Martin Hüfner: „Dem Euro-Frieden ist nicht zu trauen“

Martin Hüfner von Assénagon

Martin Hüfner von Assénagon

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Eigentlich müsste jetzt für die nächsten drei Jahre Ruhe in die Europäische Währungsunion (EWU) einkehren. Denn der entscheidende Grund, weshalb sich die Lage seit Ende vergangenen Jahres entspannt hat, war nach Ansicht vieler Beobachter die massive Liquiditätszufuhr durch die Europäische Zentralbank (EZB). Dieses Geld hat die EZB den Märkten für 36 Monate zur Verfügung gestellt. Nach Adam Riese müsste solange also Ruhe herrschen. Oder?

Schön wär's. Leider kann man das aber so einfach nicht sagen. Vier Dinge können passieren:

1. Die Banken könnten das Geld wieder zurückgeben. Die Überliquidität wäre dann wieder verschwunden. Anfang dieser Woche gab es Gerüchte, dass einige große Kreditinstitute das in der Tat planen. Sie wollen sich stattdessen längerfristige Refinanzierungsmittel besorgen. Ich glaube freilich nicht, dass dadurch die ganze Liquidität verschwindet, nicht einmal der größte Teil.

2. Die EZB könnte das Geld selbst wieder einsammeln. Juristisch kann sie die Vereinbarung mit den Banken zwar nicht kündigen. Wenn es jedoch Inflationsgefahren gibt (zum Beispiel durch weiter steigende Öl-preise), kann die Notenbank nicht untätig bleiben. Sie muss in einem solchen Fall Liquidität von den Banken zurückholen.

Tun kann sie das dadurch, dass sie eigene Wertpapiere verkauft. Dann müssten die Banken mit weniger Geld auskommen. Sie müssten die erworbenen Staatsanleihen verkaufen. Die Krise würde erneut aufflammen. Freilich glaube ich nicht, dass die EZB in einem solchen Fall die ganzen 1.000 Milliarden Euro wieder einsammelt.

3. Das Geld könnte aus dem Bankensektor in die Wirtschaft abfließen. Die nachfolgende Grafik zeigt, dass das Geld der Zentralbank (das sogenannte Basisgeld) in den ersten Jahren der Währungsunion stets den Unternehmen und Haushalten zugutekam (gemessen an der Geldmenge M3). Das ist auch der Normalfall.

Die Notenbank gibt den Banken Geld, damit sie es der Wirtschaft zur Verfügung stellen. Erst seit Beginn der Finanzkrise 2008 und ganz drastisch in den letzten Monaten sind die Verhältnisse in Unordnung gekommen. Die beiden Kurven haben sich auseinander entwickelt.

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Wenn die Banken mit Krediten an Unternehmen und private Haushalte wieder mehr verdienen als mit Staatsanleihen (und wenn sie darüber hinaus genügend Eigenkapital haben), würden die alten Verhältnisse wieder hergestellt.

Die Banken würden ihre Bestände an Staatsanleihen verkaufen und der Wirtschaft wieder mehr Geld geben. Es gäbe weniger freie Liquidität bei den Banken. Für die Eurokrise wäre dies freilich nicht schlecht. Denn wenn die Wirtschaft Kredite bekommt, wächst die gesamtwirtschaftliche Leistung, die Verschuldung geht zurück und viele Probleme lösen sich von selbst.