tun oder einer Periode der Reflationierung mit der Rückkehr zu höheren US-Leitzinsen?