Mitgenommen: Schwellenmärkte spüren

Mark Mobius

Mark Mobius

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Anleihenmärkte der Schwellenländer waren im zweiten Quartal des Jahres 2013 von erhöhter Volatilität betroffen, was starke Mittelabflüsse und Kursrückgänge zur Folge hatte. Der MSCI Emerging Markets Index büßte im zweiten Quartal des Jahres 2013 auf US-Dollar-Basis 8,0 Prozent ein. Die Mittelabflüsse aus den Schwellenmärkten beliefen sich während des Quartals auf über 30 Milliarden US-Dollar, allein im Juni waren es mehr als 20 Milliarden US-Dollar.
Während die Aktienperformance auf Einzeltitelebene Anfang des Quartals stärker von unternehmensspezifischen Fundamentalfaktoren und den Unternehmensgewinnen beeinflusst wurde, führte die zunehmende Volatilität an den Anleihemärkten ab Mitte Mai zu massiven Verkäufen, von denen Anleihen, Währungen und Aktien aus den Schwellenländern gleichermaßen betroffen waren. 
Die Märkte in Ländern mit hohen Leistungsbilanzdefiziten, deren Lokalwährungsanleihen in großem Umfang von ausländischen Anlegern gehalten werden und die einen Bezug zu China aufweisen, wurden am stärksten in Mitleidenschaft gezogen. Die Türkei, Ägypten, Brasilien und Peru schnitten mit zweistelligen Verlusten am Quartalsende am schwächsten ab.

Hinweise des Fed-Vorsitzenden Ben Bernanke auf eine Drosselung des Wertpapierkaufprogramms der US-Notenbank lösten zusammen mit verbesserten Makrodaten aus den USA eine Verkaufswelle am Anleihemarkt aus, wodurch die Marktstimmung getrübt wurde.

Schwellenmarktwährungen und Rohstoffpreise waren ebenfalls rückläufig. Als die People’s Bank of China nach einem deutlichen Anstieg des Interbanken-Leitzinses in Juni signalisierte, dass sie nicht am Markt intervenieren werde, kamen Sorgen über die Stabilität des Banksektors auf, was die Anleger zusätzlich verunsicherte.

Asien

Das BIP-Wachstum in China ging von 7,9 Prozent im letzten Quartal des Jahres 2012 auf 7,7 Prozent im ersten Quartal des Jahres 2013 zurück (jeweils im Vergleich zum Vorjahr). Hauptverantwortlich für die Wachstumsverlangsamung war die Schwäche bei Industrieproduktion und Investitionen.

Dagegen blieb der inländische Konsum weiterhin der stärkste Wachstumstreiber. Der Inflationsdruck ließ im Mai nach, wobei der Verbraucherpreisindex im Jahresvergleich von 2,4 Prozent im April auf 2,1 Prozent zurückging. Der chinesische Präsident Xi Jinping besuchte im Juni die USA, Mexiko, Trinidad und Tobago sowie Costa Rica mit dem Ziel, die Beziehungen weiter auszubauen.

Um die Verbindung zu China zu stärken, stattete der südkoreanische Präsident Park Geun-hye dem Land Ende Juni einen Besuch ab, bei dem weitere Verhandlungen über ein bilaterales Freihandelsabkommen zwischen den beiden Ländern vereinbart wurde. Für Anfang Juli wurde eine sechste Gesprächsrunde in Südkorea anberaumt.

China und Taiwan unterzeichneten im Juni im Rahmen der bestehenden Vereinbarung zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit ein Abkommen über den Dienstleistungshandel. Damit erhalten taiwanesische Investoren Zugang zu 80 Dienstleistungssektoren in China, während im Gegenzug 64 Sektoren in Taiwan für Investitionen aus China geöffnet werden.

China und die südasiatischen Länder haben sich anlässlich der ersten China-Südasien-Expo auf eine verstärkte Zusammenarbeit sowie Bestrebungen zum Erhalt des Wirtschaftswachstums verständigt.

Angetrieben durch höhere Investitionsausgaben und Exporte beschleunigte sich das BIP-Wachstum in Südkorea von 0,3 Prozent im vierten Quartal 2012 auf 0,9 Prozent im ersten Quartal 2013 (jeweils gegenüber dem Vorquartal). Im Vergleich zum Vorjahr wuchs die Wirtschaft im 1. Quartal um 1,5 Prozent und damit genauso stark wie in den letzten beiden Quartalen des Jahres 2012.

Das Finanzministerium reduzierte seine BIP-Wachstumsprognose für 2013 von 3,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 2,3 Prozent. Die Bank of Korea ließ ihren Leitzins im Juni unverändert, nachdem er im Mai um 25 Basispunkte (0,25 Prozent) auf 2,5 Prozent gesenkt worden war.

Das Wachstum der Einzelhandelsumsätze verlangsamte sich im Jahresvergleich von 2,1 Prozent im April auf 0,5 Prozent im Mai, während sich die Industrieproduktion im Mai mit einem Minus von 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr besser als erwartet hielt. Die Exporte erhöhten sich im Mai im Jahresvergleich um 3,2 Prozent auf 48,4 Milliarden US-Dollar, nachdem sie im April nur um 0,4 Prozent gesteigert worden waren.

Das Parlament billigte einen Ergänzungshaushalt von über 15 Milliarden US-Dollar für die Finanzierung von Maßnahmen zur Förderung der Binnenwirtschaft und der Beschäftigung sowie zur Unterstützung der unter der Abwertung des japanischen Yen leidenden Exporteure.

Die zunehmende Bedeutung des ressourcenreichen afrikanischen Kontinents zeigte sich auch daran, dass führende Vertreter aus Uganda und Mosambik Südkorea im Quartal einen Besuch abstatteten mit dem Ziel, die bilateralen Beziehungen zu verbessern.

Die indische Wirtschaft erzielte im ersten Quartal 2013 ein Wachstum von 4,8 Prozent im Vorjahresvergleich, was das revidierte Jahreswachstum von 4,7 Prozent im Schlussquartal des Jahres 2012 geringfügig übertraf. Damit erreichte das Wachstum für das im März 2013 beendete Geschäftsjahr (GJ2013) das Jahrzehnttief von 5,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Im Vergleich dazu belief sich das Jahreswachstum des BIP im GJ2012 auf 6,2 Prozent. Die Schwäche von Konsum und Investitionen im Inland in Verbindung mit niedrigeren Staatsausgaben gehörten zu den Hauptgründen für das schwächere Jahreswachstum des Landes. Die Reserve Bank of India ließ ihren Leitzins im Juni unverändert bei 7,25 Prozent, nachdem er zuvor seit Jahresbeginn, vor allem wegen Inflationssorgen, dreimal gesenkt worden war.

Der Inflationsdruck schwächte sich im Mai ab, wobei der Verbraucherpreisindex von 9,4 Prozent im April auf 9,3 Prozent und der Großhandelspreisindex von 4,9 Prozent auf 4,7 Prozent zurückgingen (jeweils im Vergleich zum Vorjahr). Im Rahmen der „Look East“-Politik Indiens unternahm Ministerpräsident Manmohan Singh Ende Mai Reisen nach Japan und Thailand mit dem Ziel, die Verbindungen zu den regionalen Partnern zu verbessern.