Martin Hüfner: Zehn Überraschungen des Jahres 2013

Martin Hüfner

Martin Hüfner

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Überraschungen sind keine Prognosen. Prognosen sind Entwicklungen und Ereignisse, die man für wahrscheinlich hält und auf die man sich einrichtet. Überraschungen sind das Gegenteil. Mit ihnen rechnet man nicht und stellt sich nicht auf sie ein.

Seit acht Jahren schreibe ich nun diese „Überraschungen“ des kommenden Jahres. Meist treffen ein oder zwei ein, manchmal auch erst Jahre später. Die Vorhersagequalität dieser Überraschungen ist damit eher mager.

Das liegt einmal daran, dass das Potenzial der Überraschungen praktisch unendlich ist. Hier kann man alles aufführen, was einem einfällt. Ich greife aber nur zehn Möglichkeiten heraus. Zum anderen zeigt es aber auch, dass die üblichen Prognosen – entgegen allem, was gesagt wird – doch gar nicht so schlecht sind. Je besser die Prognosen, umso weniger Überraschungen gibt es.

Eigentlich wollte ich in diesem Jahr keine „Überraschungen“ mehr schreiben. Wenn man etwas zu lange macht, droht es zur Routine zu werden. Aber dann haben mich viele Leser doch gedrängt. Zwei schickten mir, vielleicht um mich zu motivieren, sogar eigene Vorschläge für Überraschungen. Ich danke ihnen dafür (und habe sie zum Teil auch übernommen).

Es scheint also doch ein Interesse an solchen Thesen zu geben. In Technik und Natur tun wir alles, um Überraschungen zu vermeiden. Niemand möchte davon überrascht werden, dass eine Brücke einstürzt. Im wahren Leben (und in der Ökonomie) ist das anders. Hier ist die Suche nach Überraschungen (so sehr sie das Geschäft von Unternehmern, Politikern und Anlegern erschwert) vielleicht auch ein Teil der Lust am Leben. Wie langweilig wäre das Frühstück, wenn die tägliche Zeitung keine Neuigkeiten brächte.  

Hier also zehn Punkte, die im Jahr 2013 eintreten könnten:  

Erstens: Der amerikanische Präsident gibt seinen Friedensnobelpreis zurück. Er zeigt damit, dass sich die Hoffnungen, die sich an das "Yes we can" knüpften, weder in den USA noch für die Welt als Ganzes erfüllt haben (oder sich überhaupt erfüllen lassen).  

Zweitens: Der russische Energiekonzern Gazprom übernimmt eine Beteiligung am deutschen Versorger RWE. Unternehmerisch ist das eine gute Kombination, zumal die Aktien von RWE so stark gesunken sind. Die Bundesregierung versucht es mit allen Mitteln zu verhindern, um die Abhängigkeit von russischer Energie nicht zu groß werden zu lassen.

Drittens: Viele glauben, dass das Problem Griechenland im Euroraum gelöst ist. Könnte es sein, dass die sozialen Unruhen in Athen zunehmen, die Regierung Samaras zurücktreten muss und die Antieuropäer bei der Oppositionspartei Siriza durchsetzen, dass das Land die Union doch verlässt?

Viertens: In Europa wird ein Nachfolger für den bisherigen Präsidenten Herman Van Rompuy gesucht. Die deutsche Bundeskanzlerin wird dafür ins Gespräch gebracht, weil sie als eine der dienstältesten Regierungschefs in Europa über die meiste Erfahrung verfügt, weil sie von allen geschätzt wird (und vielleicht auch weil mancher glaubt, mit einem Nachfolger in Berlin ein leichteres Spiel zu haben). Frau Merkel überlegt sich das. In Berlin beginnt die Suche nach Nachfolgern.