Mietpreisbremse trifft vor allem Familien mit Kindern

Wolfgang Dippold, geschäftsführender Gesellschafter des Bamberger Kapitalanlage- und Immobilienspezialisten Project Investment

Wolfgang Dippold, geschäftsführender Gesellschafter des Bamberger Kapitalanlage- und Immobilienspezialisten Project Investment

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Von Wolfgang Dippold, geschäftsführender Gesellschafter des Bamberger Kapitalanlage- und Immobilienspezialisten Project Investment und Karl-Georg Loritz, Lehrstuhlinhaber für Zivil-, Steuer- und Arbeitsrecht an der Universität Bayreuth

Deutschland im Jahr 2014. Eine Nation im Immobilienfieber. Die Metropolen ächzen unter der Zuwanderung. Attraktiver Wohnraum wird zum seltenen Luxusgut. Außerhalb der Großstädte verwaisen immer mehr Regionen. Die Herausforderungen der zunehmenden Urbanisierung hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln in einer aktuellen Studie untersucht. 

Mit der stark angestiegenen Zuwanderung aus Mittelosteuropa und infolge der Krise in Südeuropa dürfte sich der Wachstumstrend in den deutschen Städten fortsetzen. Die steigende Studierneigung der Schulabgänger begünstigt die Urbanisierung zusätzlich, so die Prognose bis zum Jahr 2030.

Nettokaltmieten im Höhenflug

Im Kampf um die Talente der Zukunft setzen auch deutsche Unternehmen bei ihrer Standortwahl verstärkt auf die urbanen kulturellen Zentren Deutschlands.
Die besonders gefragten Regionen werden anhand einer aktuellen Erhebung des Statistischen Bundesamts zum Anstieg der Nettokaltmieten deutlich.

In Berlin war der Zuwachs zwischen Herbst 2012 und 2013 mit 2,6 Prozent doppelt so stark wie im Bundesdurchschnitt.

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Es folgen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen mit jeweils 1,6 Prozent. Im Gesamtjahr 2013 beläuft sich der Anstieg der Nettokaltmieten in Deutschland auf 1,3 Prozent. In den östlichen Bundesländern liegt die Erhöhung am Jahresende lediglich zwischen 0,3 und 0,9 Prozent.

Deutliche Mietsteigerungen treten nur regional begrenzt auf und sind in erster Linie ein Problem der Neuvermietungen in Ballungszentren, Groß- und Hochschulstädten, so die Wiesbadener Statistiker.

Soziale Benachteiligung

Die Erklärung des Statistischen Bundesamtes wirkt zunächst wie Wasser auf die Mühlen derer, die lautstark nach einer Mietpreisbremse in deutschen Metropolen rufen. Doch längst mehren sich Expertenstimmen, die den Eingriff des Staates in den Mietermarkt kritisch beurteilen.

Es ist ein Gesetz der Marktwirtschaft, dass künstliche Preisdeckelungen zu Gestaltungen und Umgehungen führen. Wenn heute in München eine bezahlbare Wohnung vermietet wird, bewerben sich ohne weiteres 50 Interessenten.

Derjenige, der die beste Bonität hat und die Wohnung am wenigsten abnutzt – also idealerweise der Single, der den ganzen Tag beruflich unterwegs ist und am Wochenende verreist und von drei, vier oder fünf Zimmern ja immer nur in einem zur gleichen Zeit sein kann – bekommt die Wohnung. Leidtragende einer Mietpreisbremse wären demnach in erster Linie Familien mit Kindern, die über ein geringes Einkommen verfügen. Kann das Ziel der Bundesregierung sein?