Mikrofinanz-Fonds: Mission mit Mini-Krediten

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Kleines Geld, große Wirkung. „Mikrofinanz-Investments sind interessant und außerordentlich charmant“, sagt Harald Schneider von der Berliner Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“. Der Leiter der Finanzabteilung hat die rentable Armutsbekämpfung rund ein Jahr lang auf Herz und Nieren geprüft. Ende 2009 ist die Stiftung dann in den Wallberg Global Microfinance eingestiegen. Investiert sind rund ein Prozent des Portfolios, 4 Millionen Euro.

Die Berliner Stiftung ist nur einer von vielen institutionellen Investoren, die die Minikredite für Kleinstunternehmer entdeckt haben. Vor allem das Zusammenspiel von sozialem Mehrwert und stabiler Rendite macht Mikrofinanz-Fonds für Investoren wie Schneider so charmant.

Menschen, die oft weniger als 2 Dollar pro Tag zum Leben haben und bei herkömmlichen Banken als nicht kreditwürdig durch das Raster fallen, bekommen bei den weltweit rund 10.000 Mikrofinanzinstituten, kurz MFIs, kleines Geld und eine große Chance. Und weil sie ihre Kleinstkredite weit zuverlässiger bedienen als Privat- und Geschäftsleute hierzulande, ist das Geschäftsmodell der Institute bislang sehr stabil und liefert stetige Renditen weitgehend unabhängig von den Entwicklungen an den Finanzmärkten. Die Verzinsung liegt in der Regel ein bis 2 Prozentpunkte über dem Geldmarkt. Zwar hat sich die Ausfallquote des Kleingeldverleihs von 2 auf 4 Prozent verdoppelt, „sie liegt damit aber immer noch bei einem Fünftel der Ausfälle normaler Geschäftsbanken in den Emerging Markets“, sagt Vermögensberater Leopold Seiler, Chef der Wiener Seiler Asset Management.

Enormes Wachstum

Klar, dass das gerade auf Sicherheit bedachte Investoren lockt. Spätestens seit der indische Wirtschaftsprofessor und Mikrofinanz-Pionier Muhammad Yunus und seine Grameen Bank 2006 den Friedensnobelpreis bekamen, verbreitet sich die Idee von der Rendite durch Hilfe zur Selbsthilfe über den ganzen Globus.

Der Markt wächst mittlerweile um 20 bis 30 Prozent pro Jahr, rund 60 Milliarden Dollar haben vorwiegend institutionelle Investoren derzeit angelegt. Ein Boom, der gerade defensive Anleger mitunter verunsichert: „Es bleibt abzuwarten, was der Markt verträgt“, sagt Stiftungsmann Schneider. Es gebe immer wieder Hinweise, dass es zu einer Übersättigung kommen könne. „Die Institute werden dann bei der Auswahl der Kreditnehmer lockerer, und die Ausfallquoten steigen“, so Schneider. Er kann sich darum nur noch eine moderate Ausweitung vorstellen, „nicht über 3 Prozent des Portfolios“. Eine Übersättigung sieht Seiler indes nicht: „Es ist noch unendlich viel Platz nach oben. Nur 10 Prozent der weltweiten Nachfrage sind derzeit gedeckt.“

Sorgen macht dem Initiator und Betreiber des Informationsportals www.microfinance.at jedoch die Motivation einiger Mikrofinanzinstitute. „Sie wollen unbedingt wachsen. Quantität wird wichtiger als Qualität.“ Der philanthropische Ursprung rücke in manchen Regionen in den Hintergrund. Schon sind die ersten drei MFIs an die Börse gegangen, um sich Kapital zu besorgen. Jüngstes Beispiel: die indische SKS Microfinance. Die Münchener Allianz und der US-Investor George Soros haben sich schon eingekauft.