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Michael Krautzberger im Interview “Konzipiert für das Niedrigzinsumfeld“

Michael Krautzberger studierte Betriebswirtschaft und Informatik an der European Business School und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hagen. Bei BlackRock leitet er das Euro-Rentenfondsteam und verantwortet unter anderem den BSF European Select Strategies Fund. | © Piotr Banczerowski

Michael Krautzberger studierte Betriebswirtschaft und Informatik an der European Business School und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hagen. Bei BlackRock leitet er das Euro-Rentenfondsteam und verantwortet unter anderem den BSF European Select Strategies Fund. Foto: Piotr Banczerowski

DAS INVESTMENT: Das Ende des Bullenmarkts bei Anleihen scheint gekommen. Warum sollten Anleger jetzt trotzdem noch in Anleihen investieren?

Michael Krautzberger: Gerade in den USA ist es tatsächlich wahrscheinlich, dass wir im Juli 2016 bereits das Tief bei den Renditen gesehen haben und insofern der Rentenbullenmarkt in diesem Sinne zu Ende ist. Seitdem haben wir jedoch auch schon stark korrigiert. Und gerade in Europa werden die Zentralbankzinsen die nächsten Jahre niedrig beziehungsweise negativ bleiben. Insofern sind die angestiegenen Zinsen und Spreads in der Eurozone auch eine mittelfristige Gelegenheit, die unrentable Kasse wieder etwas besser anzulegen. Darüber hinaus sehen wir einen vorläufigen Aufwärtstrend der europäischen Ökonomie, der sich positiv auf die Aktienwerte in unserem Portfolio auswirken sollte.

Ihr Fonds hat seit Auflage im August 2015 schon mehr als 300 Millionen Euro eingesammelt. Worauf führen Sie diesen Erfolg besonders zurück?

Krautzberger: Hier spielt sicherlich eine entscheidende Rolle, dass der Fonds einen innovativen Ansatz verfolgt, indem er die Asset Allocation nicht nur top-down betreibt, wie das viele andere Fonds auch tun, sondern dass er auf Unternehmensebene die Kapitalstruktur optimiert. Das bedeutet, dass es passieren kann, dass wir am selben Tag in einem Versorger von Renten in Aktien tauschen und den umgekehrten Trade in einem Finanztitel aufsetzen. Auch spielt eine Rolle, dass das Renten- und das Aktienteam schon über elf Jahre zusammenarbeiten und gezeigt haben, dass sie in allen Marktphasen überdurchschnittliche Renditen erwirtschaften konnten. Insofern sehen viele Anleger den Fonds zwar als relativ neu an, aber vertrauen auf die langjährige Erfahrung und Stabilität der Teams.

Sie dürfen neben Anleihen auch in Aktien investieren. Was unterscheidet Ihre Strategie von der klassischer Mischfonds?

Krautzberger: Neben dem bereits genannten sehr wichtigen Punkt der Kapitalstrukturoptimierung auf Unternehmensebene muss hier sicher genannt werden, dass sich der Fonds hauptsächlich an traditionelle Rentenanleger wendet, die über mittelfristige Sicht höhere Renditen erzielen wollen, als es nur im Rentenmarkt möglich wäre. Daher ist der Fonds aber auch rentennäher und konservativ positioniert. Er investiert hauptsächlich in Investment-Grade-Anleihen mit nur geringen Beimischungen in High Yield und Emerging Markets. Auch auf der Aktienseite investiert er hauptsächlich in Unternehmen hoher Qualität und Bonität und verfolgt hier einen Dividendenansatz. Es geht darum, Unternehmen zu finden, die zum einen eine attraktive aktuelle Dividende vorweisen und bei denen wir uns relativ sicher sind, dass diese im Zeitablauf weiterwächst.

Sie managen den Anleiheanteil. Auf welche Kriterien achten Sie bei der Titelauswahl vor allem?

Krautzberger: Wir konzentrieren uns auf Emittenten hoher Bonität. Ansonsten ist der Investmentprozess sehr aktiv. Das bedeutet, dass wir uns ständig Gedanken zur Länderallokation, zu Laufzeiten, zu Kurvenoptimierung sowie zur Sektorauswahl machen.

Wer zählt aktuell zu Ihren Favoriten?

Krautzberger: Wir haben nach wie vor hohe Gewichte in inflationsgeschützten Anleihen, da der Markt zu weit in Deflationspessimismus verfallen ist. Der Markt hat allerdings mittlerweile gut korrigiert, und wir beginnen hier Gewinne mitzunehmen. Auf der Kreditseite sind wir in Finanztiteln gegenüber Industrieanleihen übergewichtet, da Letztere durch das EZB-Kaufprogramm mittlerweile sehr teuer geworden sind. Auf der Aktienseite bevorzugen wir momentan den Telekomsektor, und auch im Bereich Versicherungen haben wir zuletzt zugekauft.