Martin Hüfner: „Trügerische Ruhe beim Euro“

: Martin Hüfner: „Trügerische Ruhe beim Euro“

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So ruhig war es beim Euro noch selten. Seit Beginn der Finanzkrise 2008 sind die Schwankungen der europäischen Gemeinschaftswährung auf den Devisenmärkten von Jahr zu Jahr geringer geworden (siehe Grafik). 2012 betrugen sie nur noch etwas mehr als +/-5 Prozent um den Mittelwert von 1,28 Dollar je Euro. Dabei lag dieser Mittelwert nicht viel über der Kaufkraftparität aus deutscher Sicht.  

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Das ist eine gute Nachricht für die Exportwirtschaft. Sie ist weniger Wechselkursrisiken ausgesetzt und hat damit weniger Kosten. Andererseits widerspricht diese „heile Welt“ auf den Devisenmärkten so ganz allen Erfahrungen, die wir in dieser Zeit mit dem Euro gemacht haben.

Allein in diesem Jahr kam es im März zu dem dramatischen Schuldenschnitt in Griechenland. Danach wurde zum ersten Mal ernsthaft davon gesprochen, dass der Euro zerbrechen könnte. Unternehmen bereiteten sich auf einen solchen Gau vor.

Im Juli sah sich der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) zu der dramatischen Erklärung gezwungen, dass er alles tun werde, um den Euro zu retten. Er riskierte einen Krach im EZB-Rat über die Käufe von Staatsanleihen südeuropäischer Schuldnerländer (Outright Monetary Transactions). Erst im September hat sich die Lage dann etwas beruhigt.

Wo bleiben die Währungen?

Wie kommt es, dass die Devisenmärkte von all dem so wenig zur Kenntnis nahmen? Wird das auch in Zukunft so bleiben? Zunächst ist festzustellen, dass die Devisenmärkte bei der Bewertung des Euros nicht allein waren. Auch auf den internationalen Finanzmärkten hielt sich die Gemeinschaftswährung erstaunlich gut.

Der Anteil des Euros an den Währungsreserven der Notenbanken schwankte selbst in den Hochzeiten der Krise lediglich zwischen 25 und 27 Prozent. Ähnliches gilt für die Bestände der internationalen Schuldverschreibungen in Euro (zwischen 26 und 28 Prozent) und für die internationalen Kredite und Einlagen.  

Natürlich gab es hinter der Fassade dieser Zahlen Bewegungen. Die Schweiz etwa erwarb zeitweise die Gemeinschaftswährung, um sich gegen die Aufwertung des Franken zu schützen. Im Oktober verkaufte sie dann wieder Euro. Schweden hat den Anteil des Euros an seinen Währungsreserven deutlich verringert (von 50 auf 37 Prozent). Ebenso Norwegen. Interessant ist, dass die USA und Großbritannien, die beide dem Euro relativ kritisch gegenüberstehen, unverändert relativ hohe Bestände an Euro halten (53,5 beziehungsweise 59 Prozent).

Schwaches Europa, schwache USA

Insgesamt haben sich aber die Bewegungen in den Euro und aus dem Euro heraus in etwa die Waage gehalten. Der wichtigste Grund dafür war, dass es nicht nur der Euro war, der Probleme hatte, sondern auch der US-Dollar.

Die Vereinigten Staaten litten zuerst unter den Folgen der Subprime-Krise. Dann kam die Zeit langsamen Wachstums und hoher Arbeitslosigkeit. Schließlich hat im Verlauf dieses Jahres der Wahlkampf und die Aussicht auf den „Fiscal Cliff“ die amerikanische Währung belastet.

Die Ruhe auf den Devisenmärkten in den vergangenen Jahren ist also keineswegs Zeichen der Stärke und Widerstandsfähigkeit des Euro (wie man das in manchen Äußerungen der EZB liest), sondern eher Ausdruck eines Patts zwischen zwei Schwachen. Warum die Schwankungen im Verlauf der Zeit immer kleiner wurden, ist damit freilich nicht erklärt.

Hinzu kommt noch etwas anderes. Für internationale Investoren gab es keinen Grund, sich in der Krise von der Gemeinschaftswährung zu verabschieden. Denn wenn der Euro wirklich zerbrochen wäre, wären ihre Anlagen in nationale Währungen getauscht worden. Sie hätten dann von eventuellen Aufwertungen der Kernländer profitieren können, wenn sie ihr Geld dort angelegt hätten. Tatsächlich gab es in den vergangenen Jahren erhebliche Umschichtungen aus den südeuropäischen Peripherieländern in die Kernländer des Euros.