Michael Wittek, Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung „Aktienmärkte sind keine Einbahnstraße“

Michael Wittek, Leiter Portfoliomanagement bei der Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung

Michael Wittek, Leiter Portfoliomanagement bei der Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung

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Für 2014 hatten die Banken die Entwicklung an den Aktienmärkten gerade für Europa durchweg positiv eingeschätzt. Durch die Korrektur im Dezember trafen am Ende des Jahres die Aktienprognosen der meisten Bankanalysten aber wie üblich nicht zu. Die extrem positive Entwicklung in den USA hatte in dem tatsächlichen Ausmaß ebenfalls kaum eine Bank antizipiert. Wie schon in den vergangenen Jahren hat sich auch 2014 bestätigt, wie wenig treffsicher Jahresprognosen sind, wenn man sie zwölf Monate später mit den tatsächlichen Entwicklungen vergleicht. Wir hatten diese Vermutung schon in unseren Kapitalmarkt-Tendenzen für das Jahr 2014 geäußert.

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Gemessen am Euro Stoxx 50 verzeichneten europäische Aktien im Jahresverlauf ein Plus von 1,2 Prozent und traten damit gewissermaßen auf der Stelle. Gleiches gilt für deutsche Dividendenpapiere. Trotz der Jahresendrallye ab Mitte Oktober schaffte der Dax im Gesamtjahr nur einen Anstieg von 2,7 Prozent. Ohne die international unübliche Einberechnung der Dividenden fiel das Ergebnis noch magerer aus. Als Kursindex verlor der Dax 2014 sogar 0,1 Prozent. Richtig schlimm erwischte es russische Aktien. Diese brachen im Jahresverlauf um sage und schreibe 45,2 Prozent ein.

In den USA eilten dagegen die Indizes von Rekord zu Rekord. Mit einem Jahresgewinn von 7,5 Prozent pirschte sich der Dow Jones erstmalig an die 18.000-Punkte-Marke heran. Der S&P 500, der den breiten Markt widerspiegelt, stieg sogar um 11,4 Prozent und überwand das erste Mal in seiner Geschichte die Barriere von 2.000 Zählern. Mit einem Plus von 13,4 Prozent legten die im Nasdaq-Index zusammengefassten Technologiewerte aber am stärksten zu. Der japanische Aktienmarkt ist zwar von neuen Allzeithochs noch weit entfernt. Nach einem Plus von 7,1 Prozent erreichte der Nikkei-Index aber immerhin den höchsten Stand seit mehr als sieben Jahren.

Aktien trotz Krisen gefragt

Die verschiedenen geopolitischen Krisenherde sorgten das ganze Jahr über immer wieder für Unruhe an den Finanzmärkten. Die Belastungen waren aber, außer für die Börse in Moskau, überschaubar und wenig nachhaltig. Die Konflikte im Nahen Osten schwelen bereits seit Jahrzehnten. Die Auswirkungen auf die Realwirtschaft in Europa oder in den Vereinigten Staaten sind zu vernachlässigen. Dasselbe gilt für die entsprechenden Aktienmärkte. Auch die Ebola-Epidemie stellt – unabhängig von dem menschlichen Leid – für die internationalen Finanzmärkte bisher keine Belastung dar.

Die Krise in der Ukraine ist da schon anders gelagert. Hier findet unmittelbar an der Grenze zur Europäischen Union und zur Nato ein Bürgerkrieg statt, in den mit Russland eine ehemalige Weltmacht eingreift. Die wirtschaftlichen Auswirkungen resultieren aber weniger aus den militärischen Auseinandersetzungen, sondern aus den Sanktionen, mit denen der Westen Moskau zur Räson bringen will. Darunter leiden bisher die USA und Europa weniger als Russland selbst. Wenn es jedoch zu einer weiteren Eskalation der wechselseitigen Repressalien kommen sollte – denkbar wären Überflugverbote oder eine Ausgrenzung Russlands aus dem US-Dollar-Zahlungsverkehr – würden die Märkte sicherlich heftiger reagieren.

Noch wesentlich stärker als die westlichen Sanktionen trifft Russland der dramatisch gefallene Ölpreis. Die Frage, ob die USA zusammen mit Saudi-Arabien den Ölpreis gezielt als Druckmittel einsetzen, um Moskau in die Knie zu zwingen, lässt sich nur schwer beantworten. Fest steht aber, dass die dortige Wirtschaft vor enormen Problemen steht. Die Finanzmärkte diskutieren bereits über die Zahlungsfähigkeit. Da der russische Staat nur gering verschuldet ist und über einiges an Devisenreserven verfügt, scheint ein Bankrott vorerst eher unwahrscheinlich. Wie dramatisch sich die Lage in Russland entwickelt, verdeutlicht aber der Aktienmarkt. Dort haben sich seit Herbst 2013 die Kurse fast halbiert. Der Rubel spiegelt ein fast identisches Bild wider. Die westlichen Finanzmärkte zeigen sich von diesen Krisen aber bisher immer nur kurz beeindruckt.

Ein Grund, warum sich die verschiedenen geopolitischen Krisen nicht deutlicher auf die westlichen Aktienmärkte auswirken, liegt in der unterschiedlichen Attraktivität der verschiedenen Assetklassen: Es gibt momentan einfach keine Kapitalanlage, die nur annähernd so attraktiv ist wie die Aktie. Die Notenbanken in Europa, den USA und Japan haben durch ihre massenhaften Anleihenkäufe den risikolosen Zins faktisch abgeschafft. Dadurch sind mittlerweile alle Investments mit einem gewissen Risiko behaftet – auch die an den Rentenmärkten. Das wirkt sich positiv auf die Bewertung von Sachwerten aus – also auf die von Aktien und Immobilien.