Marktkommentar Schuldenabbau der Banken bietet über Jahre hinweg Anlagemöglichkeiten

Ariel Bezalel, Fondsmanager des Jupiter Dynamic Bond SICAV

Ariel Bezalel, Fondsmanager des Jupiter Dynamic Bond SICAV

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Positionen im Bankensektor aufbauen

Im 3. Quartal 2012 haben wir die Entscheidung getroffen, Positionen in nachrangigen Anleihen von Banken aus Großbritannien und Deutschland aufzubauen. Eine progressiver werdende Politik der Zentralbanken in Europa (Mario Draghi sollte kurze Zeit später seine Bazooka-Rede halten) und in den USA (QE3 war bereits auf dem Weg) hat unser Interesse geweckt für die Art von Wert, wie er nur von einer Branche geboten wird, die sich mitten in einer Rekapitalisierung befindet. Für Anleiheinvestoren würden sich hier auf Jahre hinaus Anlagemöglichkeiten präsentieren.

Mit der gebotenen Vorsicht haben wir in Tier 1 und Lower Tier 2 Papiere von Branchenschwergewichten wie Lloyds, Barclays, Royal Bank of Scotland und Commerzbank investiert. Letzten Endes haben wir angenommen, dass Banken versorgerähnliche Charakteristiken entwickeln würden. Als ein vielversprechendes Thema, welches mit großer Überzeugung im Jupiter Dynamic Bond SICAV umgesetzt wird, machen Bankenanleihen etwa 23 Prozent der hochverzinslichen Anleihen im Portfolio aus (Stand 31. Januar 2014).

Bilanzen stärken

Mit etwas über 7 Prozent des Fonds (Stand 28. Februar 2014) ist Lloyds die größte Position aus dem Sektor und steht sinnbildlich für die Veränderungen, die im gesamten Bankenbereich stattfinden. Die Bank, größter Anbieter von Hypotheken und Spareinlagen in Großbritannien, ist nicht nur eine Wette auf die Erholung der dortigen Wirtschaft, sondern macht auch beständige Fortschritte bei ihren strategischen Plänen, Vermögenswerte, die nicht zum Kerngeschäft gehören, zu reduzieren.

In Folge dessen steigt die Profitabilität. Lloyds hat eine nach Basel III Vorgaben voll aufgefüllte Tier 1 Kapitalquote von über 10 Prozent (Stand 13. November 2013) und eine Verschuldungsrate leicht über den aktuellen regulatorischen Anforderungen. Neben den langfristigen Entschuldungsplänen der Bank überzeugt uns auch, dass ihr Schwerpunkt auf dem traditionellen Bankgeschäft statt auf dem Investment Banking liegt.

Strategische Möglichkeiten

Ein Teil des Schuldenabbaus betrifft Veränderungen hinsichtlich der Art von Kapital, das Banken in ihren Bilanzen halten. Im Endeffekt bedeuten diese Veränderungen, dass ältere Tier 2 und andere nachrangige Papiere nicht länger ihren Zweck erfüllen könnten, wenn Banken einem Stresstest unterzogen werden. Hinsichtlich dieser Veränderungen haben wir taktische Positionen in diesen Anleihen aufgebaut in der Erwartung, dass sie mit einem Aufschlag zum gegenwärtigen Marktpreis zurückgekauft werden.

Anfang März kündigte Lloyds einen solchen Schritt an, als die Bank ein Rückkaufangebot für seine ausstehenden Enhanced Capital Notes (ECN) in Höhe von rund 8 Milliarden Pfund machte. Diese langfristigen nachrangigen Schuldverschreibungen, auch Contingent Convertible Bonds (CoCo’s) genannt, wurden 2009 begeben, als die Bank Kapital für die Stresstests der FSA (Hinweis: im April 2013 wurde aus der Financial Services Authority die Financial Conduct Authority) benötigte. Seit den neuesten Überlegungen zur Definition des Kernkapitals gelten sie aber als unzureichend.

Bei Investitionen in Anleihen steckt der Teufel im Detail und so hat diese eher technische Veränderung unserer Meinung nach eine höchst interessante Investmentmöglichkeit geschaffen. Bei seinem Rückkaufangebot räumte Lloyds den Inhabern der Anleihen die Option ein, diese zu einem günstigen Preis in neue zusätzliche Tier 1 Anleihen im Wert von insgesamt 5 Milliarden Pfund zu tauschen. Davon profitierten die Anleger des Jupiter Dynamic Bond SICAV, der zu diesem Zeitpunkt etwa mit 3 Prozent in den Papieren gewichtet war.