Merck-Streit Aktivisten protestieren an der falschen Adresse

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Letzte Woche versammelten sich Demonstranten mit Transparenten vor einer Londoner Merck- Niederlassung. Sie protestierten gegen die Beteiligung des Pharmakonzerns an einer Kampagne, die den südafrikanischen Vorschlag, Billigkopien patentierter Medikamente zuzulassen, behindern würde.

Das Problem dabei: Die Gruppe namens Stopaids hatte sich die falsche Merck ausgesucht. Die Aktivisten waren zu den Büros der Darmstädter Merck gezogen, die Medikamente, Chemikalien und Laborausrüstung herstellt. Aber das Unternehmen, das an der Branchenkampagne in Südafrika beteiligt war, ist Merck, der US-Pharmakonzern aus Whitehouse Station im Bundesstaat New Jersey.

Das Wirrwarr ist schon lange ein wunder Punkt für die deutsche Firma. 2011 zog sie vor Gericht, um sich die Nutzung einer Merck-Seite im sozialen Netzwerk von Facebook zu sichern. Die beiden Unternehmen, die sich auch im vergangenen Jahr wegen Web-Adressen beharkten, führen derzeit vertrauliche Gespräche mit dem Ziel, eine Lösung zu finden, sagte Karl-Ludwig Kley, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Merck, in einem Interview am 7. Februar.

“Wir haben beide das Merck-Erbe”, sagte Kley. “Wir haben es seit 350 Jahren, und sie haben es seit knapp hundert Jahren. Es gibt Möglichkeiten, es braucht nur etwas guten Willen und Kreativität von beiden Seiten.” Merck-Sprecherin Kelley Dougherty wollte sich zum Thema nicht äußern.

Beide Mercks waren früher einmal ein Unternehmen. Der Ursprung liegt im Erwerb einer Apotheke in Darmstadt durch Friedrich Jacob Merck im Jahr 1668. Das deutsche Unternehmen gründete 1891 eine Tochter in den USA; das US-Unternehmen wurde während des ersten Weltkriegs enteignet und unabhängig.

Heute besteht die einzige Verbindung zwischen beiden Konzernen in dem ähnlichen Namen. Beide haben Rechte an der Marke Merck in verschiedenen Weltregionen; das US-Unternehmen tritt außerhalb der USA und Kanadas unter dem Namen MSD oder Merck, Sharpe & Dohme auf.

“Es sorgt zweifellos für viel Verwirrung, dass es zwei große Pharmakonzerne mit dem Namen Merck gibt”, sagt Timothy Calkins, Marketing-Professor an der Kellogg School of Management der Northwestern University. “Ich meine, die Unternehmen sollten das Thema angehen. Im Zuge der Globalisierung kommen sich die Firmen immer öfter in die Quere, und das Problem wird immer drängender.”