Menschen statt Roboter Hedgefonds-Bosse setzen auf Intuition

Händler an der New York Stock Exchange (NYSE) | © Getty Images

Händler an der New York Stock Exchange (NYSE) Foto: Getty Images

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Der 30,6 Milliarden US-Dollar schwere Hedgefonds Winton, der seit zwei Jahrzehnten mithilfe von Algorithmen handelt, erklärte jüngst seinen Kunden, dass Menschen noch immer die großen Entscheidungen fällen müssen. Nach Aussage von Michael Hintze, der einen anderen gewichtigen Fonds leitet, können Computer zwar Marktanomalien erkennen, aber nur selten Erklärungen dafür finden.

Jordi Visser, der Investment-Chef bei dem Unternehmen, sagte, Menschen hätten noch immer die Oberhand, was das Erkennen von Mustern angeht. Und der Milliardär und Anleihemanager Jeffrey Gundlach geht nach eigener Aussage davon aus, dass sich der Mensch durchsetzen wird.

Automatisierungswelle in den USA

„Trotz der immensen Leistung moderner Datenverarbeitung ist es weder ratsam noch möglich, komplett auf Menschen zu verzichten“, hieß es in diesem Monat einem Brief der von David Harding gegründeten Hedgefondsgesellschaft Winton.

Scharen von Finanzfachleuten fragen sich, wie viele Jahre sie noch Arbeit haben werden, da Banken und Vermögensverwalter mit Technologien experimentieren, um eines Tages alles vom Emissionsgeschäft bis hin zum Portfoliomanagement zu automatisieren. Ihre Besorgnis nimmt zu angesichts der immer lauter werdenden Warnungen von Persönlichkeiten wie der US-Notenbankchefin Janet Yellen und dem Software-Milliardär Bill Gates, dass Big Data und maschinelles Lernen eine Automatisierungswelle in den USA entfesseln könnten.

Vergleiche und Schlussfolgerungen

Vergangene Woche schaltete sich DoubleLine-Capital-Chef Gundlach in die Debatte ein und sagte, er glaube nicht, dass Maschinen die Finanzwelt erobern werden. Sein Ratschlag, wie sie zu schlagen sind, ist einfach: „Harte Arbeit.“

Winton, dessen Flaggschifffonds in diesem Jahr bis Mai 1,3 Prozent Ertrag einbrachte, sieht bei Hedgefonds zwar Spielraum für Automatisierung - beispielsweise bei der Durchführung von umfassenden und immer wiederkehrenden Rechenvorgängen, um das Risiko in den Portolios abzuschätzen.

Doch von unabhängigen Entscheidungen seien die Computer noch weit entfernt. Besser seien die Rechner zwar bei der ersten Prüfung der Daten, doch sobald Abweichungen erkannt wurden, wären Menschen geeigneter, um Vergleiche und Schlussfolgerungen zu ziehen, erklärte die Firma aus London.

Das Experiment von Steven Cohen

Zuletzt gab es einige Meldungen, die Finanzfachleute beunruhigen dürften. Der Milliardär und Investor Steven Cohen experimentiert mit Möglichkeiten, die Entscheidungen seiner besten Vermögensverwalter zu automatisieren. Goldman Sachs Group entwickelt Systeme, um hunderte Stunden menschlicher Arbeit bei Börsengängen einzusparen.

Und der Finanzdienstleister JPMorgan Chase nutzt maschinelle Lernverfahren, um den Anwälten Arbeit abzunehmen. Vorstands-Chef Jamie Dimon, sagte in einem Interview am Montag, dass die Menschen auf die Bedrohung durch Technologie massiv überreagieren.