Mifid II als Stimmungskiller Wie eine Gebührenrechnung einen ganzen Saal zum Schweigen brachte

Diskutieren über Mifid II (von links): Moderator Alexander Koch, Blackrock; Frank Ulbricht, Vorstand bei BCA und BfV; Daniel Veit, Deutsche Bank, und Christian Machts, Leiter Privatkundengeschäft bei Blackrock in Deutschland | © Andreas Mann

Diskutieren über Mifid II (von links): Moderator Alexander Koch, Blackrock; Frank Ulbricht, Vorstand bei BCA und BfV; Daniel Veit, Deutsche Bank, und Christian Machts, Leiter Privatkundengeschäft bei Blackrock in Deutschland Foto: Andreas Mann

Auf Foren wird eine Menge geredet. Entsprechend ungewöhnlich ist es, wenn plötzlich ein ganzer Saal betreten schweigt. Daniel Veit aus dem Produktmanagement der Deutschen Bank schaffte dieses Kunststück auf dem Investoren-Forum von Blackrock in Frankfurt. Was war passiert?

Veit saß in einer Diskussionsrunde zum Thema „Mifid II – sind wir bereit für den 1.1.2018?“. An einer Stelle fragte Moderator Alexander Koch ihn, wie denn eine Kostenaufstellung in der Praxis bei der Deutschen Bank aussehen werde. Schließlich verlangt die neue Richtlinie Mifid II volle Kostentransparenz, und zwar nicht nur in Prozent ausgedrückt, sondern in Euro und Cent. Daraufhin holte Veit dieses Beispiel hervor (Auszug):

Anlagesumme: 12.500 Euro

Ausgabeaufschlag: 625,00 Euro

Laufende Kosten während der Haltedauer pro Jahr: 211,25 Euro

(davon Depotpreis: 17,50 Euro

und gesamte laufende Kosten des Fonds: 193,75 Euro)

Schon jetzt wurde es verdächtig ruhig im Saal. Aber Veit ließ sich nicht beirren. „Machen wir einen Sprung weiter zum dicken Ende“, sagte er und ließ eine Grafik mit den harten Fakten einblenden. Fakten, die der Kunde künftig zu sehen bekommen soll, und zwar bevor er einen Fonds kauft.

„Ich weiß nicht, wer die Zahl schon entdeckt hat, die uns Schmerzen bereiten wird“, sagte er zum Publikum. „Wir haben sie in Zeile 2 versteckt“, redete er weiter und nannte sie: 1.681,25 Euro. Das zahlt der Kunde, wenn er das Produkt kauft und fünf Jahre behält. „Und zwar bei einem Investmentvolumen von etwas mehr als 12.000 Euro.“ Nach diesen Worten hätte man im Saal einen Investmentvertrag zu Boden fallen hören können.

Dann brachte Veit die Untertreibung der Woche: „Da stehen wir in der Tat vor einer Herausforderung ... Der Kunde kauft ja ein Produkt nicht wegen der Kosten, sondern wegen einer Performance-Phantasie. Wir müssen die Kunden dabei unterstützen, dass sie diese Performance-Phantasie möglichst lebhaft erfahren.“ Man rätselte an dieser Stelle automatisch, ob er sich diesen Satz vorher aufgeschrieben hatte oder ob er ihm spontan eingefallen ist.

Dabei hatte Veit nichts wirklich Neues verkündet. Er hatte nur einmal die neue Transparenz und das alte Preisniveau schmerzhaft genau durchexerziert. Und dabei gezeigt, was für einen Unterschied es ausmacht, ob man Preise prozentual oder nominal ausweist: Einen ziemlich großen.

Am Ende der Runde fragte ihn Koch noch nach einer kurzen Botschaft. Auch hier Veit wieder druckreif: „Lernen Sie Mifid II lieben. Denn nur mit dieser positiven Einstellung werden Sie auch Spaß und Freude am Geschäft im nächsten Jahr haben. Sie kennen das von einer Sportmassage: Wenn Sie da verspannt reingehen, tut das unendlich weh. Bleiben Sie locker, dann geht es an Ihnen vorbei.“

Humor hat er ja, der Mann von der Deutschen Bank. Das fand auch das Publikum, lachte und klatschte in die Hände.