Martin Hüfner: "Die Geldmenge M3 steht auf der Kippe"

Martin Hüfner, Chefvolkswirt von Assénagon

Martin Hüfner, Chefvolkswirt von Assénagon

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Was kaum jemand beachtet: Das Wachstum der Geldmenge M3 in Euroland steigt deutlich an. Vor drei Jahren, zu Beginn der Eurokrise, bewegte sich hier gar nichts. Vor einem Jahr wuchs sie um magere 1,5 Prozent. Da musste man sich auch nicht weiter drum kümmern. Jetzt beträgt die Zunahme 3,3 Prozent.

Das ist deutlich mehr als das nominale Wachstum der Wirtschaft (2012: 0,9 Prozent). Wenn man sich die Grafik anschaut, mag man denken, die Geldmenge sei auf dem besten Wege sich zu normalisieren. Ist das richtig? Um die Antwort vorwegzunehmen: Nein, das ist keine Entspannung. Hier droht ein neues Ungleichgewicht.

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Zunächst eine Begriffserklärung. Bei der Geldmenge M3, die ich hier betrachte, handelt es sich nicht um das Zentralbankgeld (oder das Basisgeld), das in letzter Zeit so stark aufgebläht wurde und das inzwischen durch die Rückzahlungen der Banken wieder etwas zurückgeht. Das Zentralbankgeld spielt nur im Verhältnis zwischen der Notenbank und den Kreditinstituten eine Rolle. Die Wirtschaft hat damit direkt nichts zu tun.

Wer das Geld in den Kassen der Wirtschaft sehen will, muss auf M3 schauen. Diese Größe ist für das Geschehen auf den Märkten, auch für das Entstehen von Inflation, viel wichtiger. Sie steht unmittelbar im Zusammenhang mit dem Ausgabeverhalten von Unternehmen und Privatpersonen. Technisch gesehen umfasst M3 das gesamte Bargeld plus die kurz- und mittelfristigen Einlagen bei den Banken (dazu kommen Geldmarktfonds, Repoverbindlichkeiten, Geldmarktpapiere und Bankschuldverschreibungen mit einer Laufzeit bis zu zwei Jahren).

M3 spielte in der geldpolitischen Diskussion lange Zeit eine große Rolle. Die Bundesbank benutzte sie vor der Währungsunion zeitweise als Zielgröße für ihre Politik. Als die EZB gegründet wurde, war M3 neben der Inflationsrate eine der Zielvariablen, an der sich die Geldpolitiker orientierten (die sogenannte "zweite Säule").