Mikrofinanz Rendite mit gutem Gewissen und großer Wirkung

Verkäuferin auf einem Markt in El Salvador: Die meisten Mikrokredite nehmen Frauen auf. | © C-Quadrat

Verkäuferin auf einem Markt in El Salvador: Die meisten Mikrokredite nehmen Frauen auf. Foto: C-Quadrat

Verantwortungsvoll investieren und dennoch stabile Renditen erzielen, so lauten die Ziele des Social Impact Investing. Immer mehr Anleger möchten neben einer attraktiven Rendite auch etwas Positives mit ihrer Geldanlage für die Gesellschaft bewirken. Gerade für die Millennials, die zwischen 1980 und 2000 geborenen, spielen soziale und ethische Aspekte bei der Anlageentscheidung eine wichtige Rolle.

Vermögensverwalter und Kreditinstitute sehen hier einen Trend, der großes Potenzial hat. Denn alleine in Deutschland werden zwischen 2012 und 2027 bis zu 400 Milliarden Euro pro Jahr verschenkt und vererbt, wie eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) aus dem Jahr 2017 belegt. Gelder, die auch in nachhaltige Anlageprodukte fließen können.  

Verdoppelung des Investitionsvolumens in Mikrofinanzfonds

Eine Möglichkeit, mit einer Anlage neben einer stetigen Rendite auch soziale und ethische Aspekte abzudecken, stellen Social Impact Investments wie Mikrofinanz dar. Sie gelten als effektives Mittel zur Armutsbekämpfung und haben sich bei institutionellen Investoren wie Family Offices, Stiftungen, Pensions- und Staatsfonds, Versicherungen oder Banken als attraktive Anlageform etabliert. Auch Privatanleger haben die Anlageform mittlerweile für sich entdeckt.

Nach einer Studie von Scope Investor Services ist das globale Investitionsvolumen in Mikrofinanzfonds per Ende Dezember 2016 auf knapp 14 Milliarden US-Dollar gewachsen, ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr und eine Verdoppelung gegenüber 2010. Viele Experten sind sich einig, dass der Mikrofinanzmarkt noch lange nicht gesättigt ist. Nach Daten von Symbiotics liegt das erwartete Wachstum 2017 bei 10 bis 15 Prozent, wobei mit 25 bis 30 Prozent die höchsten Wachstumsraten für den Raum Asien-Pazifik erwartet werden.

Die Idee, die sich hinter Mikrofinanz verbirgt, hat eine lange Historie. Sie geht auf das Selbsthilfe- und Solidaritätsprinzip von Sparkassen und Genossenschaftsbanken zurück, das bereits vor 150 Jahren in Europa entwickelt wurde. 2006 rückte das Thema stärker in den Fokus der Öffentlichkeit. In dem Jahr erhielt der bengalische Wirtschaftswissenschaftler Muhammad Yunus für seinen wirksamen Einsatz zur Bekämpfung der Armut den Friedensnobelpreis.

2005 hatte die UNO das Jahr der Mikrofinanz ausgerufen, um durch kleine und direkte Kredite an Menschen in Entwicklungsländern die Armut zu bekämpfen. Yunus hatte 1983 in Bangladesch die sozial ausgerichtete Grameen Bank (auf Deutsch: „Dorf-Bank“) gegründet und wurde so zum Pionier bei der Vergabe von Mikrofinanzkrediten. Neben Indien gehören Kambodscha, Kenia, Bolivien und Aserbaidschan zu den größten Mikrofinanz-Märkten der Welt.

Wirksame Hilfe zur Selbsthilfe

Bei Mikrofinanz-Produkten geht es um zwei Dinge: Erstens, dass Menschen in Entwicklungsländern einen Zugang zu verlässlichen Krediten und Sparmöglichkeiten bekommen. Ziel ist die Hilfe zur Selbsthilfe, die es den Kleinstunternehmern erlaubt, eine wirtschaftliche Existenz aufzubauen, die das eigene Auskommen wie auch das ihrer Familien sichert. Und zweitens, dass der Anleger eine faire Rendite aus seinen Investments erzielen kann.

Menschen in den Entwicklungsländern haben oft nur ihre Arbeitskraft, viele Ideen, aber nicht das nötige Kapital, um diese zu verwirklichen. Hier können Mikrofinanzinstitute (MFI) Abhilfe schaffen. Weltweit existieren rund 10.000 dieser Minibanken, die die Kredite direkt an die Kleinstunternehmer vergeben.

Durch den Zugang zu regulierten Finanzdienstleistungen sind die Kreditnehmer nicht mehr von Kredithaien abhängig, die teilweise 100 Prozent Zinsen verlangen und Kredite nach Gutdünken fällig stellen. Mikrofinanzinstitute bieten fixe Konditionen, feste Laufzeiten, umfassende Beratung und Schulung der Kreditnehmer. Die Kredite  eröffnen den Menschen neue Existenzmöglichkeiten, wie die Eröffnung eines Lebensmittelladens, einer Garküche, der Kauf eines Taxis oder die Gründung einer Werkstatt.

Mehrzahl der Kreditnehmer sind Frauen

Die Darlehen haben in der Regel eine Höhe von 50 bis 5.000 US-Dollar, wobei die Mehrzahl der Kreditnehmer Frauen sind. Durch die Beratung seitens der Mikrofinanzinstitute (MIF) ist die Rückzahlungsquote sehr hoch - in der Regel liegt sie bei 96 bis 98 Prozent. Die Zinssätze können zwar in lokaler Währung durchaus 20 bis 30 Prozent im Jahr betragen. Dies ist aber viel günstiger als beim lokalen Kreditanbieter. Zudem ist das Zinsniveau vieler lokaler Währungen höher als in Euro.

Beispiele wie das von Dona Leni aus El Salvador zeigen, dass kleine Summen Großes bewirken können. Sie hat von der Zahnbürste bis hin zum kleinen Snack alles im Programm. Ihr Laden in El Brazo, südwestlich von San Miguel, ist ein gesellschaftlicher Hotspot in der Region. Ihr alter Kühlschrank kostete sie aber 30 US-Dollar Strom pro Monat, und deshalb hat sie sich für einen Kleinkredit entschieden. Der Kredit ermöglichte ihr, einen neuen, viel effizienteren Kühlschrank zu kaufen. Durch die Ersparnis bei den Stromkosten hat sie nach Zahlung der Raten für den Kredit monatlich mehr Geld in der Kasse.

Stabile Performance bei geringen Schwankungen

Das Mikrofinanzsegment erzielte in den vergangenen zehn Jahren stabile und positive Renditen bei geringer Volatilität. Die Renditen bewegen sich zwischen zwei bis vier Prozent pro Jahr, was gerade im derzeitigen Niedrig- bzw. Negativzinsumfeld eine interessante Alternative zum Geldmarkt ist. Die Fonds zählen zu den sichersten Investments im nachhaltigen Segment, weil das Fondsvermögen breit über viele Länder und Kreditnehmer gestreut ist. Hinzu kommt, dass Mikrofinanzfonds zu traditionellen Assetklassen wie Staatsanleihen oder auch Aktien eine geringe Korrelation aufweisen.

Dass Anleger selbst in turbulenten Zeiten mit deutlichen Verlusten an den Börsen mit stabilen Renditen rechnen können, zeigt ein Blick auf die Finanzkrise 2008 und 2009. Damals haben die als langfristige Investments gedachten Mikrofinanzprodukte keine größeren Einbußen bei der Rendite erlitten. Grund dafür war unter anderem, dass das investierte Geld in mikroökonomische Kreisläufe fließt, die von Weltwirtschaftskrisen quasi nicht betroffen sind.

Mikrofinanz Produkte sind nicht nur ein Beitrag zur Armutsbekämpfung, sie können sich auch als Investment lohnen. C-Quadrat engagiert sich bereits seit 2006 im Bereich Mikrofinanz. Der Dual Return Fund Vision Microfinance (ISIN: LU0236782842) investiert in Schuldscheine und Darlehen an lokale Mikrofinanzinstitute. Fondsanteile können monatlich gekauft oder verkauft werden. Mit den Rückzahlungen der Kreditnehmer tilgen die Mikrofinanzinstitute die vergebenen Darlehen.

Daraus resultieren die Renditen des Fonds. Seit der Gründung hat Vision Microfinance mehr als 500.000 Kleinunternehmer mitfinanziert und rund 1,2 Milliarden US-Dollar in Form von Krediten an 259 geprüfte Mikrofinanzinstitute in 60 Ländern vergeben. C-Quadrat arbeitet dabei eng mit dem Schweizer Finanzdienstleister Symbiotics zusammen, der einen ausgezeichneten Ruf im Bereich der nachhaltigen Investments hat. Mehr als 70 Experten weltweit prüfen vor Ort Mikrofinanzinstitute und auch den Einsatz des Geldes.

Autor Günther Kastner ist Anlagechef von C-Quadrat Asset Management und Gründer der Marke Vision Microfinance.