MFS-Chef-Investmentstratege Aktien sind nicht die neuen Anleihen!

Zwei Vola-Welten im Vergleich: Aktienkurse schwanken viel stärker als die Preise von Anleihen. Hier gemessen an der Volatilität entsprechender US-amerikanischer Märkte über zehn Jahre | © Bloomberg

Zwei Vola-Welten im Vergleich: Aktienkurse schwanken viel stärker als die Preise von Anleihen. Hier gemessen an der Volatilität entsprechender US-amerikanischer Märkte über zehn Jahre Foto: Bloomberg

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2016 ist in zweierlei Hinsicht ein beachtenswertes Jahr: zum einen wegen seiner Dürreperioden, zum anderen aufgrund des Hochwassers. Eine einheitliche Wetterlage gab es bislang nicht. Das traf – wenn man so will – auch auf den Finanzmarkt zu. Eine Asset-Klasse nach der nächsten stieg im Wert trotz weltweit stagnierenden Wirtschaftswachstums und schwächelnder Unternehmensgewinne.

Die extrem akkommodierende Geldpolitik der Zentralbanken ist die plausibelste Erklärung. Da ein beträchtlicher Teil der weltweiten Renditen langfristiger Staatsanleihen im negativen Bereich liegt, fließen Kapitalströme nun in Dividendenwerte, anstatt wie normalerweise in hochwertige festverzinsliche Wertpapiere.

Es gibt zwei wesentliche Gründe, warum Aktien jedoch kein Ersatz für Anleihen sind. Dazu zählt erstens die relative Volatilität beider Asset-Klassen (siehe Grafik). Zweitens sind Dividendenzahlungen an Aktionäre nicht obligatorisch. Nicht selten bleiben sie bei den ersten Anzeichen von Problemen eines Unternehmens aus.

Die Geschichte zeigt, dass die Märkte immer dann besonders euphorisch reagieren, wenn der kritischste Punkt im Konjunkturzyklus erreicht ist. Die aktuelle wirtschaftliche Expansion in den USA dauert bereits acht Jahre an. Ein durchschnittlicher Wirtschaftszyklus liegt allerdings bei fünf Jahren. Der Aktienmarkt hat bislang seinen Höhepunkt immer sechs bis acht Monate vor dem Beginn einer Rezession erlebt, wenngleich die Vorhersagen von Rezessionen natürlich nicht ganz einfach sind. Wenn Rezessionen eintreten, fallen Unternehmensgewinne und auch Aktienmärkte im Schnitt um etwa 26 Prozent. Lässt man sich als Investor also auf eine spätzyklische Euphorie ein, kann das am Ende sehr teuer werden.

Statt im späten Wirtschaftszyklus auf Aktien zu setzen, sollten renditehungrige Investoren Unternehmensanleihen in Erwägung ziehen. Investment-Grade-Anleihen sind gemessen an historischen Standards aktuell zwar nicht gerade günstig, aber auch nicht übermäßig teuer. Zumal die Renditen vergleichbar sind mit den zu erwartenden Dividenden bei einer Anlage in Aktien, jedoch weniger Volatilität mit sich bringen.

Meiner Meinung nach gehört es nicht zu einer fundierten Investmentstrategie zu antizipieren, wohin die Geldpolitik der Zentralbanken als Nächstes führt. Die Fundamentaldaten müssen immer im Blick behalten werden. Zudem gilt es, bezüglich möglicher Gewinnmargen vorsichtig zu sein und Schnellschüsse zu vermeiden. Emotionalen Marktschwankungen sollte man nicht folgen, vor allem, wenn schnelles Geld die Märkte anheizt, die Fundamentaldaten jedoch fallen.