Mischfonds-Manager „Französische Staatsanleihen spielen für uns keine Rolle“

Guillaume Brisset ist Fondsmanager bei der Pariser Investment-Boutique Rouvier Associés

Guillaume Brisset ist Fondsmanager bei der Pariser Investment-Boutique Rouvier Associés

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DAS INVESTMENT: Die Staatsverschuldung des französischen Staats entspricht derzeit knapp der Summe des Bruttoinlandsprodukts. Was kann Präsident Macron überhaupt tun, um die Schulden deutlich abzubauen? Und welche Projekte verfolgt der neue französische Präsident hinsichtlich staatlicher Investitionen?

Guillaume Brisset: Herr Macron verfolgt das Ziel, 60 Milliarden Euro in den kommenden fünf Jahren durch den sozialverträglichen Abbau von Stellen im öffentlichen Sektor einzusparen und zeitgleich dieses Geld in wirtschaftsfördernde Maßnahmen zu investieren. Er möchte insbesondere die Bildung fördern. Es gibt viel Jugendarbeitslosigkeit und Frust unter den jungen Menschen, sowie Langzeitarbeitslose, hier möchte er vor allem ansetzen. Aber auch die französische Infrastruktur wie auch die Digitalisierung von Staat und Wirtschaft steht ganz oben auf seiner Agenda.

Welche Unternehmen dürften ihrer Meinung nach besonders von Macrons Wirtschafts- und Finanzpolitik profitieren?

Herr Macron hat eine europäische Vision. Gemeinsam mit Deutschland möchte er das sich derzeit entwickelnde Wachstum in Europa nachhaltig unterstützen. Insbesondere Unternehmen die überproportional vom neuen europäischen Aufschwung profitieren können, werden unserer Meinung nach natürlich auch finanziell profitieren.

Wie recherchieren Sie solche Aktien für Ihre Fonds? Auf welche Merkmale in den Bilanzen und Geschäftsberichten der Firmen achten Sie besonders?

Unser Leitspruch für die Aktienauswahl lautet „Quality & Value“. Das heißt Qualitätsunternehmen mit hoher Rentabilität an der Börse zu identifizieren, wenn sie mit einem Discount, also mit einem signifikanten Kursabschlag zu kaufen sind. Dafür bedarf es Detailinteresse und vor allem Geduld. Es kann durchaus fünf bis sieben Jahre dauern, bis man bei den besten Firmen der Welt einen Einstieg mit Discount schafft und dann muss man das Unternehmen natürlich eng verfolgen. Das machen wir sehr akribisch und haben daher auch nur sehr konzentrierte Portfolios.

Warum sind Sie gegenüber Bankentiteln derzeit so optimistisch? Und welche Einzeltitel dürften sich der allgemeinen Krise der Branche Ihrer Meinung nach entziehen?

Man darf nicht verallgemeinern. Wenn wir heute über Banktitel sprechen, muss klar sein, dass wir nur in die besten und solidesten Banken mit rentablen Geschäftsmodellen und einer soliden Eigenkapitalausstattung investieren. Viele Investoren scheren alle Finanzinstitute über einen Kamm, was uns dann eben die Chance eröffnet in die besten der Besten sehr günstig investieren zu können. Das hat sich in den letzten Jahren sehr bezahlt gemacht. Die Banken stellen mit Ihren Finanz-Dienstleistungen das Schmiermittel für die Volkswirtschaften bereit und verdienen selbst gutes Geld damit, sofern sie gut und professionell gemanagt werden. Und wenn es der Wirtschaft besser geht, profitieren auch die Banken sehr schnell davon. Und die besten von ihnen nochmals überproportional. Das interessiert uns.