Marktkommentar Neuer Rückenwind für Aktien dank Inflation?

Markus Steinbeis, geschäftsführender Gesellschafter der Steinbeis & Häcker Vermögensverwaltung

Markus Steinbeis, geschäftsführender Gesellschafter der Steinbeis & Häcker Vermögensverwaltung

Endlich: Nach vielen Jahren verzeichnen die Notenbanken und Regierungen mit ihrer expansiven Geld- und Fiskalpolitik offenbar Erfolge. Die Deflation als größtes Risiko in einem überschuldeten Wirtschafts- und Finanzsystem ist auf dem Rückzug; seit 2016 steigen die Konsumentenpreise weltweit wieder nennenswert an. Sowohl in Europa als auch in den USA wurde die 2-Prozent-Hürde genommen. Nun macht sich Erleichterung bei Aktieninvestoren breit. Denn in dem Maß, wie das Deflationsgespenst verschwindet, sinken die Risikoprämien für Aktien – und das sorgt seit Herbst vergangenen Jahres bei den Aktienkursen für eine völlig neue Dynamik.

Leichte Inflation ist positiv für Aktien

Die Geschichte der Kapitalmärkte zeigt immer wieder, dass die Aktienbewertungen stark profitieren, wenn die Inflation von niedrigen Niveaus aus zu steigen beginnt. Denn steigende Inflation bedeutet in aller Regel Rückenwind für Aktien – jedoch nur bis zu einem gewissen Punkt. Erreicht die Preissteigerungsrate ein Niveau von etwa 4 Prozent, verwandelte sich der Rücken- bislang in Gegenwind. Der Grund: Bei solchen dynamisch steigenden Konsumentenpreisen zogen die Notenbanken stets die Zinszügel an, was auch die langfristigen Zinsen nach oben zog. So bekamen US-Aktien seit den 1960er-Jahren immer Probleme, wenn die Renditen von zehnjährigen US-Staatsanleihen auf etwa 6 Prozent stiegen. Und heute?

Zinszügel bleiben wegen Schulden locker

Wir gehen davon aus, dass die Schmerzgrenze für den Aktienmarkt wegen der Schuldensituation heute weit unter dieser 6-Prozent-Marke liegt, wahrscheinlich eher in der Region zwischen 3 und 4 Prozent. Andererseits sind den Notenbanken wegen der weltweit hohen Verschuldung die Hände gebunden, und sie werden dem Finanzsystem die Droge Liquidität nur sehr zögerlich entziehen. Aus unserer Sicht ist das der ideale Nährboden für nachhaltig niedrige oder sogar negative Realzinsen – und das wiederum ist für die Wertentwicklung substanzstarker Unternehmen positiv.

In der Inflationszeit ändern sich die Favoriten

Aktien sind neben anderen Anlageklassen somit zweifellos gut geeignet, um in einem moderat inflationären Umfeld den realen Wert des Kapitals mindestens zu erhalten, eher aber zu steigern. Jedoch sind die Favoriten der jüngsten, von Deflationssorgen geprägten Epoche voraussichtlich nicht die Gewinner von morgen. Sollte sich die Preisdynamik weiter entfalten, werden vor allem Unternehmen gefragt sein, die steigende Einkaufspreise an ihre Kunden weitergeben können.