MFS-Manager James Neale über die Perspektiven für Energieaktien Herr Neale, wie geht es weiter mit dem Ölpreis?

James Neale, Co-Manager des MFS Meridian Global Energy

James Neale, Co-Manager des MFS Meridian Global Energy

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DER FONDS: Seit seinem Hoch im Juni 2014 ist der Ölpreis um mehr als 50 Prozent gefallen. Wie hat sich dies auf Energieaktien ausgewirkt, welche haben besonders gelitten?

James Neale: Bis Ende 2014 hat der MSCI World Energy Index 18,5 Prozent verloren. Zu den Unternehmen mit der schlechtesten Performance zählen Öldienstleister und unabhängige Energiefirmen. Diese Sub-Sektoren zeigen typischerweise das höchste Beta gegenüber dem Ölpreis. Zudem wurden Unternehmen, die kurz vor der Zyklusspitze weiteres Wachstum über Kredite finanzieren wollten, im Ausverkauf besonders abgestraft.

Crashtest: Die besten Energie-Aktien-Fonds

  Fonds Punkte
Gesamt
Pkt.
Perfor-
mance
Pkt.
Stress-
test
Pkt.
Rating
Vol. in
Mio. €
1 Amundi ETF MSCI World Energy 254 85 89 80 68
2 Source ETF Energy S&P US Select Sector 241 98 83 60 93
3 MFS Meridian Global Energy Fund 226 75 91 60 14
4 SSGA Energy Index Equity Fund 216 65 81 70 37
5 DB X-Trackers MSCI World Energy Index 194 56 78 60 18
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Sortierkriterium: Punkte Gesamt, Quelle: Testverfahren DER FONDS, Berechnung und Daten: FWW Fundservices GmbH (Stichtag: 20. Januar 2015), Wertentwicklung auf Euro-Basis
Quelle: Sortierkriterium: Punkte Gesamt, Quelle: Testverfahren DER FONDS, Berechnung und Daten: FWW Fundservices GmbH (Stichtag: 20. Januar 2015), Wertentwicklung auf Euro-Basis


Wie haben Sie im Fonds auf den fallenden Ölpreis reagiert?

Wir investieren entlang der gesamten Energie-Wertschöpfungskette. Dabei haben sich in einigen Bereichen Kaufgelegenheiten für Titel ergeben, von denen wir bei einem wieder auf 70 oder 80 Dollar pro Barrel steigenden Ölpreis eine deutliche Aufwertung erwarten. Das sind vor allem Unternehmen mit kostengünstigen Rohstoff-Positionen, die in der Lage sind, auch bei einem niedrigeren Ölpreis ihre Bilanzen zu erhalten, ohne von neuen Krediten abhängig zu sein. Auch bei einigen Unternehmen aus der Batterie-Technologie und dem Bereich der Gaskompression haben wir die günstigen Kurse zum Einstieg genutzt.

Wie geht es weiter mit dem Ölpreis?

Vor dem Einbruch haben wir uns bereits fast drei Jahre gefragt, ob die Spanne von 100 bis 120 Dollar pro Barrel nicht zu hoch war. Ein Preis von 70 bis 80 Dollar erschien uns angemessener. Trotzdem waren wir auf den steilen Fall im vierten Quartal so nicht vorbereitet. Der aktuelle Preis liegt unserer Ansicht nach deutlich unter dem Niveau, auf dem das Angebot langfristig selbst mit einer niedrigen Nachfrage Schritt halten kann. Daher sehen wir eine positive Tendenz für den Sektor. Trotzdem könnte das aktuelle Preisniveau noch etwas länger anhalten. Denn die Lager haben sich in der ersten Jahreshälfte gut gefüllt. Wir schließen auch nicht aus, dass der Preis noch weiter fällt.

Wir positionieren Sie sich dafür im Fonds?

Wir sind sehr vorsichtig bei Energieunternehmen, die hochverschuldet in diese Abwärtsphase gegangen sind, sowie bei Unternehmen, bei denen ein niedriger Ölpreis den Cashflow deutlich einbrechen lässt. Denn deren Betriebskosten bleiben auf hohem Niveau. Wir suchen vielmehr nach Unternehmen, die den niedrigen Preis über eine längere Zeitspanne von 12 bis 24 Monaten überleben können. Wir profitieren dann von ihrer Erholung, wenn erst einmal das Überangebot abgebaut wurde und der Ölpreis wieder näher an die 80 Dollar rückt.

Welche Faktoren – abgesehen vom Ölpreis – haben ebenfalls Auswirkungen auf den Fonds?

Sicherlich sind die Erträge aus Energieaktien abhängig von den Rohstoffpreisen. Sie hängen aber auch an einer Reihe anderer Faktoren, die unserer Ansicht nach zu einer Outperformance der Aktien gegenüber dem Rohstoffpreis führen können, und zwar mit niedrigerer Volatilität. Die Entdeckung neuer Vorkommen traditioneller Energiequellen, neue Fördermethoden, die Entwicklung regenerativer Energiequellen und das Entstehen neuer Märkte, zum Beispiel LNG, können Potenzial liefern für eine höhere Kapitalrendite und Wachstum bei Gewinnen und Cashflow.

Investieren Sie auch in erneuerbare Energien?

Wir schauen uns durchaus Unternehmen aus diesem Bereich an. Für sie spielt es eine wichtige Rolle, wie lange die Abwärtsphase anhält. Ein Ölpreis von 50 Dollar über einen längeren Zeitraum würde sie sicher belasten. Auch wenn einige Marktteilnehmer anderer Meinung sind – für uns korrelieren erneuerbare Energien eng mit dem Ölpreis. Nur mit hohen Rohstoffpreisen lassen sich viele Investitionen in dem Bereich rechtfertigen. Wir glauben daher, dass erneuerbare Energien langfristig Anlagechancen bieten, wenn der Ölpreis sich stabilisiert und sich höhere Rohstoffpreise auf Sicht mehrerer Jahre abzeichnen.