Michael Schneider über neue offene Immobilienfonds „Das Vertrauen der privaten Anleger ist zurückgekehrt“

Intreal-Geschäftsführer Michael Schneider: „Anleger sollten das Startportfolio, die Fondsstrategie und den Track Record der Anbieter kritisch würdigen.“ | © Intreal

Intreal-Geschäftsführer Michael Schneider: „Anleger sollten das Startportfolio, die Fondsstrategie und den Track Record der Anbieter kritisch würdigen.“ Foto: Intreal

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Jetzt kommen zum ersten Mal wieder mehrere neue Fonds für Privatanleger auf den Markt. Sollten Anleger in die neuen Fonds investieren?

Lange galten die offenen Immobilien-Publikumsfonds als Anlegers Liebling. Privatinvestoren können über die Fonds mit kleinen Summen – bereits ab 50 Euro – in Immobilien investieren. Sie erreichen damit zwar nur eine eher moderate, aber dafür sehr stabile Wertentwicklung mit regelmäßigen Auszahlungen.

Die Finanzkrise hat alles verändert: In den Jahren nach 2008 mussten offene Immobilienfonds mit einem Vermögen von rund 20 Mrd. Euro abgewickelt werden. Die Anleger verloren zum Teil auch Geld und die Fonds schienen als Investment für Privatanleger endgültig abgemeldet. „Überlebende“ der Krise waren die großen Fondsanbieter mit Bankenhintergrund.

Dieses Bild hat sich in den vergangenen beiden Jahren jedoch signifikant aufgehellt. Nach einer Dürreperiode, die auf die Krisenjahre folgte, kommen nun wieder neue offene Immobilienfonds für Privatanleger auf den Markt. Sowohl etablierte Fondshäuser wie Deka Immobilien als auch Newcomer in Sachen offene Immobilienfonds wie Swiss Life Asset Managers legten neue Fonds auf.

In den vergangenen drei Jahren wurden insgesamt zehn neue offene Immobilienfonds aufgelegt und angekündigt, davon sechs mit kleinen Mindestanlagesummen, sodass sie wirklich für Privatanleger in Frage kommen. Die anderen vier richten sich an semi-professionelle Anleger wie beispielweise Stiftungen oder sehr vermögende Privatpersonen.

Konstruktionsfehler sind behoben

Was haben Privatanleger von den neuen Fonds zu halten? Zunächst einmal ist festzuhalten, dass der Gesetzgeber einige Konstruktionsfehler der Fonds, die mit zur Krise beigetragen haben, behoben hat. Anleger können ihre Gelder seit 2013 nicht mehr täglich abziehen. Diese kurzfristige Verfügbarkeit hatte die Fonds im Zuge der Finanzkrise in Liquiditätsnöte gebracht.

Heute müssen Investoren ihre Anteilscheine anfänglich mindestens zwei Jahre halten. Hinzu kommt eine Rückgabefrist von mindestens einem Jahr. Dadurch hat das Fondsmanagement ausreichend Reaktionszeit für die Liquiditäts- und Fondssteuerung. Eine weitere Lehre, die aus der Krise gezogen wurde, ist die strikte Trennung von institutionellen und privaten Geldern. Der schnelle Abzug von großen Summen aus den Fonds durch institutionelle Investoren hatte 2008 maßgeblich zur Schließung und – nach alter Gesetzlage – automatischen Zwangsliquidation mehrerer Fonds beigetragen.

Neue Fonds treffen auf wachsende Kundennachfrage

Darüber hinaus ist es begrüßenswert, dass mit den neuen Produktinitiativen das Oligopol der großen vier Fondsanbieter und deren nur begrenztes Fondsangebot aufgebrochen wird und die Anleger wieder aus einer breiten Produktpalette wählen können – zumal auch private Anleger Immobilienanlagemöglichkeiten suchen, die den erhöhten gesetzlichen Anlegerschutzvorgaben entsprechen.