Markus Zschaber: „Kurzlaufende Anleihen aus den Schwellenmärkten sind momentan besonders interessant“

Markus Zschaber

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DAS INVESTMENT.com: „Die große Weltwirtschaftskrise ist vorbei“: Ist es nicht noch zu früh für diese Behauptung? Markus Zschaber: Nein. Ich bin der absoluten Überzeugung, dass unser System den großen Verwerfungen, welche die Weltwirtschaftskrise mit sich brachte, standgehalten hat und sich jetzt im Frühzyklus eines kommenden Aufschwungs befindet. Allerdings wird der Aufschwung anders ablaufen, als dies in der Vergangenheit der Fall war. DAS INVESTMENT.com: Und wie? Zschaber: Die Stabilisatoren, die in den letzten beiden Jahren durch die Notenbanken, Regierungen und andere Institutionen ins Leben gerufen wurden, manifestieren ihre Wirkung nach und nach innerhalb der Weltwirtschaft. Daraus resultiert, dass sich die Expansionsdynamik in gut 70 Prozent der industrialisierten Volkswirtschaften in ihrer Funktionalität wieder verbessert hat. Technisch gesehen gilt somit die schwerste Rezession seit über 60 Jahren als beendet. Wichtig ist jetzt, dass die globalen Ungleichgewichte, die für die Weltwirtschaftskrise mitverantwortlich waren, nicht noch einmal die Niveaus der Vergangenheit erreichen. Das bedeutet, dass sich gerade die weiterhin aufstrebenden Ökonomien, wie große Teile der asiatischen und lateinamerikanischen Volkswirtschaften, von ihrem früheren Erfolgsmodell abwenden und dem privaten Verbrauch höhere Priorität beimessen sollten, statt auf die Exportseite beziehungsweise auf die Direktinvestitionen zu setzten. DAS INVESTMENT.com: Und werden sie das auch tun? Zschaber: Ich denke ja. Schließlich gelten vor allem die ökonomischen Strukturen Asiens nach wie vor als sehr flexibel. Betrachtet man China, dann erkennt man, dass derzeit vor allem das Importvolumen an Gütern kräftig ansteigt. Das bedeutet, dass die ökonomische Wertschöpfung ein neues Niveau erreicht hat und der private Wohlstand durch die kräftigen Wachstumsphasen der Vergangenheit ebenfalls deutlich zulegen konnte. Der Schwung ist zurück. Die Überschussliquidität, welche durch die weit geöffneten Schleusen der Notenbanken entstand, findet langsam den Weg in die Industrie.