Marktturbulenzen Wieviel Mitschuld trägt der Herdentrieb?

Nathalia Barazal, Fondsmanagerin des LO Funds – Convertible Bond

Nathalia Barazal, Fondsmanagerin des LO Funds – Convertible Bond

// //

“Der Herdeninstinkt unter Prognostikern lässt Schafe wie unabhängige Geister aussehen.“
Edgar Fiedler

Das extreme Verhalten der Aktienmärkte im Januar, mit einem Rückgang beim MSCI World um 5,5 Prozent und einer nach oben schießenden Volatilität (der VIX kletterte auf 23 Prozent, der V2X auf 24 Prozent), war für viele Investoren und Prognostiker eine große Überraschung. Die Wachstumsabschwächung in China und die historisch niedrigen Ölpreise, sind die zwei Faktoren, die üblicherweise als Ursache für diesen jüngsten Kurssturz genannt werden. Sie sind aber genauer betrachtet keine zufriedenstellende Erklärung mehr.

Historisch haben wir es als gegeben hingenommen, dass ein Rückgang beim Ölpreis eine gute Nachricht für ölimportierende Länder und Regionen wie Europa oder die USA ist. Jetzt aber lesen wir Analysen, in denen diskutiert wird, wie niedrigere Ölpreise zu niedrigeren Aktienkursen führen. Zwei Erklärungen werden dafür angeführt: Erstens, dass sehr niedrige Ölpreise zu so ernsthaften Problemen bei Ölproduzenten führen. Dies hat wiederum eine negative Beeinträchtigung der USA und der herrschende Marktstimmung zu Folge. Unseres Erachtens nach ist das aber höchst unwahrscheinlich. Denn die positiven Effekte des billigen Öls auf die realen Einkommen der Verbraucher in den USA (und auch in Europa) überlagern alle Schwierigkeiten, in denen sich Ölfirmen auch immer befinden mögen.

Die zweite Begründung die angeführt wird, ist, dass niedrige Ölpreise einen Rückgang im weltweiten Wachstum widerspiegeln, der viel größer ist, als es aktuell andere Daten implizieren. Das ist ebenfalls unwahrscheinlich, da es keinen historischen Beweis dafür gibt, dass die Notierung von Öl jemals eine solche Rolle gespielt hätte.

Verlangsamung des globalen Wachstums ist keine Phase

Soweit es das China-Argument betrifft, wäre ein Zusammenbruch des Wachstums im Reich der Mitte in der Tat ein weltveränderndes Ereignis. Aber es gibt (zumindest aktuell) keinen Beweis dafür, dass das passiert. Alle Daten deuten vielmehr auf eine milde Abkühlung hin, die, angesichts recht begrenzter Handelskanäle limitierte Auswirkungen auf die entwickelten Märkte haben dürfte. So machen die US-Exporte nach China zum Beispiel weniger als zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) aus.

Die Quelle der Aktienmarktkorrektur im Januar scheint also weder Öl noch China zu sein. Vielmehr scheint es so, dass die Märkte verspätet realisieren, dass die Verlangsamung des globalen Wachstums nicht nur eine vorübergehende Erscheinung ist. Es ist unserer Ansicht nach wahrscheinlicher, dass wir es mit einer Art ‚animal behaviour‘ in unsicheren Zeiten zu tun haben („Wenn andere Investoren verkaufen, dann deshalb, weil sie etwas wissen, was man selbst nicht weiß“).

Unsichere Zeiten eröffnen auch Chancen

Der Beginn dieses Jahres ist eine wirklich verwirrende Zeit, voller geopolitischer Unsicherheit, Sorgen um die Kreditseite und geldpolitischer Divergenz. Es sind solche Umstände, in denen Pessimismus gedeiht und sich Chancen auftun. Unter diesen schwierigen Marktbedingungen ist es wichtig zu bedenken, dass wir das Aktienrisiko im Portfolio auf nur 8,8 Prozent reduziert haben. Der Bondfloor liegt bei 91,2 Prozent und die Bonität liegt insgesamt im Investment-Grade-Bereich.

Diese Positionierung spiegelt unsere derzeit vorsichtige Haltung wider. Wir glauben, dass der LO Funds–Convertible Bond Fonds jetzt so positioniert ist, dass der Abwärtsdruck bei fallenden Aktienkursen und im Fall auseinanderlaufender Spreads begrenzt ist und er alle aktuellen Marktstürme überstehen kann. Wie immer bringen solche Krisen aber auch Investmentgelegenheiten mit sich. Wir beobachten kontinuierlich unser Anlageuniversum, um bereit zu sein, wenn sich der Staub legt.