Megatrend Digitalisierung Keine Angst vor der neuen industriellen Revolution

Kai Heinrich, Vorstand der Plutos Vermögensverwaltung und DER-FONDS-Kolumnist

Kai Heinrich, Vorstand der Plutos Vermögensverwaltung und DER-FONDS-Kolumnist

Seit der industriellen Revolution des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts spielen technologische Trends eine wichtige Rolle für die Entwicklung von Wirtschaftssystemen. Durch Fortschritt werden die gewohnten Wege verdrängt und es entstehen neue Wege und Märkte. Ausgangspunkt war die Dampfmaschine, wodurch die Industrialisierung erst möglich wurde. Es folgten der Ausbau des Eisenbahnnetzes, die Nutzung der Elektrizität, die Verbreitung des Automobils, das Zeitalter der Informationstechnologie und aktuell die laufende Digitalisierung der Wirtschaft.

Vieles in unserem Leben läuft heute digital. Den Einkauf oder den Lieferdienst wickelt man heute bequem per Smartphone-App ab. Hinzu kommt noch ein Bereich, der unter dem Begriff Internet der Dinge firmiert. Darunter versteht man die Kommunikation zwischen Geräten. So lässt sich im Smart-Home-Bereich die Heizung oder das Licht über das Internet steuern. Selbst Kühlschränke werden heutzutage mit dem Internet vernetzt. Was vor zehn Jahren noch als Zukunftsvision bezeichnet wurde, ist inzwischen Realität.

Doch was hat der normale Mensch als Arbeitnehmer und als Bürger von dieser digitalen Revolution? Ist sie ein Fluch oder ein Segen? Wer will schon in einer Welt leben, in der Roboter alles erledigen und in der alle Gewinne an die Eigentümer der Roboter fließen? Diese ethische Frage lässt sich nicht objektiv beantworten, aber Grund zur Sorge gibt sie dennoch – könnten doch in Zukunft etliche Arbeitsplätze wegfallen, da diese durch Roboter ersetzt werden. Inwiefern könnte künstliche Intelligenz aus dem Ruder laufen und den Menschen gar gefährden? Und was ist mit der Gefahr von Hacker-Angriffen?

All diese Fragen können wir nicht beantworten. Sie geben aber jedem normalen Bürger Grund zur Sorge. Rückblickend betrachtet gab wahrscheinlich jeder Megatrend den Leuten im Anfangsstadium Grund zur Sorge. Angesichts der wachsenden Zahl technischer Neuerungen ist die laufende digitale Revolution ohnehin nicht mehr zu stoppen. Bei aller Skepsis sollte nicht verdrängt werden, dass der Mensch von der Digitalisierung auch profitiert: angefangen bei mehr Effizienz und Innovationskraft bis hin zu höherer Lebensqualität. Allein im Haushalt wissen wir die mittlerweile unzähligen kleinen Helfer sehr zu schätzen.

Nach anfänglichem Zögern finden auch Kapitalanleger vermehrt Freude an Investments, die von der Digitalisierung profitieren. Dennoch zögern Investmenthäuser noch mit passenden Produkten. Zu präsent ist die Erinnerung an das Platzen der Internet-Blase um die Jahrtausendwende. Auch wenn die großen Tech-Firmen mittlerweile gigantisch hohe Bewertungen aufweisen, so haben sie doch nachhaltige Geschäftsmodelle und deutlich höhere Wachstumsraten als damalige Börsen-Schwergewichte.

Firmen wie Alphabet, Amazon oder Apple haben eine gigantische Marktmacht und vor allem jede Menge Cash, um sich weiteres Wachstum in neuen Geschäftsfeldern zu erkaufen. Von daher lohnt nebst den Marktführern auch ein Blick auf die Zulieferer und auf die gesamte Wertschöpfungskette dieser Tech-Riesen. Gerade diese Firmen beginnen nun erst mit der Erntephase, nach einer teuren Investitionsphase. Die Unternehmen mit der richtigen Technologie und Innovation sind für die Marktführer von besonderem Interesse.