“Mittlerweile sind deutsche und italienische Staatsanleihen negativ korreliert”

Chris Iggo, Investmentchef Fixed Income bei Axa Investment <br> Managers

Chris Iggo, Investmentchef Fixed Income bei Axa Investment
Managers

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In dem Film „My Big Fat Greek Wedding – Hochzeit auf Griechisch“ gibt es eine komische Figur. Immer und immer wieder redet der Vater der Braut über den großen Beitrag der alten Griechen zur modernen Zivilisation. Ständig erzählt er, wie viele Wörter aus dem Griechischen stammen und dass Literatur, Dichtung, bildende Kunst, Kultur, Sport und vieles mehr Erfindungen der alten Griechen seien.

Ein Schrecken ohne Ende

Recht hat er. Aber das ändert nichts daran, dass Griechenland in der Wirtschaftsberichterstattung einen Raum einnimmt, der in keinem Verhältnis zur weltwirtschaftlichen Bedeutung des Landes steht.

Unzählige Worte wurden verloren – über die griechische Schuldenstandsquote, die Unfähigkeit des Landes, Verträge mit den Gläubigern einzuhalten, die Möglichkeit eines Zahlungsfalls und einen denkbaren Austritt aus dem Euroraum.

Milliarden von Wörtern – und den Investoren reicht es allmählich. Die Lage in Griechenland ist schlecht, und wir wissen es. Wir haben viel darüber gelesen, wie schlecht sie ist. Unzählige Intellektuelle und Politiker erzählen es uns immer wieder. Es reicht wirklich, wir wollen es nicht mehr hören.

Maßnahmen über Maßnahmen

Anfang vergangener Woche einigten sich die Europäische Union (EU) und der Internationale Währungsfonds (IWF) auf ein zweites, 130 Milliarden Euro schweres Rettungspaket für Griechenland. Außerdem verständigte man sich auf die Restrukturierung jenes großen Teils der griechischen Anleihen, die sich noch immer in den Händen privater Gläubiger befinden.

Ziel ist, die griechische Schuldenstandsquote bis 2020 auf 120 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) zu senken – durch einen Forderungsverzichts des privaten und des öffentlichen Sektors, durch Privatisierungen, Deregulierung und Sparprogramme.

Griechenland wird sich dann lange kein Geld mehr am Kapitalmarkt beschaffen müssen, und durch die Restrukturierung der Schulden dürfte das Risiko eines ungeordneten Zahlungsausfalls erheblich abnehmen.

Aber jetzt sollten wir wirklich aufhören, immer über Griechenland zu reden – wohin man auch geht, jeder hat eine Meinung zur Effizienz des griechischen Steuersystems, der Sinnhaftigkeit des seinerzeitigen Beitritts zum Euro und zum Preis eines vierzehntägigen Urlaubs auf Korfu, falls Griechenland die Währungsunion verlässt. Noch nie haben sich so viele Kommentatoren so oft zu etwas geäußert, über das sie so gut wie nichts wissen.