Matt Siddle vom Fidelity European Growth „Der Horizont hellt sich auf“

Volkswagen-Werk in Anting, China. Der Wolfsburger Konzern gehört zu den Favoriten von Fondsmanager Matt Siddle. Foto: Volkswagen AG

Volkswagen-Werk in Anting, China. Der Wolfsburger Konzern gehört zu den Favoriten von Fondsmanager Matt Siddle. Foto: Volkswagen AG

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Europa präsentiert sich gespalten. Die Unternehmen agieren erfolgreich, zahlreiche Gesellschaften bekleiden weltmarktführende Positionen. Doch im öffentlichen Sektor hakt es. Reformen wurden jahrelang verschleppt, die Schuldenlast stieg. Zuletzt sorgte die Ukraine-Krise für einen Rückschlag. Der Euroraum bewegte sich 2014 am Rande einer Rezession.

Nun hellt sich der Horizont auf. Die Konjunkturindikatoren drehten ins Plus – der schwächere Euro und der gesunkene Ölpreis zeigen Wirkung. Auch die Politik bewegt sich. Die Initiative „Invest in Europe“ der EU-Kommission will in den kommenden drei Jahren 300 Milliarden Euro für Zukunftsprojekte mobilisieren.

Nach EU-Einschätzung wird das Wirtschaftswachstum bald wieder anziehen. Für den Euroraum erwartet Brüssel ein BIP-Plus von 1,1 Prozent 2015 und 1,7 Prozent im Jahr darauf. Die EZB flankiert die Erholung mit einer stark expansiven Geldpolitik.

Die Börse nahm die besseren Aussichten bereits vorweg. Nach dem „Konjunkturschock“ an den Finanzmärkten Anfang Oktober drehten die Indizes schnell wieder ins Plus. Verglichen etwa mit US-Titeln verfügen Aktien aus Europa aber noch über erhebliches Aufholpotenzial.

In diesem Umfeld fischt Matt Siddle nach verborgenen Schätzen. Der Fondsmanager des Fidelity European Growth ermittelt, welche europäischen Gesellschaften besonders hohe und stabile Erträge versprechen. „Ich suche nach Unternehmen, die starke Cashflows generieren“, beschreibt er seine Anlagestrategie. „Die Firmen sollten zudem in der Lage sein, ihre Cashflows wieder in eigenes Wachstum zu investieren und den Rest an die Aktionäre auszuschütten“, so der Brite weiter. „Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass diese Unternehmen langfristig die Nase vorn haben.“

Welche Aktien lohnen Siddle sympathisiert mit dem Quality-Growth-Anlagestil. Wer ihn verfolgt, sucht „Wachstum und Qualität zu einem vernünftigen Preis“. Unternehmen, die beständig hohe Eigenkapitalrenditen erzielen und erfolgreich Neuinvestitionen tätigen, erfüllen diese Anforderungen.

Die Eigner von Qualitätsaktien profitieren in mehrfacher Hinsicht. Erstens fallen kontinuierliche Dividenden an. Zweitens verfügen die Unternehmen über attraktive Kennzahlen, was Spielraum für steigende Aktienkurse eröffnet. Und drittens führen getätigte Investitionen später zu höheren Gewinnen, was zusätzliches Potenzial eröffnet.

Der Fidelity European Growth engagierte sich zuletzt stark im Gesundheitssektor. Aber auch Industrieaktien gelangen ins Portfolio. „Vor allem in konjunkturempfindlichen Branchen spüre ich derzeit Qualitätsfirmen auf, deren Bewertungen auf ein attraktives Niveau gesunken sind“, erläutert Siddle. Er zählt zu dieser Gruppe beispielsweise das Medienunternehmen Reed Elsevier und den Softwarekonzern SAP. Die Suche nach Qualitätsaktien bringt ein Problem mit sich. Das Chance-Risiko-Profil der unterschiedlichen Gesellschaften variiert recht stark. Firmen mit offenkundig stabilen und hohen Gewinnen verfügen naturgemäß über eine ambitioniertere Bewertung als schwankungsintensive Zykliker. Siddle gewichtet diese Faktoren und sucht nach Ineffizienzen. Die strategische Basis seines Portfolios bilden dann Aktien, die sowohl eine gute Qualität als auch ein günstiges Bewertungsniveau aufweisen.

Beispiel SAP: Siddle schätzt hier einerseits die engen langfristigen Bindungen der Kunden an den Softwarekonzern. Andererseits beeindruckt ihn das Wachstumspotenzial, das sich SAP durch Zukäufe und eigene Innovationen erschließt. Die derzeitige Börsennotiz spiegele diese guten Perspektiven nicht ausreichend wider: „Der Aktienkurs ist deutlich gesunken und notiert aktuell unweit des relativen Bewertungstiefs.“