Markus Stillger zündet eine Kerze an für Christoph Bruns Ist die Nacht am dunkelsten ...

DAS-INVESTMENT-Kolumnist Max Stillger wundert sich über Christoph Bruns. | © DAS INVESTMENT

DAS-INVESTMENT-Kolumnist Max Stillger wundert sich über Christoph Bruns. Foto: DAS INVESTMENT

Die jüngste Freitags-Ausgabe des „Handelsblatt“ (15. September) enthält ein bemerkenswertes Interview mit dem von mir sehr geschätzten Kollegen Christoph Bruns, seines Zeichens Geschäftsführer der Oldenburger Fondsboutique Loys. Von dem Berufsoptimisten und „Manolo der Aktienkultur“ waren erstaunlich moderate Töne zu hören.

Sorge machen ihm vor allem der völlig irrationale Anleihemarkt mit Negativzinsen und allem Drumherum sowie der schwache US-Dollar, der die Zahlen der deutschen exportorientierten Unternehmen eintrüben wird. Für mich am überraschendsten aber war die Antwort auf die am Ende des Interviews gestellte Frage: „Die Niedrigst- und Negativzinsen sorgen aber nicht dafür, dass die Aktionärszahlen steigen. Sie trommeln seit Jahren für die Aktie, frustriert Sie das?“ Christoph Bruns darauf: „Das Trommeln habe ich aufgegeben. Da ist nichts mehr zu retten!“

Ich halte das eher wie Sir Winston Churchill („Never give in – never, never, never, never“) und habe nicht zuletzt deshalb meiner im Jahr 2017 gegründeten gemeinnützigen Stiftung neben diversen karitativen Zwecken auch die Förderung der Aktienkultur auf die Fahne geschrieben.

In den kommenden Wochen jährt sich zum neunten Mal der dunkelste Zeitraum meiner mittlerweile über 30-jährigen Börsenerfahrung. Die Finanzkrise 2008, als die Welt in den Abgrund blickte und ein kreidebleicher Finanzminister Peer Steinbrück mit einer ebenso blassen Bundeskanzlerin Angela Merkel an einem regnerischen Herbstsonntag vor die Presse trat, um dem deutschen Volk zu verkünden: „Ihre Sparguthaben sind sicher“. Das Ganze muss einen verdammt nachhaltigen Eindruck bei den Sparern hinterlassen haben...

Einige wenige Mutige legten genau in dieser Phase den Grundstein für eine erfolgreiche Börsenstory. Wer im Spätherbst 2008, umgeben von Weltuntergangspredigern und notorischen Kopfschüttlern, sich furchtlos ein paar solide deutsche Standardwerte beziehungsweise einen deutschen Aktienfonds ins Depot legte, lag zwar im März 2009 erstmal 20 Prozent hinten, kann aber heute nach neun Jahren beim Blick auf den Depotauszug feststellen, dass sich sein Vermögen verdoppelt bis verdreifacht hat. Und bei Kauf vor dem 1. Januar 2009 sogar steuerfrei!

Auch in diesem Fall galt die alte Regel: Kurz vor dem Sonnenaufgang ist die Nacht am dunkelsten.

Dass auch Christoph Bruns den Kampf um die Aktie nicht ganz aufgibt, zeigt ein weiteres Statement im Verlauf des Interviews. „Besser können die Bedingungen für die Aktie nicht mehr werden. Sie sind doch unvorstellbar gut!“

Auf was also warten? Auf das „richtige“ Ergebnis der Bundestagswahl? Darauf liefert uns Altmeister Warren Buffett die Antwort. Anlässlich seines 87. Geburtstags sagte er Ende August: „Ich habe in meinem Leben 15 Präsidenten erlebt. Unter 14 von Ihnen habe ich Aktien gekauft und es war immer richtig.“ Dann zählen wir mal rückwärts: Trump, Obama, Bush Junior, Clinton, Bush Senior, Reagan, Carter, Ford, Nixon, Johnson, Kennedy, Eisenhower, Truman und Roosevelt waren die 14 letzten Präsidenten. Der einzige Präsident, unter dem Buffett keine Aktien kaufte, hieß Herbert Hoover und der Grund lag darin, dass dieser nur bis zum 4. März 1933 amtiert hat und der kleine Warren da gerade einmal zwei Jahre alt war.

Also worauf warten wir? Dass die ausländischen Investoren zu 100 Prozent Eigentümer der Dax-Unternehmen werden und die Gewinne komplett einstreichen? 70 Prozent gehören bereits ausländischen Adressen.

Und wer immer noch von Zinsen träumt: Mittlerweile liegt die durchschnittliche Dividendenrendite der Dax-Werte nicht nur über der Rendite von Bundes- (da gibt es schon lange keine Zinsen mehr) und Unternehmensanleihen (da sind wir auf dem Weg zur Null), sondern sogar über der Rendite von Hybridanleihen. Und die fassen sicherheitsorientierte Investoren normalerweise nicht mal mit der Kneifzange an.

Deshalb sage ich nach wie vor: Mein Ziel lautet 25.000 Dax-Punkte im Jahr 2025. Nachdem der Dax vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2017 nur um durchschnittlich 2 Prozent pro Jahr gestiegen ist, besteht da – aus meiner Sicht – jede Menge Nachholbedarf!

Von Warren Buffet ist auch das Zitat überliefert „Die beste Zeit um Aktien zu kaufen ist, wenn sich niemand dafür interessiert.“ Das wird Christoph Bruns nach diesem Interview definitiv unterschreiben.

Über den Autor: Markus Stillger ist Gründer und Inhaber der Stillger & Stahl Vermögensberatung und der MB Fund Advisory in Limburg.