Mittelstandsanleihen Pellets-Pleite gefährdet junge Fondsgattung

Die Fondsmanager im Interview von links: Marius Hoerner (Hinkel & Cie. Vermögensverwaltung), Benedict Braus (Inprimo Invest) und Dirk Viebahn (Monega Kapitalanlagegesellschaft).

Die Fondsmanager im Interview von links: Marius Hoerner (Hinkel & Cie. Vermögensverwaltung), Benedict Braus (Inprimo Invest) und Dirk Viebahn (Monega Kapitalanlagegesellschaft).

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„Mittelstandsanleihen müssten eigentlich Risikoanleihen heißen“, kommentiert Marc Tüngler die jüngsten Entwicklungen am Rentenmarkt für Zinstitel mittelständischer Unternehmen. Diese seien „für Privatanleger grundsätzlich nur bedingt geeignet“, warnt der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Denn nur die wenigsten Privatanleger verfügten über die notwendigen finanziellen Mittel, um eine adäquate Risikostreuung zu gewährleisten „Schließlich sollte man zur Vermeidung von Klumpenrisiken in mehrere Anleihen investieren und nicht nur in eine.“ So droht aktuell German-Pellets-Gläubigern der Totalverlust, nachdem der Brennstoffhersteller im Februar Insolvenz beantragt hat.

Zum Zweck der Risikostreuung für Privatanleger kamen in den vergangenen Jahren mehre Investmentfonds auf den Markt, die nun ihre Anlagestrategie infrage stellen müssen. Wie sie die Zukunft dieses gebeutelten Segments des Rentenmarktes sehen und wie sie das stark erschütterte Vertrauen ihrer Anleger zurückgewinnen wollen, lesen Sie im ersten Teil unserer Interview-Serie mit drei Fondsmanagern:

Hat Sie die Insolvenz des Wismarer Unternehmens German Pellets überrascht oder ist sie nur der vorläufige Höhepunkt einer allgemeinen Entwicklung am Markt für deutsche Mittelstandsanleihen?



Marius Hoerner, Fondsmanager des Artus Mittelstands-Renten HI Fonds:

Nein, die Insolvenz bei German Pellets hat mich nicht überrascht. Wir haben uns das Unternehmen sehr genau angeschaut. Die Anleihe haben wir in der Vergangenheit zwar auch im Portfolio gehabt, dann aber wieder verkauft. Und: Ja, es dürfte ein vorläufiger Höhepunkt erreicht sein. Denn es werden derzeit alle mittelständischen Anleiheemittenten über einen Kamm geschoren. Dabei ist der komplette Bond-Markt inzwischen toxisch. Das Grundproblem besteht darin, dass Kursverluste der Anleihen in Zeiten von Zinsen nahe Null nicht mehr durch hohe Zinskupons ausgeglichen werden können. Auf das Marktsegment der Mittelstandsanleihen hat sich das besonders stark niedergeschlagen, da hier viele Firmen ihre aktuelle Finanzierung nicht mehr hinkriegen.

Benedict Braus ist verantwortlich für das Portfolio des Inprimo Mittelstandsrenten AMI:

Die Insolvenz bei German Pellets war angesichts der Kapitalmarktkommunikation des Unternehmens nicht absehbar. Allerdings hatte die Firma einen sehr hohen Kapitalbedarf. In der Bilanz von German Pellets sind uns hohe Bankverbindlichkeiten aufgefallen. Wir fragen uns vor einem Investment immer: Was können wir am Ende noch erwarten, wenn es schief geht? Da German Pellets in dieser Hinsicht nicht unserem Qualitätsanspruch genügte, haben wir dieses Unternehmen aussortiert und nicht in ihre Anleihen investiert. Wir sind von diesem Insolvenzfall also nicht konkret betroffen. German Pellets ist für alle Investoren ein weiterer Hinweis darauf, dass dem Segment der Mittelstandsanleihen mit sehr viel Vorsicht zu begegnen ist.

Dirk Viebahn, Portfolio-Manager des WGZ Corporate M:

Die finanzielle Schieflage von German Pellets hat uns nicht wirklich überrascht. Wir haben uns nie in dem Titel engagiert, da uns das Geschäftsmodell der German Pellets nicht ganz klar war und uns das Auftreten der Unternehmensführung nicht überzeugen konnte.