Max Stillger über ein Musterbeispiel für Meinungsmache Der Nullzins kostet Milliarden? Das Gegenteil ist richtig …

DER-FONDS-Kolumnist Markus Stillger

DER-FONDS-Kolumnist Markus Stillger

„Den deutschen Privathaushalten sind durch die Niedrigzinsen seit 2010 Einnahmen in Höhe von 344 Milliarden Euro entgangen. Zu diesem Ergebnis kommt die DZ Bank in einer aktuellen Studie.“ Nachzulesen auf Spiegel-Online am 22. Mai. Den Strategen des genossenschaftlichen Instituts zufolge kämen im laufenden Jahr 92 Milliarden Euro hinzu.

Wie man in der Zusammenfassung der Studie weiter lesen kann, werden die armen Sparer jetzt auch noch von der langsam ansteigenden Inflation zusätzlich belastet. Eine Steilvorlage für die Stammtische, an denen über die EZB und Mario Draghi geschimpft und gelästert wird, was das Zeug hält.

Aber das Ganze ist auch ein Musterbeispiel dafür, wie man den Mainstream in die gewünschte Richtung lenkt. Man muss sich nur die Mühe machen und die Studie der DZ-Bank einmal selber lesen und sich nicht auf Zusammenfassungen verlassen. Schließlich soll es ja, außer dem Finanzminister, auch eine Klientel geben, die von den niedrigen Zinsen profitiert.

Bereits am Ende von Seite 1 der insgesamt 24-seitigen Studie finden wir die Lösung für die armen Sparer. „Langfristig könnte daher eine ausgewogene Portfoliostruktur, die neben Zinseinnahmen auch stärker Dividendenerträge und Kursgewinne ermöglicht, Abhilfe schaffen.“ Auf Deutsch: Jammert nicht über die Zinsen, kauft halt ein paar gute Aktien oder Aktienfonds dazu!

Was mich in der heutigen Zeit immer wieder wundert. Da gibt es Leute mit angeblich wirtschaftlichem Sachverstand, die steigende Zinsen für gut halten oder dies öffentlich einfordern. Zugegeben, wir leben seit 30 Jahren mit einem Zinstrend, der im Prinzip nur eine Richtung kennt, nämlich nach unten. Und wenn man genau hinschaut – auf Seite 3 der Studie findet man eine sehr schöne Grafik – hat in den vergangenen 20 Jahren jede auch nur ansatzweise einsetzende Korrektur dieses Trends (1999 bis 2001, 2006 bis 2008 und 2011) zu starken Verwerfungen an den Aktienmärkten geführt.