Was nun zu tun ist Stärkerer Dollar ist gut für Euro-Anleger

„Euro-Anleger profitieren von einem Dollar auf Erfolgskurs“, sagt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck

„Euro-Anleger profitieren von einem Dollar auf Erfolgskurs“, sagt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck

Seit einigen Wochen ist der Dollar auf Erfolgskurs, wovon auch Euro-Anleger profitieren. Denn einerseits reagierten die europäischen Aktienmärkte positiv auf die Dollar-Aufwertung und andererseits stieg der Wert von US-Aktien auf Euro-Basis. Auf mittlere Sicht ist mit einer anhaltenden strukturellen Schwäche des Dollars zu rechnen, kurzfristig könnten konjunkturelle Faktoren die Währung aber weiter beflügeln.

Trotz der anhaltenden Handelskonflikte mit den USA ist das globale Wirtschaftswachstum weiterhin auf einem recht soliden Fundament. Die Bildung einer Anti-Establishment-Regierung in Italien sowie Spaniens neue Regierung wird die wirtschaftliche Erholung Europas wohl nicht vom Kurs abbringen. Der starke US-Dollar hat einigen finanzschwächeren Schwellenländern, insbesondere der Türkei und Argentinien, geschadet. Jedoch ist aktuell davon auszugehen, dass dieser Effekt in der Breite auf die Emerging Markets übergreifen wird.

Handelskriege bestimmen Agenda

Die turbulenten Entwicklungen in Italien haben die bereits existierende Unsicherheit über das europäische Wachstum weiter vergrößert.

Das Thema Handelskriege bleibt nach wie vor ganz oben auf der Agenda der Börsianer. Nachdem Trump mit neuen Zöllen und Drohungen gegen China nachlegte, drohte Peking seinerseits mit einem Widerruf von Zusagen.

Allen politischen Turbulenzen zum Trotz läuft die US-Wirtschaft nach wie vor auf vollen Touren. Dies sorgte für einen Auftrieb des US-Dollars, der damit auch auf steigende US-Anleiherenditen reagierte. Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen stiegen von knapp über 2 Prozent im vergangenen September über 3 Prozent im April im Mai in der Spitze auf 3,1 Prozent.

Aktien: neutral, Anleihen untergewichtet

Die Aktienmärkte behaupteten sich trotz des globalen Anstiegs der Renditen gut. Der Wertzuwachs des US-Dollars belastete die Wall Street nicht wirklich, einige amerikanische Small-Cap-Indizes verzeichneten sogar neue Allzeithochs. Das Gesamtbild spricht nach wie vor für eine neutrale Gewichtung von Aktien. Ferner gibt es  keinen Anpassungsbedarf bei den regionalen Präferenzen von Merck Finck und dem ausgeglichenen Mix aus Zyklikern und defensiveren Branchen.

Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen zogen weiter an und erreichten Mitte Mai knapp 3,1 Prozent, bevor sie wieder auf unter 3 Prozent zurückfielen. Es wird damit gerechnet, dass Amerikas Renditen wieder steigen werden. Allgemein verzeichneten die Aufschläge von Unternehmensanleihen eine leichte Ausweitung, die Verluste hielten sich aber in Grenzen. Für Merck Finck heißt das, im Rentenbereich untergewichtet zu bleiben. Zudem hält man unverändert sowohl die Renditen als auch die Zinsaufschläge für viel zu niedrig.

Währungen: Euro unter Druck

Der US-Dollar hat in den vergangenen Wochen Boden gut gemacht, wobei der Wert des Euro von 1,23 US-Dollar Mitte April auf aktuell etwa 1,18 US-Dollar fiel. Zwar stellen das zunehmende US-Handels- und Haushaltsdefizit mittelfristig eine strukturelle Schwäche dar, doch könnte der Greenback durch kurzfristige Faktoren vorübergehend gestärkt werden. Steigende US-Zinsen, eine relativ robuste Wirtschaft, die Rückführung von Unternehmensgewinnen in die USA und das Abschmelzen von Spekulationspositionen auf einen stärkeren Euro verleihen dem Dollar Auftrieb.